Drogen

Suchtexperten sprachen in Bornheim über den legalen Kick

BORNHEIM. Suchtexperten aus ganz Deutschland haben auf Schloss Bornheim über "Legal Highs" gesprochen, sogenannte "Badesalzdrogen". Darunter versteht man neue psychoaktive Substanzen (NPS), die zum Teil in Deutschland noch nicht erfasst und so legal erhältlich sind.

Die Droge Mephedron hat unter anderem in Großbritannien schon zu vielen Todesfällen geführt. Obwohl der Stoff seit 2010 auch in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, sind hierzulande keinerlei Zahlen oder Informationen zu Todesfällen bekannt. Das erläuterte Roland Härtel-Petri vom Bezirkskrankenhaus Bayreuth in seinem Vortrag "Badesalz und Co. - Der Umgang mit synthetischen Stimulanzien im abstinenzorientierten Setting" vor mehr als hundert Zuhörern.

Der Vortrag war Bestandteil einer bundesweiten Fachtagung zum Thema "Legal Highs" (Badesalzdrogen), zu der die Fachklinik Schloss Bornheim, das Suchthilfezentrum Bonn, die Schlossparkklinik Bergisch Gladbach und die Schwarzbachklinik Ratingen gemeinsam ins Schloss Bornheim eingeladen hatten.

"Zum ersten Mal gibt es hier eine solche Tagung", berichtete die Leiterin der Bornheimer Fachklinik, Mechtild Esters-Fall. Unter dem Begriff Badesalzdrogen werden verschiedene neue psychoaktive Substanzen (NPS) zusammengefasst. Nur ein Teil der NPS wird in Deutschland durch das Arzneimittelgesetz geregelt, wodurch der Handel untersagt ist. Der Rest ist noch nicht davon erfasst und so legal erhältlich. Dazu gehören zum Beispiel auch zum Teil sehr gefährliche "Kräutermischungen", über die seit 2008 unter dem Namen "Spice" in den Medien berichtet wird.

Die zahlreichen Fachvorträge zu diesem Thema machten deutlich, wie schwierig der Nachweis solcher Substanzen ist. Das stellt die Therapeuten vor verschiedene Probleme im Umgang mit den Drogensüchtigen.

Darüber hinaus erschweren immer wieder neu auf dem Markt erscheinende Substanzen und Produkte auch die gesetzliche Handhabung. Obwohl das Thema nicht neu sei, sei die Bornheimer Tagung "eigentlich sehr früh dran", lobte Härtel-Petri, denn erst seit 2010 gebe es auch Medienberichte darüber.

Das Expertenpublikum erhielt zahlreiche Tipps, wo es verlässliche Informationen zu diesem Thema erhalten kann. Die Internet-Plattform Wikipedia gehört Härtel-Petri zufolge nicht dazu: "Die Konsumenten gucken da nach und glauben zu wissen, was sie bekommen. Sie wissen es aber nicht", stellte er klar und zeigte auch Beispiele dazu.

Die Tagungsgäste aus ganz Deutschland erfuhren an diesem Tag auch etwas über die Verbreitung der "Legal Highs", die Motive für deren Konsum sowie den politischen Diskurs darüber. Auch rechtliche Aspekte im Umgang mit neuen synthetischen Drogen und die toxikologischen Hintergründe von "Spice" und synthetischen Cannabinoiden wurden beleuchtet. Interesse an solchen Stoffen entstehe in erster Linie durch Neugierde, erläuterte Bernd Werse von der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Der Konsum von sogenannten Räuchermischungen sei am stärksten verbreitet. Sie würden als Ersatz von Cannabis oder zusätzlich dazu eingenommen. Darüber hinaus gebe es auch erfahrene, experimentierfreudige Drogenkonsumenten, die vor allem Reinsubstanzen ("Research Chemicals") gebrauchten.

Drogenkonsum:
Amphetaminartige Stimulantien (ATS) werden nach Informationen des Suchtexperten Roland Härtel-Petri weltweit häufiger konsumiert als Kokain und Heroin zusammen. Methamphetamin ("Crystal-Speed") ist die nach Cannabis am häufigsten konsumierte Substanz. Seit einigen Jahren sind zudem mehr als 50 neue Substanzen aus dem Bereich der synthetischen Cannabinoide auf dem Drogenmarkt. Sie gelangen meist als Räuchermischungen/"Spice" deklariert in den Handel. Sie nachzuweisen ist schwierig, weshalb diese Drogen zum Teil legal erhältlich sin