Obere Mühle in Meckenheim

Altertümchen erstrahlt in neuem Glanz

Meckenheim. Eine Meckenheimer Initiative will das Technikdenkmal in der Swistaue vor dem Verfall retten. Derzeit wird das Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert saniert.

Mühlenbauer Axel Brüggemann aus Dingelstedt im Harz hat ganze Arbeit geleistet. Seit letztem Sommer restauriert der Fachmann die Maschinen der Oberen Mühle in Meckenheim. Trotz dreimonatiger Winterpause ist das meiste schon instand gesetzt. Der Meckenheimer Verein „Pro Obere Mühle Meckenheim“ will das Denkmal in der Swistaue vor dem Verfall retten und in eine Art Erlebnismuseum verwandeln, in dem die alte Technik für Besucher erlebbar wird.

Fast wie neu präsentiert sich beispielsweise die Königswelle im Keller, die früher die Wasserkraft der Swist, später die eines Motors an die Mahlwerke und Transporteinrichtungen der Mühle übertragen hat. Die alte Haferglattwalze im Erdgeschoss, die vor allem zur Herstellung von Futter für Pferde benutzt wurde und deren Reparatur sich als große Herausforderung entpuppte, ist wieder voll funktionsfähig. Auch der Schleifringläufer-Elektromotor, Baujahr 1943, konnte repariert werden und wird zukünftig auf einem neuen, erhöhten Sockel und so vor Hochwasser geschützt, in der Lage sein, die Maschinen anzutreiben.

Die Holzteile präsentieren sich glänzend nach der Schellackbehandlung. Nur noch die Elevatoren, die Riemen aus Kamelhaar und das Becherwerk müssen repariert und ergänzt werden – dann kann die Mühle, deren Ursprünge im 14. Jahrhundert liegen und die seit 1972 stillsteht, wieder mahlen.

Sanierungsarbeiten sollen bis Pfingstmontag fertig sein

Bis zum Deutschen Mühlentag, am Pfingstmontag, 5. Juni, soll alles fertig sein. „Aber mahlen wollen wir vorerst nicht, sonst kommen die Mäuse“, erläutert Hunold Freiherr von Nordeck die Pläne des Vereins „Pro Obere Mühle Meckenheim“. Die wieder gangbare Technik soll zur Veranschaulichung dienen, um Besuchern, insbesondere Vorschulkindern und Schulklassen, eindrucksvoll das Leben vergangener Tage und den Weg vom Korn zum Brot zu vermitteln. „Vielleicht findet sich ja irgendwann wieder ein richtiger Müller, der die Mühle betreibt“, meint Vereinsvorsitzende Sibylle Freifrau von Nordeck.

Von den Fortschritten im Meckenheimer Technikdenkmal konnten sich jetzt die Mitglieder des Ausschusses für Schule, Sport und Kultur überzeugen. Das historische Gebäude befindet sich im Besitz der Stadt. Ein Nutzungsvertrag regelt die Kooperation mit dem Förderverein, der sich seit 2003 dafür einsetzt, aus dem Altertümchen eine Besuchermühle und touristische Attraktion zu machen. Neben der Gangbarmachung der alten Maschinen widmet sich der Verein daher auch dem Gebäude selbst.

Neue Fenster und Türen sollen im April und Mai eingebaut werden. Das Rolltor am Maschinenhaus wurde schon mit Hilfe der Initiative „Neue Pfade Rheinbach“ erneuert. Das dringlichste Anliegen des Vereins erklärte Sibylle von Nordeck den Frauen und Männern des Ausschusses: „Wir brauchen unbedingt eine Toilette für unsere Veranstaltungen – doch dazu brauchen wir die Stadt.“ Denn die baurechtlichen Fragen seien noch nicht geklärt und Arbeiten im Außenbereich daher nicht möglich.

Mit 350 000 Euro Gesamtvolumen sind die Arbeiten an der Mühle veranschlagt. Die Instandsetzung der Technik wird von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit 50 000 Euro gefördert. Weitere 100 000 Euro kommen von der NRW-Stiftung, die zudem jede private Spende bis zu einem Maximalbetrag von 40 000 Euro verdoppelt. Doppelt Gutes tun wollte auch der Heimatverein Meckenheim. Vorsitzender Meinolf Schleyer und Schatzmeister Günther Tobisch haben dem Verein „Pro Obere Mühle“ einen Scheck in Höhe von 5000 Euro übergeben und damit den Startschuss für eine große Spendenaktion des Fördervereins gegeben – so zumindest erhofft es sich der Vorstand.

„Wir werden Briefe schreiben und Klinken putzen an etwa 300 Türen der Stadt, um insbesondere die Gewerbetreibenden davon zu überzeugen, wie einzigartig und erhaltenswert unsere Obere Mühle ist“, kündigte Hunold von Nordeck an.

Mehr Informationen zur Oberen Mühle und zur Arbeit des Fördervereins gibt es unter http://meckenheimer-muehle.de.