Der Ort gewinnt in jedem Fall

Rösberg sagt: „Unser Dorf hat Zukunft“

Bornheim-Rösberg. Rösberg ist gerüstet: Am 22. September macht eine Kommission des Rhein-Sieg-Kreises Station im Ort. Das Dorf nimmt nämlich am Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teil. Geplant ist unter anderem ein Heinrich-Böll-Wanderweg.

Für den 22. September wird sich Rösberg herausputzen. Die Grünanlagen werden sehr gepflegt sein, auf den Bürgersteigen kein Unrat herumliegen. Denn an dem Tag besucht die Bewertungskommission des Rhein-Sieg-Kreises den Ort innerhalb des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“. Insgesamt nehmen 18 Orte unter 3000 Einwohnern teil. Ortsvorsteher Peter Tourné wird den Gästen schöne Winkel Rösbergs vorstellen. Dem GA hat er sie jetzt schon mal gezeigt.

Für den Rundgang im September sind nur eineinhalb Stunden vorgesehen, denn die Kommission muss sich an diesem Tag auch noch andere Dörfer ansehen. Darauf hat sich Tourné vorbereitet. Kurz und knapp wird er den Besuchern die wichtigsten Projekte erläutern, mit denen er Rösberg auf einem guten Weg in die Zukunft sieht.

Ganz wichtig ist für ihn die Gestaltung des Sportplatzes. Nach der Auflösung des SSV Rösberg wird die Anlage nicht mehr für den Sport benötigt. Tourné spricht sich deutlich gegen eine Wohnbebauung und für eine Gestaltung als Spiel- und Festplatz samt Grünanlage aus. Auch dies könne ein Argument für junge Familien sein, nach Rösberg zu ziehen. Zudem steht wie berichtet der Vorschlag der SPD im Raum, eine Kita auf dem Gelände zu errichten.

Überhaupt die Altersstruktur. Seit 1980 hat sich der Anteil der unter 18-Jährigen in dem knapp 1500 Einwohner großen Ort um ein Drittel verringert, der Anteil der über 65-Jährigen jedoch um ein Drittel vergrößert. Um junge Familien anzuziehen, wurde an der Markusstraße gebaut. Am Rüttersweg sollen 28 Häuser entstehen. Die Kinder können im Ort zur Schule gehen. Die Schüler beteiligten sich jüngst an der Feier zum 950-jährigen Ortsbestehen, in dem sie ein Würfelspiel gestalteten, bei dem Fragen zur Geschichte Rösbergs beantwortet werden müssen.

Das Umkleidehaus der Fußballer wurde zum kleinen Dorfhaus umgebaut und auch mit einem hellen Außenanstrich versehen. Weil es im Schatten des Wasserturms steht, heißt es „Haus am Turm“. Es ist für kleinere Treffen oder Feiern vorgesehen. Nicht für ausufernde Partys, die die Anwohner stören könnten. Noch in diesem Sommer soll es offiziell eröffnet werden.

Die kleine Grünfläche am Wasserturm wird von Grünpaten gepflegt. Die Bank wurde von den Kaschemme-Sängern gespendet. Der 29 Meter hohe Turm wurde 1919 auf Initiative der britischen Besatzung erbaut. Er war bis 1970 in Betrieb. Seit 1998 ist er bewohnt. Tourné schwebt vor, die Grünfläche an der Ecke Weberstraße/Metternicher Straße, wo früher die Viehtränke (De Dränk) war, zu einem kleinen Treffpunkt zu machen. Jetzt findet dort das Maifest statt. „Dazu müsste noch die eine oder andere Bank her“, meint der Ortsvorsteher. Mit der Kommission will er auch den Ziegenhof der Familie Kuhnen besuchen. „Ein schönes Beispiel, wie Selbstvermarktung funktioniert.“

Die Von-Weichs-Straße ist ein Fuß- und Radweg, der zum 1731 erbauten Rösberger Schloss führt, das im Krieg fast komplett zerstört wurde. In dem nach Originalplänen wiederaufgebauten Denkmal lebt heute der Schauspieler Günter Lamprecht. Der Fußweg wird bald zum Heinrich-Böll-Weg gehören, der am 25. August offiziell eröffnet wird.

Dieser Weg zeichnet die Spazierwege nach, die der Schriftsteller in seinen letzten drei Lebensjahren in Merten oft nutzte. Denn sein Arzt hatte ihm als Kontrastprogramm zu seiner engagierten Rauchertätigkeit Bewegung an der frischen Luft verordnet. Die Kommission wird im September entlang des Weges auch Erläuterungstafeln über das Leben Bölls in Augenschein nehmen können. Dieser ist übrigens auch Teil zweier weiterer Wanderrouten: des Kappeswegs und des Römerkanalwegs.

Tourné wird den Besuchern auch den alten Ortskern zeigen. Im Schatten der 1710 erbauten Markuskirche existierten früher zwei Gaststätten. So hatten die Männer nach dem sonntäglichen Kirchgang die Qual der Wahl, in welchem Lokal sie ihren Frühschoppen abhalten sollten. Es heißt, manche konnten sich nicht so recht entscheiden und wechselten nach den ersten Bieren in die jeweils andere Gaststätte. In den Markusstuben, früher Bäckerei, Café, Gasthaus und Restaurant, wird derzeit fleißig gewerkelt. In dem Haus, 1793 erbaut, entstehen Wohnungen. Das Denkmal, das an die Opfer des Ersten Weltkriegs erinnert, soll nach den Vorstellungen von Tourné restauriert werden.

Peter Tourné geht es nicht darum, den Wettbewerb zu gewinnen. Er handelt nach dem olympischen Motto „Dabei sein ist alles“. Und gewinnen könne der Ort allein durch die Teilnahme, indem Entwicklungen angestoßen würden. Und er appelliert an seine Mitbürger: „Viele sollten mitmachen, damit wir uns gut präsentieren.“ Bewertet werden fünf Kriterien: Konzeption und Umsetzung, wirtschaftliche Entwicklung, Soziales/Kultur, Baugestaltung/Entwicklung, Grüngestaltung.