Interview zum Schulstart im Vorgebirge

So läuft der erste Schultag in einer altersgemischten Klasse ab

Die Namensschilder sind längst fertig: Lehrerin Stefanie Schulz freut sich auf ihre Delfinklasse, in die vier Schulneulinge gehen werden.

Die Namensschilder sind längst fertig: Lehrerin Stefanie Schulz freut sich auf ihre Delfinklasse, in die vier Schulneulinge gehen werden.

Bornheim-Waldorf. Am Donnerstag starten auch im Vorgebirge wieder Hunderte i-Dötzchen ihre Schullaufbahn. 55 Mädchen und Jungen sind es an der Waldorfer Nikolaus-Schule. Dort werden sie gemeinsam mit Kindern der Jahrgangsstufen zwei, drei und vier unterrichtet.

Frau Scholz, sind Sie als Lehrerin vor dem ersten Schultag genauso aufgeregt wie Ihre Schüler?

Stefanie Scholz: Natürlich bin ich aufgeregt! Ich freue mich, meine Klasse wiederzusehen und bin gespannt, wie sich die vier neuen Erstklässler in die Klassengemeinschaft einfinden werden. In einer altersgemischten Klasse ist es besonders spannend zu beobachten, wie sich die Klassenstruktur nach den Ferien verändert.

Weil Ihre Schule jahrgangsübergreifend arbeitet, werden Ihnen am Donnerstag nicht nur i-Dötzchen, sondern auch ältere Schüler gegenübersitzen. Wie läuft der erste Schultag in einer altersgemischten Klasse ab?

Scholz: Wir haben sozusagen zwei „erste Schultage“: Mit den älteren Kindern starten ich schon am heutigen Mittwoch ins neue Schuljahr. Wir machen einen langen Gesprächskreis, in dem die Kinder von ihren Ferien berichten können. Anschließend besprechen wir Organisatorisches, und es werden Bücher und Hefte verteilt. Außerdem proben wir den „ABC-Rap“, mit dem die Delfinklasse die Erstklässler in der Aula begrüßen wird. Am Donnerstag ist für die neuen Kinder dann erstmal Ankommen und Kennenlernen angesagt.

Kennen sich die i-Dötzchen denn schon ein wenig in der Schule aus?

Scholz: Wir arbeiten intensiv mit den Kitas in der Umgebung zusammen. Vorschulkinder dürfen im Jahr vor ihrer Einschulung dreimal gemeinsam mit Erstklässlern in der „Forscherinsel“ experimentieren, es gibt Vorlese-Aktionen und andere gemeinsame Projekte. Diese gegenseitigen Besuche sind sehr wichtig, denn sie tragen dazu bei, dass die Kinder den Übergang in die neue Umgebung vertrauensvoll und mit positiver Erwartung wagen.

Jüngere Schüler müssen sich erst an die neuen Regeln und Anforderungen in der Schule gewöhnen. Wie reagieren die Älteren darauf?

Scholz: Für die neuen Zweitklässler ist es natürlich eine tolle Erfahrung, jetzt „groß“ zu sein, und die Schulneulinge unterstützen zu können. Sie können sich ja noch gut daran erinnern, wie aufregend und neu alles ist. Jeder Erstklässler bekommt Patenkinder aus den höheren Jahrgangsstufen. Aus diesen Patenschaften entwickeln sich oft sehr enge Beziehungen. Die Erstklässler wiederum orientieren sich an den älteren Kindern und lernen schnell von ihnen.

Wie gestaltet man den Unterricht, wenn ein Teil der Klasse bis zehn zählen und das A schreiben lernt, der andere aber schon bis 1000 rechnen und Geschichten verfassen kann?

Scholz: Jedes Kind bekommt einen Plan, an dem es eigenverantwortlich in seinem eigenen Tempo arbeiten kann. Zusätzlich gibt es Stunden, in denen ich mich nur mit den Dritt- und Viertklässlern treffe, um spezielle Themen in Deutsch oder Mathematik zu besprechen.

Ist es für Sie als Lehrerin nicht schwierig, jedes Kind im Blick zu halten?

Scholz: Ich kontrolliere jeden Tag, ob und wie die Kinder ihre jeweiligen Aufgaben erledigt haben. Dabei sehe ich, ob der jeweilige Stoff noch einmal gefestigt werden muss, oder ob es weitergehen kann.

Wie reagieren die Eltern auf dieses Konzept?

Scholz: Wir erleben, dass die Schule häufig gezielt ausgewählt wird, weil die Eltern sich von unserem Konzept erwarten, dass die Kinder besonders gut in ihrer Individualität gefördert werden. Wir informieren die Eltern im Vorfeld über das Konzept unserer Schule, etwa bei unserem Tag der offenen Tür. Zusätzlich haben sie die Möglichkeit zu hospitieren. Skeptische Eltern sind oft überrascht, wie gut das gemeinsame Lernen funktioniert und dass es ihrem Kind gut tut.

Wie sieht es in einer altersgemischten Klasse mit Freundschaften aus? Werden diese jahrgangsübergreifend geschlossen oder bleiben die i-Dötzchen unter sich?

Scholz: Weil die Schulanfänger engen Kontakt zu ihren Patenkindern haben, gibt es viele Freundschaften zwischen älteren und jüngeren Kindern. Das der Kontakt sehr gut ist, zeigt sich auch daran, dass die ehemaligen Viertklässler, die auf die weiterführenden Schule gewechselt sind, an freien Tagen immer gerne ihre Freunde aus der alten Grundschulklasse besuchen. Darüber freuen wir uns natürlich sehr.