Der erste Zug kam zu früh

Rückblick auf 40 Jahre Stadtbahnlinie 16

Bei der Jungfernfahrt: Der erste Zug der Stadtbahnlinie 16 in Richtung Bonn-Bad Godesberg steht am Bahnhof Wesseling.

Bei der Jungfernfahrt: Der erste Zug der Stadtbahnlinie 16 in Richtung Bonn-Bad Godesberg steht am Bahnhof Wesseling.

Region. Vor 40 Jahren wurde die Stadtbahnlinie 16 zwischen Köln, Wesseling, Bornheim und Bonn eröffnet. Für Sonntag, 12. August, ist ein großes Fest in der ehemaligen Güterabfertigung Wesseling geplant.

So mancher leidgeprüfte Pendler mag es kaum glauben, aber die erste Bahn der Linie 16 kam zu früh. Eigentlich war vorgesehen, dass die Jungfernfahrt am 12. August 1978 um 11 Uhr in Köln startet. Frühestens um 11.45 Uhr sollte der Zug auf dem Betriebshof in Friesdorf eintreffen. Bonns damaliger Oberbürgermeister Hans Daniels hatte sich für 11.50 Uhr angekündigt. Allerdings konnte es sein Kölner Amtskollege John van Nes Ziegler wohl nicht abwarten. Mit einem Pfiff auf einer Trillerpfeife schickte er den Zug eine gute halbe Stunde zu früh auf die Strecke. Dank einiger Telefonate und Funksprüche hatte es Bonns Stadtoberhaupt – all dies ist einem Artikel des General-Anzeigers vom 14. August 1978 zu entnehmen – letztlich doch pünktlich geschafft.

Bei ihrer Eröffnung vor 40 Jahren galt die Stadtbahnlinie 16 zwischen Köln, Wesseling, Bornheim und Bonn als längste deutsche Stadtbahnstrecke. Damit endete zugleich ein anderes Kapitel Verkehrsgeschichte. Denn am 11. August 1978 war der letzte Zug der Rheinuferbahn der Köln-Bonner Eisenbahnen (KBE) gefahren.

„Auf der Rheinuferbahnstrecke begann im Januar 1906 der Personenverkehr mit im Stundentakt verkehrenden Schnell- und Personenzügen“, erläutert Dirk Collin, Vorsitzender der Köln-Bonner Eisenbahn-Freunde (KBEF). Aufgrund der unerwartet hohen Fahrgastzahlen sei die Strecke bis 1908 zweigleisig ausgebaut und als Hauptbahn konzessioniert worden, so Collin.

Mischform aus U- und Straßenbahn

Die alle halbe Stunde fahrenden Schnellzüge brauchten für die Strecke von Köln nach Bonn nur 44 Minuten. Es ging aber auch noch schneller. Durch die Anhebung der Höchstgeschwindigkeit von ursprünglich 70 auf 110 Kilometer pro Stunde hätten später einige Schnellzüge für die Reise zwischen den Vororten von Köln und Bonn – ohne Halt in Wesseling – nur 19 Minuten benötigt.

Den elfenbeinfarbenen Triebwagen der ersten Generation folgten ab 1930 speziell für die KBE konstruierte Elektrotriebwagen, die durch ihre rot-cremefarbene Gestaltung bundesweit bekannt geworden seien, berichtet der Experte. „Ab 1960 sorgten die legendären Silberpfeile der KBE mit ihrer zukunftsweisenden Leichtmetallbauweise und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde nochmals für europaweites Aufsehen“, teilt er weiter mit.

Ende 1960 gerieten die KBE vor allem durch sinkende Fahrgastzahlen in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1973 beschlossen die Verantwortlichen die Umstellung auf einen Stadtbahnbetrieb, also eine Mischform aus U- und Straßenbahn – damals noch von Köln-Mülheim bis nach Bad Godesberg. Collin: „Schon bei der Planung der Tunnelstrecken für die Stadtbahn in Köln und Bonn war beabsichtigt, die Strecken der KBE in diese Netze zu integrieren.“ 1975 begann der Umbau der Rheinuferbahn zur Stadtbahn.

Die 49 Haltestellen schafft ein Zug in 82 Minuten

In seinem Buch „Köln-Bonner Eisenbahnen – Erinnerungen an die Rheinuferbahn“ berichtet Wolfgang Herdam von einem „schwarzen Tag in der KBE-Geschichte“. Bei einem Brand in einer Wagenhalle in Wesseling am 4. August 1975 wurden mehrere Fahrzeuge vernichtet, was sich negativ auf den Fahrplan und das Platzangebot auswirkte. „Als Ersatz für die verbrannten Triebwagen wurde beschlossen, Stadtbahnwagen zu beschaffen“, sagt Collin.

Und: „Die Idee, dreiteilige Silberpfeile als Stadtbahn-Triebwagen zu bauen, konnte sich nicht durchsetzen.“ Seit der Eröffnung bedienen die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) und die Stadtwerke Bonn (SWB) die Linie gemeinsam. Für die heute 49 Haltestellen braucht ein Zug laut Fahrplan 82 Minuten. Laut dem Artikel zur Einweihung fuhren mehr als 50.000 Passagiere am Eröffnungstag. Heute nutzen vor allem in den Hauptverkehrszeiten unzählige Berufspendler und Schüler die Stadtbahn.

Die Linie ist eine wichtige Verbindung zwischen den Städten Köln, Wesseling, Bornheim und Bonn. Mitunter kann es in den Wagen ziemlich voll werden. Nicht umsonst ist geplant, den Takt auch zwischen Wesseling, Bornheim und Bonn auf alle zehn Minuten auszuweiten (der General-Anzeiger berichtete). Die Entwicklung der Linie geht auch nach 40 Jahren noch weiter.