Freiwilligenarbeit auf Sri Lanka

Von der Reporterin zur Helferin

Mit Hilfe eines Lehrbuchs bringt Ann-Celine Schilling (rechts) ihren Nachhilfeschülern die englischen Tiernamen und Farben bei.

Mit Hilfe eines Lehrbuchs bringt Ann-Celine Schilling (rechts) ihren Nachhilfeschülern die englischen Tiernamen und Farben bei.

Bornheim. Die 20-jährige Studentin Ann-Celine Schilling aus Bornheim engagiert sich in einem Kinderheim auf Sri Lanka. Dort soll Mädchen und jungen Frauen der Zugang zu Bildung ermöglicht werden.

Auf den ersten Blick wirkt Ann-Celine Schilling wie eine normale Studentin: Jeans, T-Shirt, Sneaker. Ihren Kommilitonen hat sie trotzdem etwas voraus. Den vergangenen Monat hat die Bornheimerin in einem Kinderheim auf Sri Lanka verbracht und als Nachhilfelehrerin die Mädchen im Alter von sechs bis 19 Jahren unterrichtet. Aufmerksam wurde sie durch ein Praktikum in der Leverkusener Lokalredaktion der Rheinischen Post.

Dort schrieb sie über Laura Grünheid, die selbst in dem Mädchenheim „Angels Home for Children“ ein Praktikum absolviert hat. Schilling fing daraufhin an, sich intensiver mit der Hilfsorganisation „Dry Lands Project“ auseinanderzusetzen – doch bei der Recherche blieb es nicht. Sie nahm Kontakt mit den beiden deutschen Leitern des Kinderheims, Frank Lieneke und Julia Fischer, auf. Spontan konnte sie für einen Monat nach Marawila an die Westküste Sri Lankas reisen und mitarbeiten.

In dem „Angels Home for Children“ leben ausschließlich Mädchen und junge Frauen, in deren Familien es zu Problemen gekommen ist. Sie werden über die sri-lankischen Behörden an das Kinderheim vermittelt. Die Organisation kommt dann für Unterbringung, Verpflegung und Schulbildung auf. Einmal im Monat dürfen die Eltern die Kinder wieder besuchen. Schilling selbst hat an der Ursulinenschule in Hersel ihr Abitur absolviert – eine Mädchenschule. Die Idee des Kinderheims, gerade jungen Frauen Zugang zu Bildung zu ermöglichen, ähnle dem Gründungsgedanken der Herseler Mädchenschule, daher habe sie direkt einen Bezug zu dem Projekt gefunden, wie die 20-Jährige erklärt.

Begrüßung mit einer Willkommenskokosnuss

An den Ankunftstag auf Sri Lanka erinnert sie sich genau: Nach dem langen Flug kam sie mitten in der Nacht an. Zu ihrer Verwunderung waren die Kinder alle wach geblieben, zur Begrüßung bekam sie eine Willkommenskokosnuss. Die Studentin der Sozialwissenschaften wusste durch die Gespräche zwar, was sie erwartete, dennoch sei es eine komplett neue Erfahrung gewesen. Im Heim musste sie eine Arbeitsuniform tragen, die trotz der Schwüle Schultern und Beine bedeckt. Um 5 Uhr klingelte täglich der Wecker, dann gab es Tee für die Mädchen, anschließend verteilte Schilling Zahnpasta. Den Umgang mit kleinen Kindern ist die 20-Jährige gewöhnt, sie selbst hat vier Geschwister.

Zeitgleich absolvierten zwei weitere junge Frauen aus Deutschland ein mehrmonatiges Pflichtpraktikum in dem Mädchenheim. Sie bleiben noch bis nach Weihnachten auf Sri Lanka. Anders als die Pflichtpraktikanten übernahm Schilling nur einen Teil der täglichen Aufgaben, stattdessen gab sie Nachhilfeunterricht und kümmerte sich um die Pressearbeit für das Projekt – drehte Videos für die Sozialen Netzwerke und schrieb Einträge für den Onlineblog. Einmal pro Woche haben sich die Praktikantinnen einen Tag frei nehmen dürfen. Den haben sie dann meistens zusammen in der Anlage eines benachbarten Hotels verbracht.

In ihrem Studentenleben sei die Studentin sehr strukturiert und organisiert. „Aber dort konnte man gar nichts planen“, sagt sie. Stattdessen stand Entschleunigung auf dem Tagesplan – zum Beispiel drei Stunden lang Mandalas malen mit den Kindern. „Während man in Deutschland am Ende des Tages vor allem daran denkt, was man alles erledigt hat, denkt man dort abends an Freunde und Eltern“, erzählt die 20-Jährige.

Von ihren Kommilitonen musste sie sich aber auch Kritik anhören: Warum machst du das? Was bringt dir das? Verlierst du nicht zu viel Zeit im Studium? Den Stoff aus dem Studium muss sie derzeit zwar noch nacharbeiten, aber dafür hat sich der Aufenthalt gelohnt. Für ihre Zukunft hat sie bereits einen Plan, sie will Journalistin werden – am liebsten Auslandskorrespondentin.