Süßere Kirschen zu höheren Preisen

Süßkirschernte im Vorgebirge

Die Süßkirschenernte im Vorgebirge hat begonnen: Der Mertener Roland Schmitz-Hübsch baut auf 2,5 Hektar acht verschiedene Sorten an.

Die Süßkirschenernte im Vorgebirge hat begonnen: Der Mertener Roland Schmitz-Hübsch baut auf 2,5 Hektar acht verschiedene Sorten an.

Bornheim/Meckenheim. Süßere Früchte, aber auch höhere Preise: Die Kirschernte in Vorgebirge und Voreifel läuft. Trotz des Frostes im Frühjahr rechnen die Obstbauern mit einer guten Ernte.

Manfred Felten gefällt die Kordia am besten: „Sie ist besonders dick, fest und süß und hat ein tolles Zucker-Säure-Verhältnis“, schwärmt der Meckenheimer Obstbauer von der Süßkirschensorte, die bei ihm auf fünf seiner 14 Kirschbaumreihen wächst. Dort, wo die Landwirte die Blüten vor dem Frost im April bewahren konnten, rechnen sie mit einer guten Ernte: „Dieses Jahr schmecken die Kirschen viel süßer als letztes Jahr, weil es mehr Sonnenschein gegeben hat. Und der bringt den Zucker“, erklärt Obstanbauer Roland Schmitz-Hübsch aus Bornheim-Merten.

Da das Angebot durch die Frostschäden knapper ist, müssen sich Verbraucher allerdings auf höhere Preise für heimische Kirschen einstellen, kündigt der Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauern an. Wie berichtet, hatten die Nachtfröste in diesem Frühjahr erhebliche Schäden im Obstbau angerichtet.

Etwa 15 bis 20 Prozent Einbußen hätten sie ihm beschert, sagt Felten. „Das ist aber noch human“, so der Meckenheimer. Mit einer Folienüberdachung und einer Unterkronenberegnung habe er den Großteil der Blüten schützen können. Indem das Wasser an den Bäumen gefriere, werde beim Wechsel des Aggregatszustandes Wärme freigesetzt, die wiederum durch das Dach nicht entweichen könne, erklärt er. Die Beregnung erfolge aber bewusst unterhalb der Baumkrone, da die Blüten selbst nicht gefrieren dürften.

Auch Schmitz-Hübsch hat seine Plantagen durch ein Foliendach vor dem Frost geschützt. Zudem habe er den Boden nass gehalten, damit die Erdwärme daraus aufsteigen könne. So seien ihm „keine nennenswerten Schäden“ entstanden. Für 6,90 Euro das Kilo bietet der Mertener die Kirschen in seinem Hofgeschäft an. Felten nimmt sieben Euro im Verkauf am Hof. Der Handel zahle derzeit 5,50 Euro, sagt er: „Die Preise sind sehr gut.“

Kirschessigfliege aus Japan kann die Ernte beschädigen

Doch nicht nur Frost sowie Regen und Hagel – wovor die Foliendächer die Kirschen ebenfalls bewahren, damit sie nicht platzen – können den Obstanbauern gravierende Ernteeinbußen bescheren. Auch die Kirschessigfliege hat es auf die süßen Früchte abgesehen. Der vor einigen Jahren aus Japan eingeschleppte Schädling kann sich rasant vermehren und somit binnen Kurzem viele Früchte schädigen.

Mit rundum errichteten, engmaschigen Netzen versuchen Felten und Schmitz-Hübsch, den Eindringling fernzuhalten – mit Erfolg. Noch habe er keine Fliegen in der Anlage gefunden, sagt Schmitz-Hübsch. Allerdings werde das Insekt auch erst Mitte Juli richtig aktiv, heißt es von der Landwirtschaftskammer. Der Schutz durch Folien und Netze sei aber immer auch „zweischneidig“, findet Schmitz-Hübsch, immerhin sehe das in der Landschaft nicht schön aus, ist er sich bewusst.

Unterstützung erhält der Mertener bei Maßnahmen gegen die Fliege vom Pflanzenschutzamt: „Wir sind Pilotbetrieb und werden die nächsten fünf Jahre wissenschaftlich betreut“, berichtet er. So seien Fallen zur Kontrolle aufgestellt worden ,und es gebe Beratung zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, der dank der Netze, die einen Durchmesser von maximal einem Millimeter haben dürfen, auf ein Minimum reduziert werden könne. Ein gängiges biologisches Präparat ist das Insektizid „Spin Tor“, dessen Wirkstoff Spinosad aus einem Bakterium gewonnen wird und sich vergleichsweise schnell abbaut. Für die frühen Sorten habe er dieses noch nicht einsetzen müssen, sagt Schmitz-Hübsch.

„Samba“ ist die erste festfleischige und Zuckersüße Sorte

Sein Meckenheimer Kollege Felten hat derweil schon vereinzelte Fliegen in den Fallen gefunden. Auch er setzt neben den Netzen auf das Schutzmittel „Spin Tor“. „Und die Hygiene in der Anlage zu halten, ist wichtig“, so Felten. Sprich, es gilt, sämtliche Früchte vom Boden aufzusammeln, um dem Insekt keine Nahrung zu bieten. 13 verschiedene Kirschsorten landen während der circa sechswöchigen Ernte auf dem Obsthof Felten in den Körben. Auf 1,5 Hektar stehen dort 1500 Bäume. Aktuell ist die Sorte „Samba“ an der Reihe.

Die pflücken jetzt auch die Erntehelfer von Schmitz-Hübsch. Bei dem Mertener wachsen auf 2,5 Hektar rund 3000 Bäume mit acht verschiedenen Kirschsorten, die er bis Mitte Juli erntet. „Samba“ sei die erste großfruchtige Sorte, sagt Schmitz-Hübsch: „Festfleischig und zuckersüß.“ Während der Mertener auch eine italienische Sorte testet, versucht es Felten mal mit der französischen „Rainier“ – die sei eher herb-süß, erklärt er. Und sie ist zweifarbig: gelb mit roten Bäckchen.