Landwirtschaft im Vorgebirge

Zufrieden mit der Getreideernte

Staubige Angelegenheit: Ein Mähdrescher auf dem Feld zwischen Flerzheim und Morenhoven.

Staubige Angelegenheit: Ein Mähdrescher auf dem Feld zwischen Flerzheim und Morenhoven.

SWISTTAL/BORNHEIM. Gerste: Wegen der Trockenheit rechnen die Landwirte nur mit einem mittleren Ertrag.

Während es viele Menschen am Wochenende in Schwimmbäder und Eisdielen zog, war die Hitzewelle für die Landwirte ideal, um die Gerstenernte einzufahren.

Auch Karl Beyel aus Swisttal-Ludendorf verbrachte die vergangenen Tage auf seinem Mähdrescher. "Die Gerstenernte ist keine angenehme Arbeit", sagt der 61-Jährige, der seinen knapp 100 Hektar großen Familienbetrieb selbst beackert. "Der Gerstenstaub juckt auf der Haut - und dann kommen die hohen Temperaturen dazu." Sein alter Mähdrescher hat keine Klimaanlage, so dass nur das Öffnen der Kabinentür für ein wenig Fahrtwind sorgt.

Rund 15 Hektar Gerste galt es rechtzeitig vor den Gewittern am Sonntag vom Feld zu holen und bei den Genossenschaften abzuliefern. Diese nehmen das Getreide während der Erntezeit bis in den späten Abend hinein an. Maximal 14,5 Prozent Feuchte darf die Gerste haben - ansonsten gibt es Abzüge beim Preis, der für Futtergerste aktuell bei rund 150 Euro pro Tonne liegt. Sobald der Morgentau an den Pflanzen abgetrocknet ist, legt der Mähdrescher los. "Mehr als andere Berufsgruppen müssen sich die Landwirte nach der Natur richten", erklärt Beyel. "Vor fünf Jahren beispielsweise mussten wir unsere Getreideernte für drei Wochen unterbrechen, weil es andauernd regnete", blickt er zurück.

Gewitter mit Hagel trafen auch seine Felder am Sonntagnachmittag. Allerdings waren die Gerstenfelder da schon abgeerntet. "Die größten Hagelkörner hatten einen Durchmesser von 4,5 Zentimetern." Die Schäden, die der Hagel bei Weizen und Zuckerrüben hinterlassen hat, vermochte Beyel noch nicht einzuschätzen. "Das muss ich mir erst einmal in Ruhe anschauen", meinte der Landwirt. Wenn die Pflanzen tatsächlich Schaden genommen haben, kann er dies jedoch der Versicherung melden.

Sollte das gute Wetter weiter anhalten, wird in rund zwei bis vier Wochen auch der Winterweizen, die wichtigste Getreideart im Rheinland, reif sein. Da es in den vergangenen Wochen vor der kurzen Regenperiode sehr trocken war und es vielerorts zu wenig geregnet hat, können die Bauern laut Einschätzung des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) in diesem Jahr voraussichtlich keine Rekordernte einfahren.

Der in Duisdorf beheimatete RLV erwartet einen mittleren Ernteertrag mit guter Qualität. Laut RLV macht die aktuelle Trockenheit vor allem dem Grünland zu schaffen. Der Regen reichte für die Wiesen und Weiden nicht aus. Hier sind die Wasservorräte noch nicht aufgefüllt.

Während Karl Beyels Gerstensorten "Ketos" und "Henriette" ausschließlich als Futtermittel verwendet werden, baut Landwirt Peter Zillikens aus Bornheim-Sechtem Gerste zur Saatgutvermehrung an. Auch er nutzte die heißen, trockenen Tage, um seine Ernte einzufahren. Von Hagelschäden blieben seine Anbauflächen am Wochenende verschont. Rund 60 Hektar Gerstenfelder plante er innerhalb von drei bis vier Tagen einzuholen. Pro Hektar rechnete er mit 9,5 Tonnen Ertrag, was etwa 85 Prozent der normalen Gerstenernte entspreche.

Auf 153 860 Hektar wird im Rheinland nach Angaben des Landesbetriebs Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) Getreide angebaut. Die wichtigsten Getreidearten sind Winterweizen mit rund 99 800 Hektar und Wintergerste mit rund 30 000 Hektar. Roggen und Hafer werden jeweils auf mehr als 2000 Hektar angebaut.

Hagelschäden

Mehr als 20 Hektar Anbaufläche im Vorgebirge sind laut Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, von Hagelschäden durch das Unwetter am Sonntag betroffen. Dabei sei weniger Getreide zu Schaden gekommen, sondern vor allem Salat, aber auch andere Gemüsearten sowie Blumen. Das Ausmaß reiche bis hin zum "Totalschaden", so Rüb. Für Obstanlagen sowie für Gewächshäuser schlössen manche Landwirte eine Versicherung gegen solche Schäden ab. "Aber das Hagelrisiko gehört nun mal dazu in der Landwirtschaft", sagt Rüb. Andere Obstbauern, für die Hagelschäden einen kompletten Ernteausfall bedeuten können, setzten derweil mehr auf Netze zum Schutz.