Internationales Café

Die Sonnenseite des Lebens mit anderen teilen

Ursel Tofahrn und Birgitt Hartmann (v.l. stehend) engagieren sich im Internationalen Café Meckenheim. Die Familie von Flüchtling Parwiz Azizi (vorne sitzend) unterstützt dabei.

Ursel Tofahrn und Birgitt Hartmann (v.l. stehend) engagieren sich im Internationalen Café Meckenheim. Die Familie von Flüchtling Parwiz Azizi (vorne sitzend) unterstützt dabei.

Meckenheim. Im Internationalen Café in Meckenheim treffen sich Flüchtlinge, Helfer und Bürger. So mancher Schutzsuchende engagiert sich selbst.

Herzliche Begrüßungen in unterschiedlichen Akzenten, dazu Kaffee- und Kuchenduft quer durch die Räume der evangelischen Friedenskirche: Im Internationalen Café kommen seit April im Zwei-Wochen-Takt Flüchtlinge, Helfer und interessierte Meckenheimer unter der Federführung von Ursel Tofahrn und Birgitt Hartmann zusammen.

Die Kinder spielen auf dem Flur, eine Hebamme berät Schwangere, denen sie auch Umstandsmode mitgebracht hat, Flüchtling Parwiz Azizi holt noch schnell neue Gäste von der Bushaltestelle ab, und ein Ehrenamtlicher stimmt schon mal seine Gitarre, auf der er später die Weihnachtslieder der lockeren Runde begleitet. "Wir möchten den Flüchtlingen unsere Kultur auch anhand unserer Festtagsbräuche nahebringen. Wer sich integrieren will, nimmt das offene Angebot gerne an", beobachtet Ursel Tofahrn.

Für das Ehrenamt der Café-Leitung hat sich die 69-Jährige spontan am Runden Tisch der Caritas und der Stadt Meckenheim gemeldet, und bevor sich Angst vor der eigenen Courage einschleichen konnte, bekam sie auch schon Unterstützung von ihrer Freundin Birgitt Hartmann.

Und natürlich von Ehemann Udo: "Wir stehen auf der Sonnenseite des Lebens. Davon möchten wir der Gesellschaft etwas zurückgeben", sagt der vielfach ehrenamtlich engagierte Mitorganisator des Freiwilligenzentrums Oase, das regelmäßig auch Helfer ins Internationale Café vermittelt.

Und kaum auf dieser Sonnenseite angekommen, drängt es so manchen Flüchtling schon, selbst aktiv zu werden und anderen von der neu gewonnenen Lebensqualität etwas zurückzugeben. Wie zum Beispiel Parwiz Azizi: Der 30-Jährige engagiert sich seit einiger Zeit ehrenamtlich im Altenheim. "Ich hole die Bewohner vom Zimmer ab und begleite sie zu ihren Angeboten. Bei einigen der Angebote mache ich auch schon selbst mit und lese den alten Menschen vor oder spiele mit ihnen", erzählt Azizi, der sich nach nur etwas über einem Jahr in Meckenheim schon recht verständlich auf Deutsch unterhalten kann.

Im Oktober vergangenen Jahres floh er mit seiner Frau Razia Abbassy und den drei Kindern aus Afghanistan, wo er als Bus- und Krankenwagenfahrer gearbeitet hatte. "Ich würde so gern endlich wieder arbeiten. Bis ich das hier darf, setze ich mich gern ehrenamtlich ein", sagt der schmale Mann und lässt große Tatkraft ahnen.

Die schlummert in vielen: "Insbesondere die jungen Männer wollen unbedingt arbeiten und lernen", bekräftigt Birgitt Hartmann. "Viele helfen sich untereinander. Das erleichtert die ersten Schritte in der neuen Kultur sehr." Die 74-Jährige weiß, wovon sie spricht: Gemeinsam mit ihrem Mann Bernhard hat sie jahrelang in Afrika gelebt und im Auftrag des deutschen Entwicklungsdienstes in Lesotho die Ausbildung für pharmazeutisch-technische Assistenten aufgebaut.

Sie hat es gelernt, ohne Scheu auf andere zuzugehen. "Die Angst vor dem Fremden baut sich ganz von selbst ab, sobald man miteinander ins Gespräch kommt. Wir müssen den Flüchtlingen einfach die Hand reichen und uns öffnen, um neue Kontakte zu ermöglichen." "Und das ist dann auch für einen selbst sehr viel bereichernder, als zu Hause zu sitzen", ergänzt Udo Tofahrn.

Wer sich in der Flüchtlingshilfe oder anderweitig ehrenamtlich engagieren möchte, nimmt Kontakt zum Freiwilligen-Zentrum Oase Meckenheim unter der Rufnummer 02225/992499 oder per E-Mail an info@oase-meckenheim.de auf.