Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft"

Widdig will moderner werden

Bornheim-Widdig. Die Bewohner sollen von der Teilnahme Widdigs am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ profitieren.

„Oh, das ist ja schön“, sagt Widdigs Ortsvorsteher Konrad Velten (74) beim Gang durch die Römerstraße seines Bornheimer Rheinortes erfreut. „Da hat schon jemand das Gras gerupft!“ Velten nimmt es in diesen Tagen sehr genau. Sieht jedes Kraut, das sich zwischen Hauswand und Bürgersteig drängt und den Ort ungepflegt aussehen lassen könnte. Dass der Wettbewerb, zu dem Velten Widdig angemeldet hat, einmal „Unser Dorf soll schöner werden“ geheißen hat, ist immer noch in den Köpfen. Doch heute nennt er es zeitgemäß: „Unser Dorf hat Zukunft“.

Jedes Dorf ein Gewinner

„Die Menschen sollen sich Gedanken machen, wohin sie mit ihren Dörfern überhaupt wollen“, erklärt Hermann Tengler, Leiter der Strategischen Entwicklung des Rhein-Sieg-Kreises, den Hintergrund des Wettbewerbs. „Was läuft gut? Was kann verbessert werden?“ sind die Fragen, die nicht nur den Zusammenhalt in einer Dorfgemeinschaft stärken, sondern auch die Zukunftsperspektiven im ländlichen Raum verbessern und die Lebensqualität steigern sollen. Landrat Sebastian Schuster verspricht, „Jedes Dorf, das am Wettbewerb teilnimmt, ist bereits ein Gewinner.“

Noch bis zum 22. September hat Widdig nun Zeit, um auch offiziell zu den Gewinnern zu gehören. Dann wird der Reisebus mit der Bewertungskommission um 14.30 Uhr in die Römerstraße einbiegen, und die sach- und fachkundigen Frauen und Männer des Kreises werden 90 Minuten kritische Blicke auf all das werfen, was heimatverliebte und fleißige Widdiger bis dahin zur Präsentation vorbereitet haben.

Höhere Bahnsteige

Auf Bärbels Wiese, auf der gerade noch das Dorffest gefeiert wurde, wird zunächst einmal die Dorfentwicklung in Bebauungsplänen und Konzepten vorgestellt werden. Da wird die Erwähnung wichtig, dass man für die Zukunft über die Ansiedlung eines Discounters an der Kölner Landstraße genauso verhandelt wie über die Ergänzung eines kombinierten Rad- und Fußweges an der L 300 von Uedorf nach Hersel oder die notwendige behindertengerechte Höherlegung des Bahnsteigs am Haltepunkt der Stadtbahnlinie 16. Die Baugestaltung und Siedlungsentwicklung sowie ein raumsparendes Flächenmanagement werden als wichtige Elemente einer zukunftsorientierten Dorfentwicklung genauestens untersucht werden. Velten stöhnt. „Wir haben noch so viele Grundstücke, von denen sich die Alten aber nicht trennen wollen“, sagt er und hat Verständnis dafür. „Bei den Nullzinsen macht der Verkauf ja auch keinen Sinn“, ergänzt er. Trotzdem finde er es schade, dass so besondere Flächen am Rhein, wie das große Areal an der Nato-Rampe, noch nicht attraktiv genutzt werden.

Dafür freut er sich über die Lage Widdigs am Rhein. Unübertrefflich. Noch vor wenigen Jahren hat Velten dafür gesorgt, dass nun unterhalb von Sankt Georg auf der Schutzmauer ein weithin lesbares „Widdig“ angebracht wurde. Das macht den Bornheimer Ortsteil auch vom Rhein aus betrachtet unverwechselbar. Doch die strenge Prüfungskommission wird vor allem Fakten wissen wollen. 1922 Einwohner zählt Widdig heute.

200 Arbeitsplätze

Dass davon 180 Personen als selbstständig erfasst sind, wunderte auch den Ortsvorsteher. Etwa 200 Arbeitsplätze, hat der Ort in 47 Handwerks- und 26 Dienstleistungsbetrieben zu bieten. Darüber hinaus gibt es vier landwirtschaftliche Haupt-, drei Nebenbetriebe und ein Gestüt. Mit Gastronomie- und Hotelgewerbe sind einschließlich der Zimmervermietung zwölf Widdiger beschäftigt.

In Gruppen wird die Jury durch das Dorf geführt und den ein oder anderen Blick in die Fachwerkhöfe werfen und den Blumenschmuck vor den Fenstern genauso registrieren, wie die Grünanlagen, den Sport- und Spielplatz sowie die „Schweizer Aussicht“, an der sich täglich Wanderer und Radfahrer aus ganz Deutschland erfreuen. Doch ebenso wichtig wird es sein, die Vereine und Aktivitäten der Dorfgemeinschaft vorzustellen, denn letztlich sind es die Menschen, die eine lebens- und liebenswerte Zukunft von Widdig ausmachen.

Der Widdiger Neubürger Christoph Kany hat vielfältige Informationen zum Dorf ins Internet gestellt, die auch für die Bewertungskommission zugänglich sind.

Im Internet ist die Widdig-Galerie, die noch nicht vollständig ist, erreichbar.