Linksrheinischer Rhein-Sieg-Kreis Diskussion um Vor- und Nachteile der Apfelroute

Die neue Apfelroute, die im kommenden Jahr eingeweiht werden soll, richtet sich vor allem an Radfahrer.

Meckenheim. Im kommenden Jahr soll die Apfelroute im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis eingeweiht werden. Verantwortliche und Unternehmer verschiedener Branchen haben in Meckenheim über das Großprojekt gesprochen.

Eine echte Win-win-Situation – gibt es die wirklich? Dass die Apfelroute eine solche sein wird, davon sind Udo Schäfer und Ulrich W. Jünger von der Tourismus und Kongress GmbH Bonn sowie Projektleiter Thomas Baumann vom Verein Rhein-Voreifel-Touristik überzeugt. Auch Bürgermeister Bert Spilles und Meckenheims Wirtschaftsförderer Dirk Schwindenhammer begleiten das Projekt von Anfang an mit viel Energie und positiven Impulsen. Im City Hotel Meckenheim begrüßten die Geschäftsführer des Hotels, Markus Bergmann und Michele Cacciapuoti, die Verantwortlichen sowie viele Unternehmer verschiedener Branchen zum Dialog über das gemeindeübergreifende Projekt im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis.

Zielgruppen seien vor allem die Best Ager und Familien mit Kindern. Die Urlaubsplanung habe sich im Laufe der letzten Jahrzehnte maßgeblich verändert, erklärte Jünger in einem Vortrag. Nicht mehr schneller, weiter, höher sei das Ziel. Stattdessen stünde das individuelle Erleben im Mittelpunkt des Urlaubsgeschehens. Während man früher Fotos von möglichst vielen Superlativen sammelte, ist heute der unmittelbare Kontakt mit der erlebten Region en vogue. Mit diesem Trend habe der Bedarf an Rad-, Wander- und Erlebnisreisen zugenommen, was wiederum als Chance zur touristischen Erschließung genutzt werden kann.

Zielgruppenorientierte Angebote sind der Schlüssel

Um daraus einen Vorteil für die gesamte Region, die anliegenden Gemeinden, die Gewerbe und natürlich auch den Urlauber selbst zu gewinnen, müssten alle an einem Strang ziehen. Gemeinsame Planungen, dichte Vernetzungen und zielgruppenorientierte Angebote seien der Schlüssel. Als Beispiel präsentierte Jünger bereits touristisch als Radrouten erschlossene Gebiete, in denen der Umsatz der beteiligten Gewerbe um bis zu 40 Prozent gestiegen sei. Dies beträfe nicht nur die Gastronomie und Hotellerie, sondern auch den Einzelhandel.

Als Beispiele für die mögliche Orientierung an der neuen Verbrauchergruppe nannte Jünger Fahrradparkplätze an Hotels, Gaststätten und Einzelhandel oder Reparaturmöglichkeiten für durchreisende Radler. Auch in den Hofläden gäbe es Potenzial, indem man Plätze für die Radtaschen während des Einkaufs oder beispielsweise passende Lunchpakete für die Reisenden anbietet. Außerdem inspiriere unter Umständen der Blick in andere, bereits touristisch erschlossene Gebiete zu eigenen, maßgeschneiderten Angebotspaketen.

Rücksichtslose Radler sind ein Problem

Der Vorschlag, Bäume zu markieren und dort das Apfelernteerlebnis Besuchern nahezubringen, kam in der abschließenden Diskussion nach den Vorträgen aus dem Publikum. Im Sinne eines offenen Dialogs stellte sich Udo Schäfer auch kritischen Fragen. So kam aus den Reihen der Obstbauern der Hinweis, dass die Anspruchshaltung mancher Radler bereits jetzt ein Problem sei. „Den Menschen ist oft nicht klar, dass es hier nicht nur schön und grün ist, sondern dass hier auch gearbeitet wird.“ In manchen Phasen der Saison käme es auf Stunden an, innerhalb derer Bauern handeln müssen, um die Früchte an ihren Bäumen zu schützen. In solchen Fällen könnten viele rücksichtslose Radler, die den Traktoren keinen Platz machen wollen, zum ernsthaften Problem werden.

Außerdem wisse man aus anderen Gegenden, dass es zu Schäden an den Bäumen durch unsachgemäßes Ernten und teilweise quasi zu Kahlschlag an ganzen Plantagenfronten gekommen sei. „Es ist wichtig, dass die Touristen unsere Region nicht nur genießen, sondern auch wertschätzen“, so eine Landwirtin. Schwindenhammer und Schäfer nahmen die Anregung auf und versprachen, sich des Themas anzunehmen und sich darüber weiterhin auszutauschen.

Am Wochenende, 18. und 19. Mai 2019, soll die Rheinische Apfelroute als Themenradroute mit 120 Kilometern Strecke offiziell eröffnet werden. Sie wird durch Alfter, Bornheim, Meckenheim, Wachtberg, Rheinbach und Swisttal führen, hinzukommen diverse Nebenrouten.

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