Historische Motorräder

26 Maschinen vom Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Stars der vierten Pionierfahrt

Eher an ein Fahrrad erinnert dieses Motorrad, dessen Fahrer jedoch stilecht gekleidet ist.

MECKENHEIM-LÜFTELBERG. Der seltene Anblick der Motorräder der ersten Stunde hat einige Dutzend Liebhaber am frühen Sonntagmorgen angelockt. Organisiert haben die Pionierfahrt Jürgen Hammerschlag-Mäsgen aus Alfter und sein Schwager Peter Langel aus Bonn, mit Unterstützung von Alfred Kiupel von der Pension "Tante Lotti".

Ohne körperlichen Einsatz geht gar nichts, wenn eines der Motorräder aus den Baujahren vor 1914 losfahren soll. Egal, ob der Motor beim stehenden Fahrzeug gestartet werden kann oder ob im Fahren - ohne dass der Fahrer wie beim Fahrrad in die Pedale tritt, springen die Maschinen nicht an.

"Die Motorräder aus der Pionierzeit machen den Übergang vom Fahrrad zum Motorrad deutlich", erklärte Hans-Peter Schneider vom Motor Veteranen Club Bornheim-Brenig am Sonntag bei der Ausfahrt zur vierten internationalen Pionierfahrt der historischen Motorräder ab der Pension "Tante Lotti" in Lüftelberg.

Die Fahrer der 23 Vorkriegsmodelle der Jahre 1901 bis 1912 sowie der drei Motorräder der Sonderklasse von 1918, 1919 und 1922 hatten sich teils auch im Outfit der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts angepasst. Sie trugen Knickerbocker, eng anliegende Lederhauben und dazu passende Schutzbrillen.

Einige trugen auch Rucksäcke auf dem Rücken, an denen das Kennzeichen befestigt war, denn bei manchen Modellen war am Fahrzeug selbst gar kein Platz dafür vorgesehen. Als erster ging Ulrich Wesolek aus Castrop-Rauxel mit seiner Autocyclette der französischen Marke Clement aus dem Jahr 1901 an den Start. Die Ähnlichkeit mit einem Fahrrad ist unübersehbar bei dem Pionier mit 143 Kubikzentimeter Hubraum.

Dass die Fahrer damals wie heute Ehrgeiz ebenso wie Gelassenheit mitbringen müssen, machte die Erläuterung Schneiders deutlich: "Der Motor lief oder er lief eben nicht. Vieles musste noch ausprobiert und experimentiert werden", so der Fachmann. Die Motoren haben weder Getriebe noch Kupplung. "Und das ist so eine Sache. Der Lederriemen geht direkt zum Hinterrad. Und wenn so ein Lederriemen bei Regen nass wird, wird er dadurch länger und dann hat man ein Antriebsproblem." Die Minerva V2 aus dem Jahr 1907 mit 577 Kubikzentimeter Hubraum des Niederländers Harry de Boer ist ein "unverfälschtes Motorrad ohne Getriebe und ohne Vorderradbremse", so Schneider, "aber schon mit Federung".

Mit der Excelsior T7 mit 1000 Kubikzentimeter Hubraum ging Manfred Schlottau mit einer Rarität aus den USA aus dem Jahr 1912 an den Start. Knatternd und qualmend führte die vierte Pionierfahrt durch Voreifel und Vorgebirge mit Stationen in Arzdorf und Mondorf, um am Schluss wieder zum Startpunkt "Tante Lotti" zurückzukehren.