Musik aus Bornheim Nach Dienstschluss rappt ein Rösberger als DeeEmZee

Bornheim-Rösberg. Der Rösberger Daniel Wagner, Projektleiter bei der Telekom, setzt auf deutsche Texte. Alles begann in seiner Neuköllner Heimat.

Daniel Wagner ist ein typischer Berufspendler der Telekom. Jeden Morgen fährt der Projektleiter für den geförderten Breitbandausbau von seinem Wohnort in Rösberg zur Arbeit nach Bonn-Ramersdorf. Natürlich im Büro-Outfit, das so gar nicht das ungewöhnliche Hobby des 41-Jährigen erahnen lässt. Der gebürtige Neuköllner rappt nämlich, und wenn er Musik macht, dann wird aus Daniel Wagner DeeEmZee.

Der Liebe wegen war der Berliner 2008 ins Vorgebirge gezogen. Die Ehe zerbrach, die Scheidung folgte, aber eine Rückkehr in alte Gefilde kam für den Familienvater nicht infrage, weil seine Tochter hier lebt. „Sie war bei der Trennung erst drei Jahre alt. Nach einem Umzug hätte ich sie nicht mehr gesehen.“ Die zerbrochene Beziehung und die Liebe zu seiner Tochter waren es denn auch, die Wagner nach eineinhalb Jahrzehnten musikalischer Pause wieder zurück zum Rappen brachten. Im vergangenen Herbst veröffentlichte er nach 15-jähriger Schaffenspause eine neue CD. In „Das Buch“ verarbeitete der Sänger sehr persönliche Verletzungen. Ausschließlich auf Deutsch.

Der Erfolg dieses Titels und die im April dieses Jahres seiner Tochter gewidmete zweite Produktion „Mein Erbe“ animierten ihn zu einem eigenen Geburtstagssong. „42“ erscheint zu seinem Ehrentag am 12. Oktober und damit kurz nach seinem 25. „Bühnenjubiläum“ am 24. September. „Das Tolle ist, dass meine Tochter wahrscheinlich das Intro sprechen wird“, freut er sich. Abgesehen von der Tochter ist Rappen Wagners ganz große Leidenschaft. Für ihn steht denn auch fest, dass „nach der Trennung 2015 die Musik das Einzige war, was mich gerettet hat“.

Er hält nicht viel von Gangsta-Rappern

Ganz anders waren die ersten Songs, die der Hobby-Künstler, der sich damals Danny D, später Danny MC und dann DeeEmZee nannte, Anfang der 90er Jahre mit seiner ersten Band „Das Imperium“ und im Duett mit Sänger Pinskee bei Stadtteilfesten und am Berliner Alexanderplatz sang. „Wir hatten nach dem Vorbild der Fantastischen Vier zunächst überwiegend Spaß-Raps. Erst später wurden die Texte sozialkritischer.“ Da ist zum Beispiel das Album „Kaltes Land“ (2001), in dem es um das Auseinanderdriften der gesellschaftlichen Schichten sowie um Kriege und deren Opfer geht.

Das Rap-Genre ist wie geschaffen für den Berliner, der kein Instrument spielt und keine Noten lesen kann. Er wuchs in einem Neuköllner Plattenbau in der Gropiusstadt auf, da „schwappte die Welle damals aus Amerika rüber. Zum ersten Mal habe ich die Musik in einem US-Geschäft bei uns in der Nähe gehört. Sie gefiel mir, sie war genau mein Ding.“ Stolz ist er, dass er einer der ersten in Berlin war, die mit deutschsprachigem Rap auftraten.

Von den sogenannten Gangsta-Rappern, die mittlerweile in der Szene das Sagen haben, hält er nicht viel. „In ihren Songs sind immer die anderen blöd. Bushido hat man solche Texte noch abgenommen. Aber nicht den heutigen Sängern“, so Wagner. Seine Distanz zu den „Kollegen“ wird in seinem Song „Besenwagen des Rap“ deutlich. Wegen der „negativen Entwicklung in der Szene“ gab er 2002 auch sein Abschlusskonzert am Alter Markt in Köln.

Zu seinen Freunden gehört auch Vanilla Ice

In den folgenden Jahren stand die berufliche Karriere bei der Telekom im Vordergrund. Erst seine Scheidung führte ihn zurück zu seinen musikalischen Wurzeln. In „Das Buch“ – ursprünglich als Buch geplant, daher auch der Titel des in Reimform geschriebenen Liedes – schildert der 41-Jährige das Ende seiner Ehe: „2008 habe ich den größten Fehler meines Lebens gemacht, ich habe 100 000 Euro verloren, man hat mich einfach weggeschmissen.“

Heute betrachtet er das Lied als Befreiungsschlag, der überdies via sozialen Medien äußerst erfolgreich wurde. „Der Zuspruch von anderen Betroffenen war riesig.“ In „Das Erbe“ sieht der Vater seine Musik als Vermächtnis an die Tochter: „Und wenn ich morgen sterbe, hast Du dieses Lied von mir.“

Bis heute ist der Wahl-Rösberger bekennender Fan der amerikanischen Hip-Hop- und Rap-Bewegung. Einige Musiker kennt er persönlich. Zwei- bis dreimal im Jahr fliegt er in die USA, um dort Freunde zu treffen. Zu diesen gehört auch Vanilla Ice (51), der 1990 mit der Single „Ice Ice Baby“ – einem „Under Pressure“-Sampler von Queen und David Bowie – sowohl in den USA als auch in Großbritannien die Spitze der Charts erreichte. Vanilla Ice war es auch, der Wagner bei seiner CD „Mein Erbe“ unterstützt hat.

DeeEmZee ist zurück in der Rap-Szene. Und er ist gespannt auf die Reaktionen des Publikums, wenn „42“ im Oktober veröffentlicht wird.

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