Erster tödlicher Autobahnunfall

Nur die Beifahrerin überlebte bei Uedorf

Zwei Menschen starben am 11. Juni 1934 auf der Autobahn bei Uedorf in diesem Lastwagen.

BORNHEIM-UEDORF. Möglicherweise war es damals ein Sekundenschlaf am Steuer. Vielleicht hat sich der 29-jährige Lastwagenfahrer auch nur einen Moment zu lange von dem jungen Mädchen auf dem Beifahrersitz ablenken lassen, das sich in dem Transportfahrzeug eine günstige Mitfahrgelegenheit von Düsseldorf in seine badische Heimat ergattert hatte.

Man weiß es nicht. In jedem Fall ist es schon finster an diesem 11 Juni 1934, etwa eine Stunde vor Mitternacht. Da knallt der mit Papierrollen schwer beladene Laster auf der Autostraße zwischen Bonn und Köln in der Nähe von Uedorf plötzlich gegen das Brückengeländer aus Eisenbeton. Der Fahrer stirbt, erdrückt von seinem Lenkrad.

Der Besitzer des Fernlastwagens machte im Laderaum gerade ein Nickerchen. Beim Aufprall geraten die Papierrollen in Bewegung und donnern auf den Schlafenden. Der 27-Jährige ist sofort tot. Das mitfahrende Mädchen kommt wie durch ein Wunder mit einer Knieverletzung davon. So hat sich der erste tödliche Unfall auf der ersten deutschen Autobahn, der heutigen A555, abgespielt. Das ist am heutigen Tag nun 75 Jahre her.

Heute kracht es auf den Autobahnen im Raum Bonn/Rhein-Sieg täglich fast 30 Mal; für 2008 weist die Bilanz der Autobahnpolizei drei Tote und 326 Verletzte aus. Die beiden 1934 verunglückten Fahrer aus dem badischen Villingen sind nicht in der Statistik verschwunden. An ihren Tod erinnert ein Wegekreuz an der Unterführung der A 555 auf dem Wirtschaftsweg, der vom Bornheimer Wasserwerk nach Uedorf führt, parallel zum Uedorfer Weg Richtung Bornheimer Straße.

Das steinerne Kreuz wurde aber nicht von Angehörigen errichtet, wie dies heute vielfach geschieht. Familie Toni Schmitz aus Uedorf ließ es gut ein Jahr nach dem Unfall aufstellen, als Datum ist der 10. Juli 1935 vermerkt. Der Bereich der Unfallstelle gehörte damals nämlich zur Gemarkung des Eierhofes, den Toni Schmitz besaß.

Und das Errichten von Unglückskreuzen war damals so üblich, sagt der Bornheimer Heimatforscher Horst Bursch. Selbst Wilddieben, die bei einer Verfolgung erschossen wurden, habe man damals im Vorgebirge solchermaßen eine letzte Ehre erwiesen.

Der steinerne Zeuge für den ersten Autobahnunfall in Deutschland ist damit das zweite in Uedorf aufgestellte Unglückskreuz. "Das erste stammt aus dem Jahr 1749", weiß Horst Bursch, der anlässlich der Ersterwähnung Uedorfs vor 850 Jahren 1993 eine Schrift erstellte und darin ein Kapitel auch den Kleindenkmälern in Uedorf widmete.

Dieses barocke Kreuz steht heute an der Ecke Salzachstraße und Bornheimer Straße und erinnert an den zwischen Uedorf und Wittiger Windmüllen am 16. Juli 1749 tödlich verunglückten Leibreitknecht Caspar Richter.