Streit um gesperrte Straße

Sperrung der Raiffeisenstraße in Bornheim sorgt für Unmut

Bornheim. Anliegende Firmen im Gewerbegebiet-Süd fühlen sich schlecht informiert und beklagen Einbußen bei der Laufkundschaft. Bornheims Wirtschaftsförderer Sebastian Römer entschuldigt sich für die mangelnde Kommunikation.

Wer derzeit eine Runde Bowling im Bornheimer Pin-up oder einen Besuch im Frauenfitness-Studio Donna’s plant, sollte sich vorher über die Anfahrt informieren. Seit dem 23. Juli ist die Raiffeisenstraße, die die Hauptzufahrt zu den Firmen an der Johann-Phillipp-Reis-Straße im Gewerbegebiet Bornheim-Süd bildet, komplett für den Autoverkehr gesperrt. Grund für die Sperrung ist eine Kanalbaumaßnahme mit anschließendem Ausbau der Straße. Da die Firma Landgard den weitaus größten Teil der Anliegerkosten für die Straßensanierung hätte tragen müssen, führt sie die Maßnahme als Investor unter Aufsicht der Stadt durch. Anschließend wird die Straße der Stadt gewidmet.

Wie Phillipp Evers vom Baumanagement der Firma Landgard mitteilte, soll die Baumaßnahme laut dem städtebaulichen Vertrag bis zum 31. Dezember abgeschlossen sein. Mit der beauftragten Tiefbaufirma Velten wurde der Abschluss der Arbeiten bis zum 15. November festgelegt. Bis dahin werden Mitarbeiter und Kunden per Umleitung durch das Gewerbegebiet Bornheim-Süd geführt. Die Hinweisschilder mit den Planskizzen seien für nicht Ortskundige sehr schwer zu verstehen und verwirrend, bemängelt der Vorsitzende des Roisdorfer Gewerbevereins, Harald Stadler.

Mangelnde Information über Bauarbeiten

Dieses Manko war allerdings nur einer der Gründe, warum Stadler am Montag betroffene Firmen mit Vertretern des städtischen Straßenverkehrsamtes und der Wirtschaftsförderung sowie dem Bauherren zusammenbrachte. Die Firmen hatten sich an Stadler gewandt, damit er als Vorsitzender des Gewerbevereins ihre Interessen gegenüber der Stadt und dem Investor geltend macht. Hauptkritikpunkt ist die mangelnde Information vor Beginn der Bauarbeiten. Mitarbeiter sowie Kunden seien von der Sperrung völlig überrascht worden, erklärten Regina Pütz und Sascha Erdbories, Geschäftsführer der Firma Wotan, die das Pin-up betreibt. Firmen mit Laufkundschaft wie beispielsweise das Pin-up, das Frauenfitnessstudio Donna’s und das Restaurant „Der Mallorquiner“ bekommen die schlechtere Erreichbarkeit deutlich zu spüren. Lastwagen, die sich verfahren haben und den Pin-up-Parkplatz als willkommene Wendemöglichkeit nutzen, hätten darüber hinaus bereits deutliche Schäden hinterlassen, berichtet Erdbories.

„Wie kann es sein, dass die Stadt und der Investor über Wochen und Monate eine Maßnahme vorbereiten und man dann die anliegenden Firmen nicht informiert“, echauffierte sich Wolfgang Pütz in seiner Funktion als Vertreter des Grundstückseigentümers, der an das Pin-up und das benachbarte Let’s Play vermietet. „Es ist unfassbar, mit welcher Arroganz über uns hinweggegangen wurde.“ Pütz kündigte an, juristisch Regressansprüche prüfen zu lassen.

Unternehmen fordern Schadensbegrenzung

Bereits in einem Antwortschreiben an den Gewerbevereinsvorsitzenden hatte Bornheims erster Beigeordnete Manfred Schier die unterbliebene Information der direkten und indirekten Anlieger durch den Bauträger eingeräumt und das Versäumnis bedauert. Ebenfalls hatte er erläutert, warum eine halbseitige Öffnung der Raiffeisenstraße oder eine Fertigstellung der Straße in Bauabschnitten nicht möglich sei. Der Leiter des Bornheimer Straßenverkehrsamtes, Johannes Pieck, räumte bei der Versammlung am Montag ein, dass es aufgrund der Urlaubszeit „Fehler in der Abstimmung“ gegeben habe. Stadler hatte in seinem Schreiben auf ein Votum des Stadtentwicklungsausschusses von 2014 hingewiesen. Damals wurde beschlossen, künftig mittelbar und unmittelbar von einer Straßen- oder Kanalbaumaßnahme betroffene Gewerbetreibende frühzeitig zu informieren. Sebastian Römer von der Bornheimer Wirtschaftsförderung erklärte, er habe die Firmen in der Woche nach der Sperrung nachträglich informiert und per Mail einen Umleitungsplan zur Verfügung gestellt. „Natürlich hätte dies im Vorfeld geschehen müssen“, bedauert er.

Die mangelnde Kommunikation lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Dennoch pochen die betroffenen Unternehmen auf „Schadensbegrenzung“. Sie fordern eine zügige Fertigstellung der Baumaßnahmen. Philipp Evers vom Landgard-Baumanagement sagte zu, bei dem ausführenden Unternehmen Druck machen zu wollen. Das Unternehmen hatte die Straße gesperrt, obwohl die Betriebsferien unmittelbar bevorstanden. Daher ruhen die Arbeiten laut Stadler seit mehreren Wochen. Darüber, dass die Sperrung mit den Betriebsferien zusammenfällt, war die Stadt laut Johannes Pieck nicht informiert. „Sonst hätten wir die Anordnung zur Sperrung nicht erteilt.“ Auch bei der Umleitungsbeschilderung will die Stadt noch einmal nachbessern und die betroffenen Betriebe mit ins Boot holen. „Wir wünschen uns, dass sie auch in Zukunft in Bornheim erfolgreich sind“, schloss Wirtschaftsförderer Römer.