Prinzenpaar der Bonner Werkstätten

Tollitäten-Sitzung steigt in der Herseler Rheinhalle

Haben das Zepter in der Hand: Stephanie I. und Heiko I. feiern unter dem Motto „Leev Jecke, loss uns fiere und alle Minsche aktiviere“.

Haben das Zepter in der Hand: Stephanie I. und Heiko I. feiern unter dem Motto „Leev Jecke, loss uns fiere und alle Minsche aktiviere“.

Bornheim. Stephanie I. (Schäfer) und Heiko I. (Derichsweiler) erfüllen sich als Prinzenpaar der Bonner Werkstätten einen Traum. An diesem Freitag steigt ihre Sitzung in der Herseler Rheinhalle.

Wer die Bonner Werkstätten in der fünften Jahreszeit als närrischer Herrscher repräsentieren möchte, muss vor allem eine Eigenschaft mitbringen: Geduld. Die Liste, in die sich Interessenten für das begehrte Amt des Prinzenpaares eintragen können, ist lang. So stellten sich auch Heiko Derichsweiler und Stephanie Schäfer auf eine entsprechende Wartezeit ein, als sie ihre Namen vor etwa vier Jahren ziemlich weit unten notierten. Umso größer war die Freude, als die beiden im Sommer 2018 erfuhren, dass sie die Werkstätten mit ihren 1100 Mitarbeitern bereits in dieser Session als Prinz Heiko I. und Prinzessin Stephanie I. regieren würden.

„Wir waren schon letzten Sommer aufgeregt“, berichtet der 35-jährige Prinz, der in Beuel geboren wurde und in Pützchen lebt. „Meine Cousine war 2008 Wäscherprinzessin in Beuel“, erzählt Derichsweiler. Stephanie Schäfer ist dagegen die erste Tollität in ihrer Familie. Konkret wurde die Vorstellung, bald Karnevalsprinzessin zu sein, als die 33-Jährige im vergangenen Sommer gemeinsam mit ihrem Prinzen nach Korschenbroich fuhr, um das Ornat auszusuchen. „In dem Laden wollten sie uns alle möglichen Farben andrehen: Blau, Lila und sogar Schwarz. Aber für uns kam nur Rot-Weiß infrage“, erzählt die Prinzessin. Natürlich ist die Farbe kein Zufall. Schließlich verbindet das Prinzenpaar die Liebe zum 1. FC Köln.

Kennen lernten sie sich bei der Arbeit in dem Herseler Werk der Bonner Werkstätten. Stephanie Schäfer ist dort seit 2004 tätig und im Bereich Verpackung beschäftigt. An zwei Tagen pro Woche hat sie außerdem einen sogenannten betriebsintegrierten Arbeitsplatz in der Bornheimer Kita „Windrad“. Heiko Derichsweiler, seit 2001 im Bereich Elektronik, verfügt seit 2018 ebenfalls über einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz. Vier Tage pro Woche ist er im Seniorenheim Haus Rosental in Bonn als Helfer des Hausmeisters im Einsatz. Schäfer und Derichsweiler sind damit zwei von 41 Mitarbeitern, die auch außerhalb der Werkstätten angestellt sind.

Alle Mitarbeiter bekommen einen Orden

In den Werkstätten hat der Fastelovend eine jahrzehntelange Tradition. „Die Prozesse, von der Bekanntgabe des Prinzenpaares und der Wahl des Sessionsmottos über die Herstellung des Karnevalsordens und die Vorbereitung der großen Sitzung in der Herseler Rheinhalle, sind eingespielt“, erläutert Geschäftsführer Andreas Heß. „Nach dem Karneval ist vor dem Karneval.“ Proklamiert wurden Stephanie Schäfer und Heiko Derichsweiler Ende Januar bei einer betriebsinternen Disco.

Ihren ersten großen Auftritt hatten sie in der vergangenen Woche beim Bornheimer Tollitätentreff. „In diesem Jahr gab es so viele Tollitäten, dass der Tisch auf der Bühne angebaut werden musste“, sagt der Prinz. Am besten gefielen ihm der Einmarsch in den ausverkauften Saal und das Programm auf der Bühne. Seit 2013 nehmen die Prinzenpaare der Bonner Werkstätten, die immer aus einem anderen der vier Standorte gestellt werden, zu denen neben Hersel noch Dransdorf, Beuel und Meckenheim gehören, am „Tolli“ teil.

Und auch sonst haben die Regenten, die von den vier Adjutanten Katrin Scherner, Michael Ihde, Silvia Hesse und Ralf Gräfen begleitet werden, jede Menge Termine: Alle Werke werden besucht, um die Mitarbeiter mit Orden zu versorgen. Auch beim Bornheimer Rathaussturm an Weiberfastnacht und beim Straßenkarneval in Hersel werden Heiko I. und Stephanie I. mittendrin sein. Besonders freuen sie sich darauf, an ihren Arbeitsplätzen im Seniorenheim und in der Kita als Regenten vorbeizuschauen.

Den Höhepunkt der Session bildet aber zweifellos die werkseigene Sitzung an diesem Freitag in Kooperation mit dem Förderverein der Rheinhalle. Dort erwarten die Besucher unter dem Motto „Leev Jecke, loss uns fiere und alle Minsche aktiviere“ etwa die Ehrengarde der Stadt Bonn, De Drömdöppe, die Palm Beach Girls, die KG Landsknechte von Köln 1980 und Gasttollitäten aus der Region. Obendrein zeigen 40 Mitarbeiter ihre Choreografien zu Songs wie „Rock me Amadeus“ von Falco oder „Kölsche Jung“ von Brings.

Die große Karnevalssitzung, die allen Jecken offensteht, beginnt an diesem Freitag um 17.30 Uhr in der Rheinhalle, Rheinstraße 201 in Hersel. Der Eintritt ist frei.