Ehrenamt mit 186 Terminen im Jahr

Der Arbeitsalltag von Merls Ortsvorsteher Michael Sell

Ein Düsseldorfer in Merl: Michael Sell verschlug es beruflich nach Bonn und in den Wohnort Meckenheim, wo er sich schnell ehrenamtlich engagierte. Seit der jüngsten Kommunalwahl ist er Merler Ortsvorsteher.

Ein Düsseldorfer in Merl: Michael Sell verschlug es beruflich nach Bonn und in den Wohnort Meckenheim, wo er sich schnell ehrenamtlich engagierte. Seit der jüngsten Kommunalwahl ist er Merler Ortsvorsteher.

MERL. Der 58-Jährige ist gebürtiger Düsseldorfer. Aber das gilt in seiner Wahlheimat Meckenheim längst nicht mehr. Der Ortsvorsteher Michael Sell repräsentiert die Stadt und auch den Bürgermeister.

Rechnerisch steht in Michael Sells Kalender an jedem zweiten Tag des Jahres ein offizieller Termin. Und doch sagt er: „Ortsvorsteher in Merl ist ein tolles Amt, da alle an einem Strang ziehen und es Spass macht, sich hier zu engagieren.“ Seit der jüngsten Kommunalwahl hat der 58-Jährige diese Funktion inne – ein Ehrenamt und eine echte Aufgabe.

Denn Ortsvorsteher repräsentieren die Stadt und auch den Bürgermeister, wenn dieser oder dessen Stellvertreter verhindert sind. Allein 2017 absolvierte Sell 183 Termine, hat er gezählt.

Einen großen Anteil haben die Gratulationen im Namen der Kommune. So gratuliert die Stadt ihren Bewohnern zum 85. und 90. Geburtstag und anschließend jedes Jahr. Und auch Ehejubilaren von der Goldhochzeit an macht der Vertreter der Stadt die Aufwartung – so gewünscht. In Merl sind dies allein 69 Termine in einem Jahr.

Daneben ist Ortsvorsteher Sell auch geborenes Mitglied im Ortsausschuss, in dem alle Merler Vereine, Kirchen, Kindergärten und Schulen vertreten sind. Dieser tagt zwar offiziell nur zwei- bis dreimal im Jahr, insbesondere um Dorffeste und ähnliches vorzubereiten.

89 Termine im Kalender für Festorganisation

Doch gefeiert werde in Merl gerne, sagt Sell schmunzelnd, und alle Anlässe sind willkommen, vom Maiansingen am Merler Maibaum bis zum Martinszug der Grundschulen. Diese Veranstaltungen lägen schon traditionell in der Organisation des Ortsvorstehers, und nur dafür summierten sich 89 Einträge im Terminkalender.

Bei allen Repräsentationsaufgaben: Politik gehört zum Amt des Merler Ortsvorstehers dazu, der seinen Wahlbezirk für die CDU direkt geholt hat und auch Ratsmitglied ist. Rats-, Ausschuss- und Fraktionssitzungen und Besprechungen außer der Reihe – da kommt was zusammen.

Zudem wissen die Merler: Ihr Ortsvorsteher ist fast immer ansprechbar, und sie wenden sich mit den vielfältigsten Anliegen an ihn, erzählt Michael Sell. Mal ist eine Sitzbank kaputt, dann droht ein Baum wegen Wassermangels einzugehen und irgendwo hat jemand illegal seinen Abfall entsorgt. Oft kann er etwas tun für die Bürger.

Austausch auf dem kleinen Dienstweg

„Das Zusammenspiel zwischen Ortsvorsteher und Kommune auf dem kleinen Dienstweg funktioniert hervorragend“, so der Vater dreier erwachsener Kinder. Dazu trage auch der regelmäßige Austausch mit Bürgermeister Bert Spilles bei, denn kleinere Probleme könnten oft mit Hilfe des Bauhofes schnell gelöst werden.

Aber wie wird man als gebürtiger Düsseldorfer Ortsvorsteher in Merl? Auf diese Frage muss Michael Sell schmunzeln. Er verweist darauf, dass er in Köln geheiratet habe und anschließend zunächst nach Bonn gezogen sei. Dies auch bedingt durch den Hauptjob als Beamter im Bundesumweltministerium. Mit der Familie folgte der Umzug nach Meckenheim.

Und Michael Sell war schon immer sportlich aktiv, was ihn sehr schnell zum SV Rot-Weiß Merl führte. Dort brachte er sich mit vollem Engagement ein: Von 1999 bis 2010 war er Vorsitzender des Vereins, der ihn 2011 zum Ehrenvorsitzenden ernannte. Schon in dieser Zeit gab es Berührungen mit der Politik, denn der Verein wollte und musste wachsen.

Auch der Umzug von der alten Heim-Sportstätte, dem Sportplatz mitten in Steinbüchel, zur neuen modernen Anlage an der Gerhard-Boeden-Straße, fiel in diese Epoche. Stolz ist Sell darauf, dass er an vorderster Front gegen die Einführung einer Sportstättennutzungsgebühr in Meckenheim kämpfte und dies verhindert wurde.

Er sei gern Ortsvorsteher in Merl, sagt Michael Sell. Sein Dank gilt dabei auch seiner Familie, die dieses Engagement voll unterstütze. So weiß er sich nicht nur von seinen Bürgern, sondern auch von seiner engsten persönlichen Umgebung getragen.