Flüchtlinge werden in der Turnhalle der Verbundschule untergebracht

Unterkunft soll schnell hergerichtet werden

Schwerer Stand: Bornheims Beigeordneter Markus Schnapka (rechts) musste bei der Bürgerinformation zur Umnutzung der Uedorfer Sporthalle zu einer Flüchtlingsunterkunft viel Überzeugungsarbeit leisten.

Schwerer Stand: Bornheims Beigeordneter Markus Schnapka (rechts) musste bei der Bürgerinformation zur Umnutzung der Uedorfer Sporthalle zu einer Flüchtlingsunterkunft viel Überzeugungsarbeit leisten.

Bornheim-Uedorf. Warum ausgerechnet die Uedorfer Turnhalle? Diese Frage brannte den mehr als 100 Anwohnern, Eltern und anderen Interessierten, die am Freitagabend zur städtischen Informationsveranstaltung ins Forum der Verbundschule gekommen waren, unter den Nägeln.

Wie ein Lauffeuer hatte sich die Nachricht, dass die Sporthalle der Schule mit den Förderschwerpunkten Sprache und Lernen im Primar- und Sekundarbereich zur Unterbringung von Asylbewerbern genutzt werden soll, in dem 900-Seelen-Ort herumgesprochen. Trotz der kurzfristigen Einladung zum Bürgergespräch war das Forum voll besetzt und die angespannte Stimmung spürbar.

Warum Uedorf? Die Antwort lieferte Bornheims Sozialdezernent Markus Schnapka. Mit 64 Stunden für Schul- und Vereinssport weise die Sporthalle Uedorf die geringste Nutzungszeit auf. Darüber hinaus verfüge Uedorf wegen der Nähe zu Hersel und zur Stadtbahnlinie 16 über eine gute Infrastruktur und Verkehrsanbindung.

Bereits am 11. Januar wird die Turnhalle gesperrt, um Sanierungsarbeiten an der Hallendecke und der Heizung vorzunehmen. "Diese Arbeiten standen ohnehin an", berichtete Schnapka, der wie bei allen anderen Bürgerinformationsveranstaltungen auch zunächst auf die allgemeine Flüchtlingssituation in Bornheim einging. "Die Nutzung von Turnhallen ist das allerletzte Mittel. Aber wir müssen darauf zurückgreifen, weil die Errichtung von Containern und Festbauten zu lange dauert."

Die Inbetriebnahme der Halle, in der 60 Menschen aufgenommen werden sollen, ist für den 8. Februar 2016 geplant. "Eine geringe Überbelegung ist möglich, aber mehr als 70 Personen werden es definitiv nicht werden", sagte Schnapka. Voraussichtlich bis zum 31. Mai werden die Menschen dort untergebracht. "Dies ist das erste Referenzdatum, aber ich gebe keine Garantie."

Damit die Unterkunft möglichst schnell zur Verfügung steht, sollen parallel zu den Arbeiten an Decke und Heizung Vorbereitungen zur Umnutzung der Halle getroffen werden. Diese betreffen beispielsweise den Schutz des Hallenbodens, die Vorbereitung der Außenanlagen und die Bereitstellung der Sanitärcontainer. Der Schulhof soll durch einen Bauzaun von der Turnhalle getrennt werden. Der Betrieb der Flüchtlingsunterkunft erfolgt durch die Malteser, zusätzlich werden Hausmeister und Sozialarbeiter vor Ort sein. Ein Sicherheitsdienst wird rund um die Uhr den Schutz nach "nach innen und außen" gewährleisten, so Schnapka. "Die Schulleitung hat uns ihre Kooperation zugesichert", betonte er.

Viele Eltern, deren Kinder die Schule besuchen, äußerten aber ihre Sorgen bezüglich der Umnutzung der Turnhalle. Probleme, die aus der besonderen Situation "Förderschule" entstehen könnten, habe die Verwaltung bei ihrer Planung nicht bedacht, lautete ein Vorwurf. "Sie haben sich den schwächsten Punkt ausgesucht", kritisierte eine Mutter.

"Meine Tochter hat große Ängste, und ich kann nicht einschätzen, wie sie auf die Veränderung reagieren wird." Eine andere Mutter äußerte die Befürchtung, dass die Bewohner der Unterkunft nicht adäquat auf die Kinder reagieren könnten. "Hier hilft nur eine gute Kommunikation und Aufklärung - auch der Bewohner", entgegnete Schnapka.

Die Regelung für den Schulsport wurde bereits in die Wege geleitet: Der Schulleiter der Schule Herseler Werth, Norbert Rauh, habe sich sofort bereit erklärt, den Schülern der Verbundschule Hallenzeiten zur Verfügung zu stellen, berichtete Schnapka. Dazu laufen Gespräche mit der Ursulinenschule Hersel, die wahrscheinlich ebenfalls bereit ist, einige Sportstunden in ihrer Turnhalle zu ermöglichen. Auch der Vereinssport ist von der Hallenschließung betroffen.

"Die Verein sind durch diese Maßnahme in ihrer Existenz bedroht", machte  Ortsvorsteher Bernd Marx deutlich. "Für den einen oder anderen Verein könnte es das Aus bedeuten. Was das Angebot einer Alternative betrifft, liegt die Bringschuld bei der Stadt." Möglichkeiten der Nutzung etwa der Mehrzweckhalle in Widdig oder der Herseler Rheinhalle werden geprüft, versicherte Schnapka.

Neben Kritik und Ängsten kam auch die Frage nach der Möglichkeit der ehrenamtlichen Hilfe auf. Eine Vertreterin des Herseler Helferkreises bot Unterstützung an.