Wasserversorgung in Bornheim

Sonderregelung für die Rheinorte

BORNHEIM. CDU, Grüne und ABB bleiben dabei: Die Bornheimer Wasserversorgung soll vollständig durch den Wahnbachtalsperrenverband (WTV) erfolgen - allerdings nicht sofort in allen Stadtteilen.

Das teilten die beiden Parteien und die Wählergemeinschaft am Dienstagabend auf einer Pressekonferenz mit. Zugleich stellten sie ihren gemeinsamen Antrag für die Ratssitzung am Donnerstag, 7. Mai, vor. Dieser besteht aus drei Forderungen:

  • 84 Prozent des Bornheimer Wassers soll über den Hochbehälter Botzdorf und durch die Wasserleitung Gielsdorf kommen. Dieses soll die Vorgebirgsorte und Sechtem versorgen und zu 100 Prozent vom WTV geliefert werden. Die restlichen 16 Prozent des Wassers, zur Versorgung der Rheinorte, solle über das Wasserwerk Eichenkamp kommen. Hierbei soll es sich um ein Wassergemisch handeln: 70 Prozent WTV-Wasser sowie 30 Prozent vom Wasserbeschaffungsverband Wesseling-Hersel (WBV).
  • Zugleich soll Bürgermeister Wolfgang Henseler mit dem WBV über eine Freistellung von den Kosten verhandeln, die die Stadt als WBV-Mitglied an den Verband zahlen muss. Dadurch solle mittelfristig erreicht werden, dass auch die Rheinorte durch den WTV vollversorgt werden können.
  • Schließlich soll der Bürgermeister die Wassergebühren für die Rheinorte mit Blick auf das 70-zu-30-Verhältnis anteilmäßig reduzieren.

Wie CDU-Ratsherr Bernd Marx sagte, stelle dies eine Kompromisslösung seitens der drei Fraktionen in der Debatte um die Zukunft der Wasserversorgung dar. Wie berichtet, hatte der Rat am 2. Oktober 2014 eben auf Antrag von CDU, Grünen und ABB mit 25 zu 22 Stimmen beschlossen, dass das Bornheimer Wasser in Zukunft zu 100 Prozent vom Wahnbachtalsperrenverband geliefert werden soll. Henseler hatte danach allerdings Bedenken angemeldet und in einem weiteren Antrag vorgeschlagen, statt bisher 25 Prozent künftig 30 bis 35 Prozent des Wassers vom WTV liefern zu lassen.

Als Begründung führt Henseler rechtliche Probleme an - und stützt sich dabei unter anderem auf die Expertise von Jurist Jochen Hentschel. Sowohl im Betriebsausschuss als auch im Stadtrat hatte der promovierte Wasserrechtler von der Kanzlei Cornelius, Bartenbach, Haesemann & Partner seine Einschätzung vorgetragen, allerdings erst nach der Entscheidung vom 2. Oktober. Laut Hentschel muss die Stadt aus rechtlichen Gründen Mitglied im Wasserbeschaffungsverband Wesseling-Hersel bleiben, auch wenn sie von dort kein Wasser mehr bezieht. Auch könnten die Mehrkosten durch den weiterhin anfallenden WBV-Verbandsbeitrag und das teurere WTV-Wasser nicht auf den Gebührenzahler umgelegt werden. Je höher die Mehrkosten seien, desto höher seien die Chancen eines Klägers, hatte Hentschel ausgeführt. Sollte die Stadt einen Prozess verlieren, gingen die Mehrkosten zulasten des Haushalts.

Nach Angaben der Stadt beläuft sich der WBV-Beitrag auf jährlich 240.000 Euro. Die Mehrkosten für das WTV-Wasser liegen laut Stadt nach Auslaufen eines vom WTV angebotenen Rabatts - das heißt: ab dem siebten Jahr - bei bis zu 540 000 Euro im Jahr. Grund genug für Henseler einen Verstoß nach Paragraf 75 Absatz 1 der NRW-Gemeindeordnung zu sehen und eine Beanstandung eines Beschlusses hinsichtlich 100 Prozent WTV-Wasser ins Spiel zu bringen. Besagter Paragraf schreibt eine wirtschaftliche, effiziente und sparsame Haushaltswirtschaft vor.

