Gewerkschaft will Arbeitnehmer schützen Verdi klagt gegen verkaufsoffene Sonntage in Bornheim

Bornheim. Die Gewerkschaft Verdi will die Rechte von Arbeitnehmern schützen - und dafür verkaufsoffene Wochenenden in Bornheim am kommenden Wochenende verhindern.

Die Gewerkschaft Verdi will verhindern, dass am kommenden Wochenende in Bornheim der verkaufsoffene Sonntag stattfindet. Und sie will auch alle anderen entsprechenden Geschäftsöffnungen in Bornheim dieses Jahr verhindern. Unter anderem geht es um den Herseler Herbst, den Weihnachtsmarkt und den Martinsmarkt. Wohlgemerkt: Es geht nicht gegen die Feste an sich, die werden stattfinden, sondern nur um die parallel geplanten Geschäftsöffnungen und den Verkauf.

Mit einem Eilantrag hat sich der Arbeitnehmerverband an das Verwaltungsgericht Köln gewandt. Erst kürzlich hatte das Gericht eine ähnliche Veranstaltung in Euskirchen untersagt. Seit einigen Jahren ist Verdi in der Offensive und geht deutschlandweit gegen verkaufsoffene Sonntage vor, mit der Begründung, dass Arbeitnehmer nicht auch noch am Sonntag arbeiten sollten und die Öffnungszeiten insgesamt eingehegt bleiben.

In Bornheim finden am kommenden Sonntag parallel die Kirmes, das Junggesellenfest und die Gewerbeschau mit der Automeile statt. So ist es geplant. Alles soll so sein, wie es auch die vorangegangenen 31 Jahre der Fall war. Die Nachricht vom Eilantrag Verdis traf die Stadtverwaltung plötzlich. Der Schriftsatz des Gerichtes mit Bitte um Stellungnahme ging am Donnerstag ein. Das bedeutete Zusatzschichten am Wochenende für einige Verwaltungsfachleute, denn bis Montagnacht, 24 Uhr, musste die Stellungnahme aus Bornheim vorliegen.

Und die ist eindeutig. „Verdi gefährdet die kleinen Gewerbetreibenden“, ärgert sich Bornheims Bürgermeister Wolfgang Henseler (SPD). Angesichts der Konkurrenzsituation mit dem Gewerbe benachbarter Kommunen und den Internetmärkten sei eine Leistungsschau dieser Marke sehr wichtig für die Einzelhändler auf der Königstraße. Zumal es hier um eine Veranstaltung mit langer Tradition gehe. Weil es sich in Bornheim überwiegend um inhabergeführte Geschäfte handelt, greife die Argumentation zu kurz, denn Arbeitnehmer seien kaum betroffen.

„Hier will man an einer kleinen Stadt ein Exempel statuieren“, wettert auch Gewerbevereinsvorsitzender Wolfgang Gütelhöfer. Es sei überhaupt schwierig Mitarbeiter zu finden, wenn die sonntags nicht arbeiten wollten, könne man sie ohnehin nicht zwingen. „Das Bornheimer Zentrum ist zur Gewerbeschau jedes Jahr proppenvoll, die Bürger genießen den Tag, und die Händler machen gute Umsätze. Klagen gab es in all den Jahren noch nie“, sagen die Landtagsabgeordneten Oliver Krauß (CDU) und Jörg Freynick (FDP).

Überrascht zeigten sich die Geschäftsleute, als der General-Anzeiger gestern Vormittag nachfragte. „Ich bin sonntags sowieso im Laden, da kann ich ruhig auch offen haben“, so Matthias Elsner vom örtlichen Fotogeschäft. Viel Umsatz erwarte er aber ohnehin nicht. Juwelierin Andrea Gollnow fühlt sich nicht tangiert. Sie wollte ohnehin nicht öffnen, weil sie kaum örtliche Laufkundschaft hat. Und Wolfgang Blumenthal vom gleichnamigen Modegeschäft zeigte Gelassenheit: „Wenn das Gericht so entscheidet, dann halten wir uns daran.“

Verdi-Bezirksvorsitzender Daniel Kolle moniert Formfehler der Stadt. „Bornheim hat die Öffnungszeit nicht auf fünf Stunden und die Genehmigung nicht örtlich eng eingegrenzt. Und sie hat nicht dargelegt, dass die Kirmes mehr Menschen anlockt als der verkaufsoffene Sonntag.“ Dem widerspricht Stadtsprecherin Susanne Winkler: „Wir halten uns da voll an die Vorgaben.“ Deshalb, so Bürgermeister Henseler, werde die Gewerbeschau auf jeden Fall stattfinden, notfalls auch ohne Verkauf in den Geschäften. Das Verwaltungsgericht will am Mittwoch entscheiden. Was der Spruch für die anderen Feste bedeutet, ist unklar.

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