Prägedienste verlangen zu viel Geld

Ärger über hohe Preise für Autoschilder

RHEIN-SIEG-KREIS. Da fiel Gerhard Wagner (Name geändert) aus Meckenheim gehörig die Kinnlade herunter: Zwar fährt er täglich mit dem Fahrrad zu seiner Arbeitsstelle nach Bonn, dennoch benötigte er für die Zulassung eines Wagens für die Familie neue Autokennzeichen.

Entsetzt war er, als er hörte, was die Prägung von zwei Schildern in der Meckenheimer Außenstelle des Straßenverkehrsamtes des Rhein-Sieg-Kreises an der Kalkofenstraße kosten soll: 36 Euro lautete die Auskunft der dort ansässigen Firmen.

Für Wagner ist die Höhe der Gebühren nicht erklärbar: "In Bonn waren 30 Euro fällig, im Internet gibt es sie schon für sieben Euro pro Stück." Wagner empfindet die hohen Gebühren als glatten Wucher. Was ihn wundert: In allen drei Ladenlokalen, die im Behördengebäude untergebracht sind, erhielt er die gleiche ernüchternde Auskunft.

Hintergrund: Das Straßenverkehrsamt in der Nähe des Meckenheimer Bahnhofes ist Anlaufstelle für alle Auto- und Motorradfahrer im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis, die nicht bis zur Hauptstelle des Amtes im Siegburger Kreishaus fahren wollen. Wer sein Auto anmeldet, erhält von den Sachbearbeitern einen Schein, auf dem etwa das bestellte Wunschkennzeichen vermerkt ist. Mit diesem Dokument können Autofahrer dann zu den privaten Prägediensten gehen.

Zum Vergleich: In den Prägestellen am Siegburger Kreishaus sind nach GA-Recherchen für das Schilderpaar 24 Euro fällig. In der Linzer Außenstelle des Straßenverkehrsamtes für den Kreis Neuwied sind es 25 Euro.

Von einer regelrechten "Schildermafia" in Meckenheim spricht Wanda Burkhardt (Name geändert) im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Nach eigenen Angaben war sie selbst in einem der vier Meckenheimer Prägebetriebe beschäftigt - von denen derzeit nur zwei geöffnet sind. "Fast 40 Euro für zwei Schilder ist völlig unangemessen", sagt Burkhardt.

Das Problem sieht sie darin, dass es die Unternehmen vermeiden, mit günstigeren Preisen um die Kunden zu werben. "Die sind sich alle einig und nehmen alle lieber den hohen Preis", erklärt die Frau aus dem Linksrheinischen. Die reinen Produktionskosten für ein Schild schätzt sie nach ihrer Erfahrung auf unter zwei Euro ein.

"Die Leute müssen ja den überhöhten Preis bezahlen, wenn sie das Amt nicht ohne Schild in der Hand verlassen wollen", sagt die langjährige Mitarbeiterin, die sich förmlich schämt, ihren Namen zu nennen.

Beim Rhein-Sieg-Kreis ist die Kritik an der Höhe der Preise für Autoschilder im linksrheinischen Teil des Kreises noch nicht angekommen, wie Dirk Kassel, Pressesprecher des Rhein-Sieg-Kreises, auf GA-Anfrage erklärt. Der Kreis habe in der angemieteten Außenstelle des Straßenverkehrsamtes in Meckenheim nach einem öffentliche Bieterverfahren vier Ladenlokale an vier verschiedene Unternehmen mit unterschiedlichen Ansprechpartnern untervermietet, sagt Kassel.

"Die Untervermietung erfolgte zur ausschließlichen Nutzung als Geschäftsräume zur Herstellung und zum Vertrieb von amtlichen Kfz-Kennzeichen, von Kfz-Kurzzeit- und Ausfuhrversicherungen." Die Untermieter haben die Räume im März 2013 übernommen.

Was die Höhe der Gebühren angeht, gibt es seitens der Behörde keine Vorgaben oder gar Restriktionen: "Auf die Preisgestaltung der Unternehmen für die Kfz-Kennzeichen hat der Kreis keinen Einfluss", erklärt Kassel und fügt hinzu: "Bürgerbeschwerden liegen uns bislang nicht vor."

Die beiden im Behördengebäude an der Meckenheimer Kalkofenstraße verbliebenen Prägebetriebe wollten sich auf GA-Nachfrage zur Höhe ihrer Preise nicht äußern. Weder die Kroschke-Gruppe aus Ahrensburg in Schleswig-Holstein, zu der die Meckenheimer Christoph Kroschke GmbH gehört, noch die Guttstein Schilder GmbH aus Siegen beantwortete die schriftliche Anfrage unserer Zeitung zum Preisgebaren.