Dialekt in Bornheim und Alfter

Von „Fisematenten“ bis zum „Vürjebirchsdom“

Wer im Vorgebirge Platt spricht, für den ist die Breniger Pfarrkirche St. Evergislus der "Vürjebirchsdom", weiß Heinrich Hönig, der in der Volkshochschule einen Sprachkurs zum Thema Vürjebirchsplatt" leitet.

Wer im Vorgebirge Platt spricht, für den ist die Breniger Pfarrkirche St. Evergislus der "Vürjebirchsdom", weiß Heinrich Hönig, der in der Volkshochschule einen Sprachkurs zum Thema Vürjebirchsplatt" leitet.

BORNHEIM. Der frühere stellvertretende Bornheimer Bürgermeister Heinrich Hönig gibt an der Volkshochschule Bornheim/Alfter einen Kursus im Vorgebirgsplatt.

Als 14-jähriger Lehrjunge 1960 im feinen Bonner Friseursalon schämte sich Heinrich Hönig noch dafür, nicht „richtig Deutsch“ sprechen zu können. Das Vorgebirgsplatt war dem ehemaligen stellvertretenden Bürgermeister von Bornheim in die Wiege gelegt, und in seinem Umfeld „sprachen alle so“. Wer es nicht tat, galt als arrogant oder war zumindest „ne fiese Möpp“, ein unangenehmer Kerl. Mit zunehmendem Alter lernte Hönig jedoch nicht nur, akzentfrei Hochdeutsch zu sprechen, sondern auch sein heimatliches Vürjebirchsplatt zu lieben. Und so gibt der profunde Kenner des Vorgebirges nun im Auftrag der Volkshochschule (VHS) Bornheim und Alfter an zwei Nachmittagen einen Kursus in „de Sproch“ seiner Heimat.

Dass der in Rösberg geborene „Muttersprachler“ es mit den sprachlichen Feinheiten und Unterschieden, die es im Platt von Walberberg bis Alfter gibt, in seinem Unterricht nicht ganz so genau nimmt, zeichnet ihn als toleranten Rheinländer aus. Für ihn ist die Muttersprache „Rheinisch“ und er weiß, dass man sich von Köln über das Vorgebirge bis nach Bonn bestens mit dem Vorgebirgsplatt verständigen kann. „Man braucht im Platt nicht viele Worte“, erklärt Hönig und führt als Beispiel das einsilbige, kräftig ausgesprochene „Däh!“ an, was die unterschiedlichsten Bedeutungen haben kann. Von „unglaublich“ über „siehste“, bis zu „hab' ich’s doch gesagt“.

Das Interesse an Sprachen führt viele Teilnehmer in den Kursus

„Ich möchte die Familie meines Freundes besser verstehen lernen“, gibt Mara Krause als Grund für ihre Teilnahme an dem Sprachkursus an, dessen erste Einheit am Freitag stattfand. Zusammen mit ihrer zukünftigen Schwiegermutter Silvia Horst versucht die Mertenerin nachzuholen, was ihr im Elternhaus verwehrt wurde: „Bei uns wurde nur Hochdeutsch gesprochen.“

Das „allgemeine Interesse an Sprachen“ brachte die in Brenig lebende Niederländerin Annette van der Leeuw in den Kursus. Obwohl sie dank ihrer niederländischen Herkunft manch einer auf Platt geführten Unterhaltung – zumindest sinngemäß – folgen könne, möchte sie das Vürjebirchsplatt auch einmal „im geschützten Raum“ ausprobieren, sagt sie.

Auch die Bornheimerin Christa Langen möchte mehr über den Hintergrund ihres Heimatdialektes erfahren: „Insbesondere die sprachliche Verwandtschaft des Vorgebirgsplatts zum Französischen möchte ich verstehen lernen“, erklärt sie. Sie erinnere sich gerne an den Satz ihres Vaters, der beim Fahrkartenkauf zu ihrer Mutter sagte, „Frau, mir bruuche no eene Billjett retuur!“ (Wir brauchen noch eine Karte für die Rückfahrt.)

In den Vokabelseiten, die Heinrich Hönig für die Teilnehmer seines Kurses zusammengestellt hat, finden sich bereits einige „Übernahmen“ aus dem Französischen. Da lasse sich „Däts“, der Kopf, vom französischen „tête“ genauso ableiten wie die „Fisematenten“, der Unsinn, von „visiter ma tente“ (besuche mich in meinem Zelt). Ein Satz, mit dem französische Soldaten die deutschen Mädchen in ihr Zelt einluden und somit die Mütter zu der lautmalerisch wiedergegebenen Warnung veranlassten, ihr Kind solle keine „Fisematenten“ machen.

Spaß am Dialekt

Er sei aus „heilloser Begeisterung für die Sprache dabei“, freut sich Axel Polzin aus Impekoven über den „Vürjebirchskurs“. Schon während seiner Studienzeit hatte er als Taxifahrer „unglaublich viel Spaß daran, dem Volk aufs Maul zu schauen“, erzählt er.

Auch Kursleiter Heinrich Hönig, der in seinem (Un-)Ruhestand als offizieller Stadtführer Bonns bis zu 140 Mal im Jahr Touristen durch die Stadt führt, macht immer wieder die Erfahrung, dass die Leute „einfach Spaß am Platt haben“. Und er ist selber davon überzeugt, dass die Wörter im Hochdeutschen viel zu viele Silben besitzen und die Sätze zu lang sind.

Das Vorgebirgsplatt sei so herrlich einfach und direkt. Auch hier hat der ehemalige Bornheimer Ratsherr ein Beispiel parat: „Kann man es schöner sagen, als ‘ich loss mer den Kopp maache‘? Wie hört sich dagegen ‘ich gehe zum Friseur‘ an?“. Wer einmal die Sprachmelodie des Platts für sich entdeckt hat, wird ihm recht geben.