Kreis legt Baustelle teilweise still

Rammarbeiten am Einkaufszentrum in Roisdorf zu laut

Bornheim-Roisdorf. Die Anlieger protestieren gegen die Rammarbeiten am Einkaufszentrum in Roisdorf. Das Amt für Umwelt- und Naturschutz hat die Arbeiten, bei denen die Pfähle in den Boden gerammt werden, nun bis auf Weiteres untersagt.

Die schwere Maschine auf der Baustelle des Roisdorfer Einkaufszentrums steht still. Die großen Betonpfähle ragen mal mehr, mal weniger aus dem Erdreich heraus. Wann dort weitergearbeitet wird, steht wohl noch nicht fest. Das Amt für Umwelt- und Naturschutz des Rhein-Sieg-Kreises hat die Arbeiten, bei denen die Pfähle in den Boden gerammt werden, bis auf Weiteres untersagt. Kreissprecherin Rita Lorenz bestätigte auf GA-Anfrage ein entsprechendes Schreiben des Kreises an unmittelbare Anwohner.

Die Baustelle sei teilweise und vorläufig stillgelegt worden, weil Messungen einer externen Firma ergeben hätten, dass der Lärm durch die Rammarbeiten zu groß sei. Es werde nun ein Prozedere erarbeitet, das die Baufirma den Anwohnern kommunizieren solle, so Lorenz. Messungen zu Erschütterungen und deren Auswirkungen auf Gebäude haben laut Kreis indes keine Überschreitung von Grenzwerten ergeben.

Anlass für das Einschreiten des Kreises waren teils massive Beschwerden der Anlieger der umliegenden Straßen über die Arbeiten, die in der vorletzten Novemberwoche begonnen hatten. „Die Häuser vibrieren, sodass davon auszugehen ist, dass eine Rissbildung im Mauerwerk nicht auszuschließen ist“, teilte eine Anwohnerin dem GA per E-Mail mit. Ihr Haus besitze eine Glastür, die den ganzen Tag vibriere und klirre. Ebenso könnten aufgrund des Lärms die Fenster nicht geöffnet werden, da man sonst sein eigenes Wort nicht mehr verstehe.

Wackelnde Möbel und Risse in den Wänden

Fast 30 Anwohner waren wiederum zu einem von Roisdorfs Ortsvorsteherin Gabriele Kretschmer (CDU) organisierten Treffen an der Baustelle zusammengekommen. Bei diesem machten sie ihrem Unmut über Lärm und Erschütterungen durch die Rammarbeiten Luft. Würden die Pfähle in den Boden gerammt, wackle der komplette Schreibtisch, berichtete ein Mann, der rund 60 Meter entfernt wohnt und die Arbeiten auf Handyvideos festgehalten hat.

„Bei mir ist eine Vase von einer Platte heruntergefallen“, sagte wiederum eine Frau. „Es wackelt überall, in den Wänden gibt es erste Risse“, ergänzte ein dritter Anwohner. Eine weitere Frau berichtete, dass die Heizungsrohre im Keller während des Rammens stark erschüttert würden. Das könne nicht ohne Schäden bleiben, meinte sie.

Auf die Palme brachte die Anlieger zudem, dass auch an einem Samstag bereits gegen 7.45 Uhr gerammt worden sei. „Da sind wir alle aus den Betten gefallen“, sagte Kretschmer, die auch in der Nähe wohnt. Weiter berichtete sie von Beerdigungen, die kürzlich auf dem ebenfalls angrenzenden Roisdorfer Friedhof stattgefunden hätten. Dabei habe man aufgrund des Lärms den Pastor nicht verstehen können.

Zum Ärger der Anwohner gesellen sich viele Fragen. Sie wollen etwa wissen, wer für Schäden aufkomme, wer solche Rammarbeiten in einem Wohngebiet genehmigt habe oder warum man nicht vorab darüber informiert worden sei. Ein Mann erinnerte an den Bau der Bahnunterführung am Widdiger Weg. Damals sei ein Gutachter im Auftrag der Bahn vorab gekommen und habe bereits vor den Arbeiten vorhandene Risse in den Gebäuden aufgenommen – für spätere Schadenersatzansprüche. Dieses Mal sei man vor vollendete Tatsachen gestellt worden, fügte er hinzu.

Keine Arbeiten zwischen 23. Dezember und 8. Januar

Wie Andrea Sutorius als Vertreterin der Investoren und der Bauherrn dem GA auf Anfrage sagte, habe man über den Kreis von den Beschwerden gehört. Mit Blick auf die Erschütterungen hätten Messungen in der Tat ergeben, dass grundsätzlich alles in Ordnung sei. Zur Frage des Schalls habe es mit einem bestellten Gutachter Versuche mit Schallschutzmaßnahmen gegeben. Man stehe mit dem Kreis in Kontakt, so Sutorius, vorerst ruhten die Rammarbeiten.

Weiter habe man bereits ein Informationsblatt an die Anwohner im direkten Umfeld verteilt und wolle auch weiter informieren, sagte sie. Auch sollten zwischen dem 23. Dezember und dem 8. Januar keine Arbeiten stattfinden. Dass auch an einem Samstag gerammt worden sei, sei eine einmalige Sache gewesen, um einen Zeitverzug aufzuholen.

Apropos Zeitverzug: Hätte man normal weiterarbeiten können, wäre man laut Sutorius in 15 Tagen mit dem Einrammen der Betonpfähle fertig gewesen. Es gehe um rund 500 Pfähle, die notwendig seien, um den auf der Fläche geplanten Gebäuden einen festen Untergrund zu verschaffen. „Der Boden ist sehr sandig“, erläuterte sie. Es gebe keine alternative Möglichkeit, um die Pfähle in den Boden zu bekommen.

Wie berichtet, soll auf dem etwa 6000 Quadratmeter großen Gelände gegenüber den schon vorhandenen Bauten des Einkaufszentrums ein weiterer Neubau errichtet werden, in den unter anderem ein Drogeriemarkt und ein Discounter einziehen sollen. Die Schumacherstraße, die zwischen beiden Gebäudeblöcken liegt, soll zu einer Fußgängerzone werden.