UEDORF

Unterwegs in Uedorf

BORNHEIM-UEDORF. Uedorf - das klingt niedlich. Ein bisschen nach Spannung, Spiel und Schokolade. Allerdings steckt - anders als im berühmten Ei - mehr drin, als man erwartet. Der mit rund 900 Einwohnern kleinste Bornheimer Stadtteil, der im Jahr 1969 mit Hersel und Widdig nach Bornheim eingemeindet wurde, ist äußerst lebendig und durchaus selbstbewusst.

Das zeigt unter anderem die Entwicklung eines eigenen Wappens, die Ortsvorsteher Bernd Marx vorangetrieben hat. "Am gesamte Prozess, von der Idee bis zur Abstimmung über das Motiv des Wappens, haben sich sehr viele Bürger beteiligt. Das beweist eine große Identifikation mit dem Ort und seiner Geschichte", sagt er.

 Das dreigeteilte Wappen zeigt im Schildhaupt das Kreuz des Kurfürstentums Köln, wozu Uedorf Jahrhunderte lang politisch und territorial bis 1804 gehörte. Außerdem steht es für das Erzbistum Köln, dem Uedorf seit Entstehung des Ortes im Frühmittelalter bis heute kirchlich zugeordnet ist. Im Mittelteil der Fahne wird der Mühlenturm als das markantestes Bauwerk und Wahrzeichen Uedorfs dargestellt.

Das untere Drittel bildet der Rhein, an dessen linken Ufer Uedorf liegt. Leider versteckt sich der hoch aufragende Mühlenturm, eine einstige Windmühle, deren Ersterwähnung aus dem Jahr 1344 stammt, hinter Mauern und dichten Hecken. "Da sich der Turm seit den 60er Jahren in Privatbesitz befindet, ist er nicht mehr öffentlich zugänglich", bedauert Marx.

Ein Spaziergang auf dem Rheinuferweg bietet als Entschädigung einen wunderschönen Blick aufs Herseler Werth, das "zu über einem Drittel zu Uedorf gehört", betont der Ortsvorsteher. Wer zwischen Rheinkilometer 662 und 663 Lust auf ein Stück Kuchen verspürt, kann dies im urigen "Uedorfer Caféhäuschen" zu sich nehmen und dabei Schiffe beobachten und den Blick in die Natur genießen.

An der Ziegelmauer neben dem Café prangt seit vergangenem Jahr eine sogenannte "Landmarke", die den Namen des kleinen Ortes in riesigen Lettern für Ausflügler auf dem Rhein sichtbar machen soll. Realisiert hat diese Idee der Ortsausschuss, der auf Anregung der Jury des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" 2012 ins Leben gerufen wurde. Seitdem werden Bänke geschliffen, Schilder montiert oder "Tempo 30"-Markierungen auf die Straße gepinselt.

Engagement wird in Uedorf übrigens auch belohnt - mit dem "Uedorfer Meilenstein" der beim jährlichen Sommerfest auf dem Schulhof der Verbundschule an besonders aktive Dorfbewohner vergeben wird. Der etwa 20 Zentimeter große Meilenstein ist eine Nachbildung des echten Halbmeilensteins, der eher unspektakulär an der L300 gelegen ist und 2009 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

"Er stammt aus preußischer Zeit. Die heutige Elbestraße war früher Verbindungsstraße zwischen Köln und Koblenz", erklärt Marx. Er hofft, auch die jungen Familien, die nach Uedorf ziehen, für das Engagement im Ort gewinnen zu können. Für Leben im Dorf sorgt vor allem die Verbundschule, Bornheims einzige Förderschule.

Seit August 2010 ist sie Kompetenzzentrum für sonderpädagogische Förderung. Durch die Umsetzung der Inklusion könnten die Schülerzahlen allerdings schon bald dramatisch zurückgehen. "Die Schule ist wichtig für den Ort", sagt Marx und hofft, dass sie erhalten bleibt.