Biobauernhof in Meckenheim

Am Anfang war Bio-Landwirt Bois ein Außenseiter

Alles frisch, alles bio: Hubert Bois in seinem Hofladen in Meckenheim.

13.12.2012 MECKENHEIM. Landwirt Hubert Bois stellte seinen Meckenheimer Betrieb vor 30 Jahren auf Bioanbau um - mit Erfolg.

Als er vor 30 Jahren den elterlichen Hof umkrempelte, war Hubert Bois ein Vorreiter. "Bioanbau", das war Anfang der 80er Jahre noch ein Thema für "Öko-Freaks", die meist milde belächelt wurden. Heute, nach 30 Jahren im Bio-Geschäft, beschäftigt der Unternehmer etwa 50 Mitarbeiter, dazu 20 Saisonarbeiter vom Frühjahr bis zum Spätherbst.

Bois ist mittlerweile Importeur, der andere Händler beliefert - mit Geschäftspartnern in Südeuropa, in Argentinien, Neuseeland und der Dominikanischen Republik.

Zunächst habe er der konventionellen Landwirtschaft unkritisch gegenüber gestanden, als er den Hof 1981 übernahm, berichtet der heute 53-Jährige. Er hatte eine Gartenbaulehre und die Meisterschule hinter sich.

Zum Umdenken kam er, als er sich mit einem Unkrautvernichtungsmittel, das den Wirkstoff Paraquat enthielt, schwer vergiftete. Er hatte das Kontakt-Herbizid über die Haut aufgenommen. Die Symptome glichen einer Erkältung ohne Fieber, beschreibt Bois seine Beschwerden. Zuvor war er - wie die meisten damals - recht sorglos mit chemischen Düngern und Pestiziden umgegangen.

Doch nun interessierten ihn Alternativen. Er besuchte 1982 einen Einführungskursus des Demeter-Bundes und begann im November 1982, seinen Hof nach dessen strengen Richtlinien zu bewirtschaften. Seine Eltern ließen ihren Sohn gewähren, wenn Großvater Hubert Kleefuß auch eher skeptisch war.

Doch der Erfolg gab Hubert Bois recht. Bereits 1986 pachtete er Flächen hinzu, vom Meckenheimer Obstbauern Wüst, der bereits seit 1974 biologisch-dynamischen Anbau betrieben hatte. 1989 übernahm er den Wüst-Hof samt Hofladen an der Wormersdorfer Straße, in dem er bis heute seinen Bioladen eingerichtet hat.

Bio-Landwirte waren in der Anfangszeit Außenseiter, erzählt Bois. Bio-Lebensmittel waren damals immer auch "vollwertig", und "alles schmeckte nach Honig". Heute bietet er in seinem Laden ein Vollsortiment für jeden Geschmack an, inklusive Kosmetika und Reinigungsmittel. Gemüse baut Bois inzwischen selbst an, "alles was Boden und Klima zulassen", auf insgesamt 50 Hektar. Demnächst kommt Bio-Getreide dazu, vor allem wegen des Strohs, das als Mulch für die Beerenobststräucher gebraucht wird.

Bois setzt natürliche Dünger ein, verwendet Nützlinge zur Bekämpfung von Schädlingen und greift zur Hacke statt zu Unkrautvernichtern. Zugute kommt ihm der fruchtbare Lössboden, "das Gold des Bauern". Hubert Bois achtet bei seinen Auslandsprojekten auf Nachhaltigkeit und soziale Aspekte. Seine Söhne treten bereits in seine Fußstapfen: Kazim hilft im Bio-Großhandel, Alexander ist Betriebswirt in einem Bio-Unternehmen in Duisburg, Martin ist Bio-Gärtner im Alten Land.

 

Im Zeichen einer griechischen Göttin

Die Demeter-Vereinigung basiert auf den Lehren von Rudolf Steiner, der 1924 Vorträge über "Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft" hielt. 1927 wurde die "Verwertungsgenossenschaft für Produkte der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsmethode" gegründet, 1928 das Demeter-Warenzeichen eingeführt. Demeter ist in der griechischen Mythologie eine Göttin, die zuständig ist für die Fruchtbarkeit der Erde.

1931 wurden bereits 1000 Bauernhöfe biologisch-dynamisch bewirtschaftet. 1941 verbot die NSDAP die Demeter-Organisationen. 1954 konstituierte sich der Demeter-Bund, 2007 Demeter e.V. . Nach den strengen Demeter-Vorgaben arbeiten in Nordrhein-Westfalen 110 Erzeuger. (Anita Borhau-Karsten)