Bahnhof in Roisdorf

Supermarkt verhindert Barrierefreiheit

Ein Zug fährt durch den Roisdorfer Bahnhof. Links befindet sich der Supermarkt, um den es geht.

Ein Zug fährt durch den Roisdorfer Bahnhof. Links befindet sich der Supermarkt, um den es geht.

Bornheim-Roisdorf. Eine Sanierung und vor allem der barrierefreie Ausbau der Haltestelle in Roisdorf ist weiterhin nicht absehbar. Einigen Wirbel gibt es allerdings um die Erklärung dafür.

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Allerdings gilt das nicht für den Bahnhof in Bornheim-Roisdorf. Denn auch in der dritten sogenannten Modernisierungsoffensive geht die Station leer aus. Damit sind eine Sanierung und vor allem der barrierefreie Ausbau der Haltestelle weiterhin nicht absehbar. Einigen Wirbel gibt es allerdings um die Erklärung dafür.

In seiner jüngsten Sitzung hatte der Hauptausschuss des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland (NVR) beschlossen, dass im Rahmen der dritten Modernisierungsoffensive 15 Bahnhöfe im Rheinland ausgebaut werden sollen, darunter Mehlem und Rhöndorf. Wie der Bonner Grünen-Landtagsabgeordnete Rolf Beu berichtet, habe NVR-Geschäftsführer Norbert Reinkober in der Sitzung die Stadt Bornheim dafür verantwortlich gemacht, dass der Roisdorfer Bahnhof nicht saniert werden könne. „Die NVR-Geschäftsführung beklagte sich in diesem Zusammenhang über die fehlende Prioritätenfestlegung in der Kommune. Diese hätte mehr Wert auf die Ausweisung von benachbarten Handelsflächen gelegt, sodass heute Raum für barrierefreie Rampen in der Zuwegung nicht mehr vorhanden sei“, berichtet Beu als NVR-Vertreter für die Stadt Bonn.

Auf Anfrage des General-Anzeigers erläutert NVR-Sprecher Holger Klein die Hintergründe der Aussage Reinkobers. Bei einem barrierefreien Ausbau des Bahnhofs müsse beachtet werden, an welcher Stelle die Unterführung liege, von der Reisende aktuell auf den Bahnsteig gelangten. Der einzige Platz, an dem aus diesem Grund ein Aufzug oder eine Rampe in Richtung des Roisdorfer Ortskerns möglich sei, sei aber durch den Supermarkt an der Bonner Straße blockiert, so Klein. Andere Umbaumaßnahmen seien zu teuer beziehungsweise aufgrund des Platzes nicht möglich. „Hier hätte es der Abstimmung bedurft“, so Klein weiter.

Bornheims Bürgermeister Wolfgang Henseler hat zu den Aussagen des NVR eine klare Meinung: „Das ist Quatsch.“ Er lade Vertreter des NVR gerne zu einem Gespräch vor Ort ein. Gemeinsam lasse sich eine Lösung finden, auch mit Blick auf die geplante Bürgerwerkstatt zur Umgestaltung des Bahnhofsumfelds (siehe Kasten). Überdies sei der Supermarkt bei dessen Neubau im Jahr 2009 nicht versetzt worden, erläutert Henseler. Zudem stehe dieser auf einem privaten Grundstück, auf das die Stadt keinen Zugriff habe. Laut Henseler könnte beispielsweise eine Rampe in Richtung des Bahnhofsvorplatzes gebaut werde. Er sei sich sicher, dass die Planer der Stadt und des NVR gemeinsam eine Lösung finden werden.

„Wir haben alle eine Chance verpasst“, meint Oliver Krauß, CDU-Verkehrsexperte, Kreistagsmitglied aus Alfter und Vorsitzender der CDU-Fraktion in den politischen Gremien des NVR. Krauß weiß sich zu erinnern, dass der Supermarkt bei Neubau anders ausgerichtet wurde. Die Politik habe dabei versäumt, die Flucht freizulassen. Die Beteiligten müssten sich nun daran geben, einen anderen Standort für einen Aufzug zur Ortsseite zu finden. Auch müsse ein Förderprogramm für den Bahnhof aufgetan werden, nachdem die Station nicht in die Modernisierungsoffensive 3 gekommen ist.

Eine gute Nachricht den Bahnhof betreffend hat Krauß allerdings zu vermelden. Bekanntlich war die metallische Führungsschiene für Fahrräder an der Treppe zum Bahnsteig kürzlich zum allgemeinen Ärger entfernt worden. Anlass sind eine Bauvorschrift und damit verbundene Sicherheitsgründe. Laut Krauß soll eine andere Schiene eingebaut werden, die den Vorschriften entspricht.