Lüftelberger Theaterverein

Ein Stück über den "Komödianten Gottes"

Der "lachende Heilige" Filippo Neri, dargestellt durch Nils Winkler (r.), steht in diesem Jahr im Mittelpunkt der Lüfthildis Mysterienspiele. FOTO: ROLAND KOHLS

Der "lachende Heilige" Filippo Neri, dargestellt durch Nils Winkler (r.), steht in diesem Jahr im Mittelpunkt der Lüfthildis Mysterienspiele.

MECKENHEIM-LÜFTELBERG. Leben und Wirken von Filippo Neri (1515-1595), der wegen seines Humors auch "der lachende Heilige" genannt wird und Lieblingsheiliger Goethes war, stehen in diesem Jahr im Mittelpunkt der Festspielwoche des Lüftelberger Theatervereins "Lüfthildis Mysterienspiele".

"Filippo Neri - der Komödiant Gottes", das Stück von Kurt Faßbender, sei nicht nur wegen des 500. Geburtstages des Heiligen ausgewählt worden, sondern auch wegen des aktuellen Bezugs, erläuterte Uwe Kolbitz, Mitspieler und Pressesprecher des Vereins.

Neri stehe genau wie Papst Franziskus in der Tradition von Franz von Assisi, habe an die eigentlichen Aufgaben der Kirche erinnert, Armen und Kranken beigestanden, liebte die kleinen Leute und machte sich lustig über den Hochmut und die Überheblichkeit der Mächtigen.

Das Mysterienspiel war in den 90er Jahren vom Lüftelberger Autor Faßbender geschrieben und 1994 erstmals aufgeführt worden. Seit Januar laufen die Proben für die aktuelle Inszenierung. Insgesamt 38 Rollen wurden besetzt. Mitspieler sind Laienschauspieler aller Altersgruppen, von denen viele schon seit Jahren im Lüftelberger Theaterverein aktiv sind.

Die Hauptrolle hat diesmal Nils Winkler übernommen. Der 25 Jahre alte Lehramts-Student der katholischen Theologie und Chemie verkörpert überzeugend den unangepassten Kirchenmann Neri.

Er könne sich gut in seine Rolle hineinversetzen, "vor allem, was die Rolle der Obrigkeit in der Kirche angeht", bekräftigt der Bonner, der früher in Lüftelberg lebte und in der Pfarrkirche St. Petrus Messdiener war, die jetzt dem Verein als Aufführungsort dient.

Heinz Limbach, der 1994 den Neri spielte, ist diesmal als Don Alfonso dabei und spielt einen Priester, der sich von Neri überzeugen lässt, dass es eine gute Sache sei, für Arme betteln zu gehen. Ein Satz des Neri, den er vor 21 Jahren spielte, habe sich ihm so eingeprägt, dass er ihn heute noch weiß: "Was meint ihr, wie die Leute folgen, wenn ein Priester vormacht, was er anderen in der Kirche predigt."

Die Zuschauer erwarte ein lebendiges Stück mit auch "schrägen" Szenen. Requisiten wie ein Zelt im Altarraum und einer Wäscheleine quer durch die Kirche und eine Prozession mit Bratpfannen kündigte Willi-Josef Wild an, der gemeinsam mit Monika Döhnert die Regie führt. Auch seine elfjährige steirische Gebirgsbracke Sylva gehört zu den Darstellern.

In zwei Akten und insgesamt 15 Szenen werden Ereignisse aus dem Leben Neris erzählt, angefangen bei der Kaufmannslehre, die der gebürtige Florentiner bei seinem Onkel in San Germano absolvierte, und seinen ersten Jahren als Theologiestudent und Erzieher in Rom, bis hin zur späten Priesterweihe, der Gründung des Oratoriums und der von ihm unerwünschten Berufung zum Kardinal.

Auch die humorvolle Art des späteren Heiligen im Umgang mit seinen Mitmenschen spiegelt sich im Faßbender-Stück wider. So berichtet Gina Paroni (Marina Weber) von einer ungewöhnlichen Buße, die ihr Neri wegen ihrer Schwatzhaftigkeit auferlegt habe.

Sie habe Federn verstreuen und sie Tage später wieder einsammeln müssen. Doch der Wind hatte sie weggeweht. Da habe Neri ihr gesagt: "Genauso sind die Reden schon im Wind dahin! Und du kannst sie nicht wieder holen. Sammle wenigstens die wenigen noch ein, die du noch finden kannst! Und halte endlich deinen losen Mund!"

Aufführung

Die Aufführungen von "Filippo Neri - der Komödiant Gottes" finden statt am Sonntag, 31. Mai, 17 Uhr, Donnerstag (Fronleichnam), 4. Juni, 15 und 19 Uhr, Samstag, 6. Juni, 18 Uhr, Sonntag, 7. Juni, 17 Uhr, in der Kirche St. Petrus Lüftelberg. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Karten sind werktags zwischen 16.30 und 18 Uhr und unter Tel. 0 22 25/1 79 78 erhältlich. Weitere Informationen unter www.mysterienspiele.de