Römerlager und Wasserleitung

Stadt Bornheim stellt Römer-Relikte unter Schutz

Bornheim/Rheinbach. Die Eifelwasserleitung führte einst durch heutiges Bornheimer Stadtgebiet, und auch ein Übungslager für Legionäre wurde nun per Laserscan entdeckt. Das soll sogar in die Weltkulturerbe-Liste der Unesco aufgenommen werden.

Ein wenig verborgen liegt der Graben, der von einem Pfad im Kottenforst abzweigt. Hinter wuchtigen Tannen liegt die Breniger Golfanlage Römerhof. Einem Laien würde die Rinne voller Laub kaum auffällig erscheinen. Anders Klaus Grewe. Der 73-jährige Geodät und Archäologe aus Swisttal-Morenhoven schiebt einige Zweige zur Seite und steigt über tote Äste auf dem Waldboden. „Das ist ein Teil der Eifelwasserleitung“, sagt er und zeigt auf den Graben.

Bei genauerem Hinsehen erkennt man eine leichte Böschung. Grewe, einer der versiertesten Römerkanal-Fachleute im Rheinland, blickt auf die Karte in seiner Hand. „Würde man der römischen Kanaltrasse weiter folgen, könnte man die Zusammenhänge leicht erkennen und wüsste sofort, dass es sich hier nicht um einen simplen Graben handeln kann.“ Um das Besondere an diesem Ort im Kottenforst weiß auch die Stadt Bornheim. Sie hat ihn mit einem weiteren in Roisdorf und einem römischen Übungslager, das ebenfalls verborgen auf Roisdorfer Gebiet liegt, unter Denkmalschutz gestellt. Die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung entschieden dies einstimmig.

Der Experte erkennt die Wasserleitung auch, wenn sie überwuchert ist

Grewe, der für den Rheinbacher Freundeskreis Römerkanal aktiv ist, erzählt, dass die römische Wasserleitung mit einer Gesamtlänge von 95,4 Kilometern von Nettersheim nach Köln verlief, um die Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen. „Erbaut wurde sie zwischen 80 und 90 nach Christus, und bis 270/280 nach Christus wurde sie betrieben. Dann wurde sie vermutlich von den Franken zerstört“, so Grewe, der bis zu seiner Pensionierung Mitarbeiter des Rheinischen Landesmuseums Bonn war.

Fast 15 000 Einwohner hatte Köln während der römischen Zeit. Damals betrug die Transportleistung der Wasserleitung an die 20 Millionen Liter pro Tag. „Somit konnte der römische Kölner mit 1200 Litern am Tag versorgt werden. Heute sind es 100 Liter am Tag.“ Grund für die großen Mengen: Das Wasser lief kontinuierlich. Es durchspülte stets die Kanäle und sorgte für ausreichende Hygiene. „Es handelt sich um einen der bedeutendsten Technikbauten, der von den Römern nördlich der Alpen errichtet wurde“, so der Ingenieur. „So etwas zu bauen, war in römischer Zeit eine vermessungstechnische Glanzleistung.“ Denn das Vorgebirge stellte für die Römer ein großes Hindernis dar. Sie nahmen einen Umweg für den Kanal in Kauf, der über Rheinbach und Meckenheim verlief, damit die Leitung ein Gefälle bekam.

Der Graben im Kottenforst bei Brenig ist ein sogenannter Ausbruchgraben, der im Mittelalter durch den Ausbruch des Mauerwerks entstand (siehe Infokasten). Wenn er auch bemoost und verlaubt ist – nach den Richtlinien der Bodendenkmalpflege sei er auch in diesem Zustand denkmalwürdig, weiß Fachmann Grewe.

Das römische Übungslager ist gut 1700 Jahre alt

Die Unterschutzstellung des zwei Hektar großen römischen Übungslagers auf Roisdorfer Gebiet, das nach Schätzungen mehr als 1700 Jahre alt ist, begrüßt Steve Bödecker. Er ist wissenschaftlicher Referent beim Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland des Landschaftsverbands Rheinland in Bonn und gehört zum Team für den Unesco-Welterbe-Antrag „Niedergermanischer Limes“. „Das römische Lager bei Bornheim zählt zu den wenigen römischen Marschlagern, von denen sich noch ein Erdwall erhalten hat“, sagt der 41-jährige Experte.

Entdeckt wurde es mit einem hochauflösenden Laserscan von „Geobasis NRW“, ein Dienst der Bezirksregierung Köln. „Darauf sind die einst aus Rasensoden und Erde aufgeschichteten Lagerwälle noch gut zu erkennen“, so Bödecker. Das Lager wurde für eine Nacht erbaut und diente nur zu Übungszwecken. Es sollte zeigen, wie schnell und wie gut die Soldaten es errichten konnten. Schließlich dienten solche Lager im Feindesland als Rückzugsort für die Legionen. Bödecker: „In wenigen Stunden konnte so ein großes Lager errichtet werden. Für diese zwei Hektar benötigte man zwischen 2000 und 3000 Soldaten.“

Vor dem Lager gab es einen zwei Meter tiefen Spitzgraben, der Wall selbst war an die zwei Meter hoch. Er war wegen der Rasensoden sehr rutschig, weshalb man ihn nicht einfach erklimmen konnte. Oben auf dem Wall waren Legionäre postiert, die jederzeit den eindringenden Feind bekämpfen konnten.

Das Besondere an dem Lager: die Torform „clavicula“ (lateinisch für Schlüsselbein). Für diese Tore wurde der Lagerwall unterbrochen und viertelkreisförmig nach innen gezogen. „Da früher der Schild in der linken Hand getragen wurde und die Waffe in der rechten, musste der Feind bei dieser Konstruktion immer links herum gehen und zeigte damit seine offene Flanke beziehungsweise musste den Verteidigern den Rücken zukehren“, erklärt Bödecker.

Mit dem Denkmaleintrag hat das Lager nun gute Aussichten, als Weltkulturerbe der Unesco, der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, eingetragen zu werden. 2020 soll der Antrag eingereicht werden. Der Vorteil: höhere Aufmerksamkeit. Geld von der Unesco wird es für den Titel nicht geben.