WLAN-Zugang in Meckenheim und Rheinbach

Bürger teilen sich „ihr Internet“

Bürger will in Meckenheim Freifunk etablieren

Bürger will in Meckenheim Freifunk etablieren

24.02.2016 Meckenheim/Rheinbach. Freifunk: Verein will einen kostenlosen WLAN-Zugang, frei von jeglichen Barrieren und Kostenfallen, in Meckenheim und Rheinbach ermöglichen.

Es klingt auf den ersten Blick wie das Hirngespinst eines Hackers. Einen kostenlosen WLAN-Zugang, frei von jeglichen Barrieren und Kostenfallen, hätten viele Internetnutzer gerne. In Meckenheim und Rheinbach ist solch eine Eintrittskarte zum Internet dank einer deutschlandweiten Initiative künftig möglich. Was in anderen deutschen Städten schon lange Standard ist, soll nun auch in der Region die Attraktivität von Einkaufszentren, Gastronomie und Parkanlagen erhöhen – und Internetzugänge für Flüchtlinge ermöglichen. Das wünschen sich die Aktivisten der Bürgerinitiative „Freifunk Meckenheim“, die eine Art kostenloses Bürger-WLAN etablieren wollen.

Und so funktioniert das neue stadtweite Datennetz: Mit geringem finanziellen Aufwand können Privatleute und Geschäftstreibende einen definierten Teil ihrer meist brachliegenden Bandbreite der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, wie Hagen Bauer, Sprecher der Bürgerinitiative, im Gespräch mit dem GA berichtet. Das Projekt Freifunk Meckenheim möchte als ausdrücklich nichtkommerzielle Initiative ein Datennetz mit WLAN-Geräten, den sogenannten Knoten, aufbauen. Die Nutzung ist dabei frei von einer Registrierung oder Erfassung von anderweitigen Informationen.

Hintergrund: Deutschlandweit hat sich Freifunk zum Ziel gesetzt, offene Funknetzwerke einzurichten und diese miteinander zu verbinden. Dies ermöglicht einen freien Datenverkehr „durch die Luft” in der ganzen Stadt innerhalb des Freifunknetzes. In der Apfelstadt und Umgebung sind jetzt die ersten Zugänge online gegangen.

Damit können beispielsweise Eltern ihren Kindern einen sicheren Zugang zum Internet bereitstellen – oder Landwirte ihren Saisonarbeitern sowie Firmen, Läden und Gaststätten ihren Gästen. „Das System funktioniert ohne Mailregistrierung, Gutscheincodes, gebührenpflichtige SMS oder Like-Buttons“, berichtet Bauer. Als Konkurrenz für die etablierten Internetanbieter sieht der Meckenheimer IT- und Software-Berater das Ansinnen des Vereins keineswegs: „Der Freifunk ist nicht als Ersatz für den eigenen Internetanschluss zu Hause zu sehen“, sagt er. Alleine die vergleichsweise geringen Bandbreiten der Freifunknetze, die zur Verfügung stehen, seien eine Art Garantie dafür, dass kein Streaming (Herunterladen) mit gigantischen Datenkapazitäten, etwa für Spielfilme in HD-Qualität, möglich ist.

Ein Thema, welches Bauer und seine Mitstreiter in besonderem Maße antreibt, ist es, Freifunk für Flüchtlinge zu ermöglichen. Es gebe derzeit bundesweit etwa 100 Flüchtlingsunterkünfte, die von der Idee des Internetteilens profitieren. „Das möchten wir auch in Meckenheim etablieren.“ Der Internetzugang erfülle gleich mehrere wünschenswerte Funktionen, wie der Vereinssprecher findet: „Die Flüchtlinge sind beschäftigt, sie können sich weiterbilden und nicht zuletzt können sie mit Angehörigen und Freunden in der Heimat kommunizieren.

Ein solidarischer Effekt der Freifunk-Initiative: Es ist möglich und erwünscht, dass sich die Freifunker „ihr Internet“ mit anderen teilen, indem sie es um einen freifunkfähigen WLAN-Router erweitern. Um beim Freifunk mitzumachen, brauchen die Nutzer nichts weiter als einen passenden WLAN-Router und etwas Platz für diese kleine Gerätschaft. Die Kosten beliefen sich aktuell auf weniger als 20 Euro und die Installation geschehe in weniger als 20 Minuten. „Wir sind nicht die Erfinder, sondern nur die Nutzer der Infrastruktur“, sagt Bauer.

Durch die Zusammenarbeit mit dem Freifunkverein Freifunk Rheinland sei die notwendige rechtliche Sicherheit für die Freifunknutzer gegeben. Der Verein Freifunk Rheinland verfügt über den Status als offizieller Provider und ist damit wie andere große Hotspotbetreiber von der sogenannten Störerhaftung befreit. Grund: Der Netzwerkverkehr wird über eine Umleitung anonymisiert und die eigene private Adresse ist nicht mehr nachvollziehbar. „Mir ist kein Fall einer Störerhaftungs-Abmahnung bekannt“, berichtet der IT-Experte, für den sein Engagement in Sachen Freifunk ein „privates Hobby“ ist, wie er sagt. „Wir hängen uns nur an die Infrastruktur von Freifunk Rheinland dran“, sagt Bauer und hofft, dass die Idee innovative Firmen, Vereine und Privatleute anspricht, die an einem Bürgernetz mitarbeiten wollen.

Mehr Informationen zum Projekt Freifunk in Meckenheim und Rheinbach gibt es per E-Mail an die Adresse info-ff@freifunk-meckenheim.de. oder unter www.freifunk-meckenheim.de. (Mario Quadt)