Das sehen CDU, Grüne und ABB anders. Dabei stützen sich die Fraktionen auf ein Gutachten der Kanzlei Busse & Miessen. Wie CDU-Fraktionschefin Petra Heller sagte, sei dies vom WTV in Auftrag gegeben und den Parteien zur Verfügung gestellt worden. Dem Antrag von Union, Grünen und ABB zufolge kommt dieses Gutachten unter anderem zu dem Schluss, dass der erhöhte Wasserpreis vollständig auf die Wassergebühren umgelegt werden könnte. "Das Wasser wird teurer", räumte Grünen-Ratsherr Markus Hochgartz ein. Allerdings würden sich wiederum unter anderem Einsparmöglichkeiten etwa beim Waschmittel ergeben, wenn das Wasser weicher wäre. "Es darf nicht nur der reine Preis bewertet werden", ergänzte Heller. ABB-Mann Paul Breuer wies darauf hin, dass man auf jeder Waschmittelpackung ablesen könne, dass bei härterem Wasser mehr Waschmittel benötigt werde.

Was bleibt, ist das Problem mit dem WBV. Auch CDU, Grüne und ABB sehen aktuell keine Möglichkeit, wie die Stadt aus dem Verband ausscheiden könnte. Daher soll der Bürgermeister ja mit dem WBV verhandeln. Zunächst soll aber die Sonderregelung für die Rheinorte gelten. Die dafür vom WBV bezogene Wassermenge entspricht laut den drei Fraktionen dem Anteil von 25 Prozent, den die Stadt am WBV hält. Überdies entfalle die Verbandsabgabe, da die Firma Shell, die ebenfalls im WBV ist, auch keine zahle. Alle dem WBV entstehenden Kosten würden über den Wasserpreis abgerechnet, heißt es im Antrag von CDU, ABB und Grünen.

Somit liegen für die Ratssitzung gleich drei Anträge zur Wasserversorgung vor: Neben dem Antrag von CDU, ABB und Grünen sowie dem des Bürgermeisters gibt noch einen weiteren der FDP. Dessen Ansinnen: beim Wasser alles so zu lassen wie es ist.

KURZ GEFRAGT

Rainer Stamminger ist seit 2002 Professor für Haushalts- und Verfahrenstechnik an der Universität Bonn. Davor hat der Physiker als Entwickler für Waschmaschinen, Wäschetrockner und Geschirrspüler bei verschiedenen Firmen gearbeitet. Über Wasserhärte sprach er mit Christoph Meurer.

Was bedeutet Wasserhärte?
Rainer Stamminger: Wasser, das als Grundwasser vorliegt, enthält nicht nur H2O sondern auch Stoffe, die aus dem Gestein darin gelöst sind. Die Wasserhärte ergibt sich aus dem Anteil an Calcium- und Magnesiumionen, die im Wasser enthalten sind. In Waschmaschinen oder Geschirrspülern können diese Stoffe Kalkseifen bilden und zu Kalkablagerungen führen. Diese nehmen dem Waschmittel einen Teil seiner Waschkraft. Das bedeutet, je härter das Wasser ist, desto höher muss das Waschmittel dosiert werden. Entsprechende Hinweise finden sich auf den Waschmittelpackungen. Auch kann hartes Wasser zu einem grauen Schleier auf der Wäsche und dem Geschirr führen.

Wirkt sich die Wasserhärte auch auf die Haushaltsgeräte aus?
Stamminger: Bei einem Wasserkocher kann hartes Wasser zur Bildung von Kesselstein führen. In der Folge dauert es länger, bis das Wasser kocht. Es muss also mehr Energie eingesetzt werden. Darum sollten Wasserkocher oder auch Kaffeemaschinen regelmäßig entkalkt werden.

Wann gilt Wasser als hart?
Stamminger: In Bonn hat das Wasser sieben Grad deutscher Härte (dH). Das gilt als weich bis mittelhart. Ab 14 Grad dH gilt es als hart. Jeder Wasserversorger ist bemüht, die Wasserhärte in einem Gebiet konstant zu halten, damit sich der Verbraucher darauf einstellen kann.

Wirkt sich härteres Wasser auch auf den menschlichen Körper aus?
Stamminger: Es gibt keine biologischen Auswirkungen. Da härteres Wasser mehr Mineralien enthält, schmeckt es in der Regel besser. Bei gesundheitlichen Fragen spielt mitunter der Natriumgehalt des Wassers eine Rolle. Darum gibt es etwa natriumarmes Mineralwasser. Beim Grundwasser spielt Natrium aber keine große Rolle.

Wasser in Bornheim

Das Wasser der Stadt Bornheim kommt derzeit zu 25 Prozent vom Wahnbachtalsperrenverband (WTV) und zu 75 Prozent vom Wasserbeschaffungsverband Wesseling-Hersel (WBV). Beides wird im Wasserwerk Eichenkamp gemischt und an die Haushalte weitergeleitet.  Das aktuelle Bornheimer Wassergemisch ist mit etwa 13 Grad deutscher Härte (dH) etwas härter als reines WTV-Wasser. Diese liegt bei circa 7 Grad deutscher Härte. Allerdings ist das WTV-Wasser teurer als das des WBV.