Sturm, Trockenheit und Borkenkäfer

140.000 Fichten im Kottenforst gefällt

Kottenforst. Nach Sturm, Trockenheit und Hitze und wegen der Borkenkäferplage lässt das Forstamt im Kottenforst auf einer Gesamtfläche von 250 bis 300 Hektar 140.000 Fichten fällen. Rund 40.000 Eichen, Buchen und Linden sollen die Nadelbäume ersetzen.

Wer zum Jahresbeginn durch den Kottenforst wandert, dem fallen unweigerlich zahlreiche Kahlschläge ins Auge: zum Beispiel in der Nähe des Buschhovener Forsthauses, an der Verlängerung der Viehtrift bei Heimerzheim und am Eisernen Mann. „Insgesamt sind das in meinem Revier etwa zwölf Hektar“, sagt der Buschhovener Revierförster Daniel Braun. Er organisiert die Fällung der befallenen Fichten, die er an der Braunfärbung der Nadeln erkennt.

Der Borkenkäfer hat den Nadelhölzern so stark zugesetzt, dass sie nicht mehr zu retten waren. „Eine gesunde Fichte kann sich gegen die Käfer wehren“, erklärt Braun. Aber die Bäume seien durch die Hitze und die Trockenheit im Sommer zu sehr geschwächt gewesen.

Im Rhein-Sieg-Kreis und der Stadt Bonn ließ das Regionalforstamt 140.000 befallene Fichten auf einer Gesamtfläche von 250 bis 300 Hektar fällen. „Ein riesiger Aderlass“, sagt Forstdirektor Stephan Schütte vom Regionalforstamt. In „normalen“ Jahren würden in dem Bereich nur etwa 45.000 Nadelbäume entfernt und durch Laubbäume ersetzt.

Nach Weihnachten begannen die Abholzungen durch eine vom Forstamt beauftragte Firma. Derzeit werden die Flächen mit Kettenbaggern geräumt. So entsteht Platz für neue Pflanzungen. Braun hat für sein Revier bereits frühzeitig 40.000 junge Bäume bestellt. Sie kosten pro Exemplar zwei bis drei Euro. Es sind Eichen, Hainbuchen und Winterlinden. Diese Arten sind gegen Hitze und Trockenheit widerstandsfähiger als Nadelhölzer und damit auch besser geeignet, den Klimawandel zu überstehen.

Forstwirtschaftlich großer Verlust

Forstwirtschaftlich seien die Fichten ein großer Verlust, der noch nicht exakt zu beziffern sei, so Braun. Auf der anderen Seite biete die Situation nun aber auch die Chance, den beabsichtigten Umbau des Waldes in einen Mischwald schneller zu vollziehen. Der jetzt zu pflanzende Wald soll dem Klima in 100 Jahren angepasst sein. Dem Vorschlag von BUND-Chef Achim Baumgartner, nicht in die Natur einzugreifen und die Fichten stehenzulassen, kann Braun nichts abgewinnen: „Es würden zuerst Weiden und Birken nachwachsen und es würde sehr lange dauern, bis diese Parzelle wieder bewirtschaftet werden könnte.“

Durch den Orkan Friederike, der am 18. Januar über Deutschland fegte, und den trockenen Hitzesommer mit 40 Prozent weniger Niederschlag hat sich der Borkenkäfer massiv vermehrt und massenhaft Fichten befallen. Laubbäume haben als Schutz vor Trockenschäden Blätter und Früchte abgeworfen und so Herbst und Winter vorzeitig eingeläutet. Die Bäume sind deutlich weniger gewachsen. „Wald und Holz NRW rechnet mit Zuwachsverlusten von 40 Prozent. 2018 wird im Holz als sehr dünner Jahrring zu erkennen sein“, sagt Schütte.

Durch den trockenen Hitzesommer konnten die Borkenkäfer eine zusätzliche Generation in die Welt setzen. Ein Weibchen produziert über mehrere Generationen bis zu 200 000 Nachfahren pro Jahr. Die jetzt schlüpfenden Käfer überwintern im Waldboden. Bei für sie günstiger Witterung (trocken und kalt) wird es zu einer Massenvermehrung führen. Die Strategie der Förster ist es, Borkenkäferbefall zu erkennen, wenn die Nachkommen noch im Eier- oder Larvenstadium sind, also noch nicht mobil. Vorrangig werden also nur die frisch befallenen Bäume gefällt, die teils noch grüne Nadeln haben. Schütte: „Bäume, die rot gefärbt sind, sehen zwar dramatischer aus, der Käfer ist aber dann bereits ausgeflogen, sodass die Arbeiten auf die frisch befallenen konzentriert werden sollten. Dies muss in den nächsten Wochen passieren, bevor die letzte Käfergeneration die Fichtenstämme verlässt, um im Waldboden zu überwintern.“

Borkenkäfer ist europaweit aktiv

Derzeit sind sowohl die Kapazitäten für das Fällen und Bearbeiten der Stämme wie auch die Transportkapazitäten, um das Borkenkäferholz aus dem Wald zu holen, extrem knapp, Lagerplätze gibt es nur vereinzelt. Die Lager der Sägewerke seien durch das Holz der vorangegangenen Stürme voll. Das Käferholz komme zu einem extrem ungünstigen Zeitpunkt und verursache großen Absatzstau, sagt Schütte. Export scheide zurzeit ebenfalls aus, da der Borkenkäfer europaweit aktiv sei, und überall die Transportkapazitäten fehlten und die Holzlager voll seien.

Um den Absatzstau nicht noch weiter zu verschärfen, fällt Wald und Holz NRW im Staatswald keine gesunden Fichten mehr. Wald und Holz NRW bittet Privatwaldbesitzer und Kommunen ebenfalls, keine gesunden Fichten mehr zu fällen, bis sich die Borkenkäfersituation entspannt hat.

Wald und Holz NRW bemüht sich um Lagerplätze außerhalb der Wälder, auf denen das Käferholz einige Kilometer entfernt vom Wald gelagert werden kann. Die aus den Stämmen schlüpfenden Käfer haben dann keine Chance, weitere Bäume zu befallen.

Auch Schütte weist Baumgartners Vorschlag zurück: „Auf den meisten vom Borkenkäfer zerstörten Flächen werden sich wieder Fichtenwälder entwickeln, wenn Forstleute nicht eingreifen. Der Umbau zu klimastabileren und ökologisch wertvolleren Mischbeständen funktioniert nicht, wenn man den Wald der Zukunft und seine Entwicklung sich selbst überlässt.“ Das Absterben der Fichten durch den Borkenkäfer sei auch eine Chance, den Waldumbau schneller voranzutreiben. Der Umbau erfordere viel Arbeit und Investitionen in den Waldbau