Deutscher Mühlentag

Einblicke in das historische Handwerk in Meckenheim

Hunold Freiherr von Nordeck (r.) erklärt den Besuchern die alte Mühlentechnik.

Hunold Freiherr von Nordeck (r.) erklärt den Besuchern die alte Mühlentechnik.

MECKENHEIM. Unverzichtbar, um das tägliche Brot der Bevölkerung zu sichern, waren früher die zahlreichen Getreidemühlen auch in Meckenheim. Dank er Initiative des Vereins Pro Obere Mühle Meckenheim ist die Obere Mühle noch erhalten.

Nicht zufällig ist der Name „Müller“ einer der häufigsten in Deutschland. Denn Müller gab es früher in jedem Dorf und in jeder Stadt. Sie sorgten mit ihrer Arbeit dafür, dass das Getreide zu Schrot und Mehl wurde oder stellten Speiseöle her. Auch in Meckenheim gab es zahlreiche Mühlen, die ursprünglich meist die Wasserkraft der Swist als Antrieb nutzten. Zwei Meckenheimer Mühlen sind heute noch erhalten. Sie hatten am Pfingstmontag anlässlich des 24. Deutschen Mühlentags ihre Türen für Besucher geöffnet und gaben Einblicke ins alte Handwerk.

Voller Stolz präsentierten die Mitglieder des Vereins Pro Obere Mühle Meckenheim die beinahe komplett erhaltene Mühlentechnik, die in den vergangenen Monaten aufwendig vom Mühlenbauer Axel Brüggemann restauriert worden ist. Nur der alte Schleifringläufermotor, der zuletzt als Antrieb für die ursprüngliche Wassermühle diente, habe sich bislang noch hartnäckig allen Bemühungen widersetzt, ihn wieder in Gang zu bringen, berichtete Vereinsvorsitzende Sibylle Freifrau von Nordeck. Doch mit etwas Glück soll spätestens bis zum Tag des offenen Denkmals im September auch dieser wieder seinen Dienst tun und die Mühle wieder klappern.

Die wahre Kunst des Müllers

„Ich drücke fest dafür die Daumen“, versprach Meckenheims Blütenkönigin Lea Schoenenberg und dankte dem Förderverein für das Engagement, die geschichtsträchtige Mühle, deren Ursprünge im 14. Jahrhundert liegen und die bis 1972 genutzt wurde, wieder zum Laufen zu bringen.

Vom Arbeitsalltag des Müllers, dem Zweck der Maschinen und dem Weg des Getreides durch die Mühle berichtete Hunold Freiherr von Nordeck den interessierten Besuchern. Die Riefen im Mühlstein dienten auch der Kühlung, erläuterte er. Beim Mahlen entstehe Wärme, was ohne Kühlung dazu führe, dass das Mahlgut verkleie und nicht mehr zu gebrauchen sei.

Die wahre Kunst des Müllers sei es, die Mühlsteine richtig auszuwuchten wie bei einem Autoreifen, sodass sie ruhig laufen und nicht eiern. Mehrere Mahlgänge seien nötig, um aus dem Getreide zunächst Schrot, dann Feinschrot und schließlich Mehl herzustellen. In der Meckenheimer Mühle seien Weizen, Gerste und Hafer verarbeitet worden, zudem Roggen, aus dem auch Graupen hergestellt wurden.

Neben den Führungen durch die Mühle bot der Verein Pro Obere Mühle auch ein unterhaltsames Begleitprogramm zum Mühlentag. Beim Flohmarkt wurden Altertümchen feilgeboten und zum Mittanzen luden die Tänzerinnen des Meckenheimer Frauentreffs unter Leitung von Margret Toyka ein. Auch Kaffee und Kuchen verkauften die Vereinsmitglieder, um Geld für die Vereinskasse einzunehmen. Insgesamt 350.000 Euro kosten die Maßnahmen zur Instandsetzung, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit 50.000 Euro und von der NRW-Stiftung mit 100.000 Euro gefördert werden. Zudem verdoppelt die NRW-Stiftung jede private Spende bis zu einem Maximalbetrag von 40.000 Euro.

Wassermühle dient heute als Wohnhaus

Auch in Lüftelberg nutzten zahlreiche Besucher die Gelegenheit, einen Blick in die historische Wassermühle zu werfen, die einst zur Burg gehörte und 1664 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Seit ihrer Renovierung in den 90er Jahren dient sie ihren heutigen Besitzern Birgit und Lothar Kleipaß als Wohnhaus. Von der alten Mühlentechnik ist indes leider nichts erhalten.

Der Initiative der Lüftelberger Dorfgemeinschaft ist es zu verdanken, dass die Mühle seit 2009 wieder ein Mühlrad besitzt und somit die ursprüngliche Funktion des Hauses wieder erkennbar ist. Früher hat ein eigens angelegter Mühlgraben die Mühle mit dem Wasser der Swist angetrieben. Heute dreht sich das Mühlrad nur noch, wenn viel Oberflächenwasser, beispielsweise nach starken Regenfällen, den Mühlgraben füllt. Nach wie vor ist es ein Wunschtraum der Dorfgemeinschaft, dass der Mühlgraben das Mühlrad irgendwann wieder regelmäßig mit Wasser versorgt.