Flüchtlingshilfe in Bornheim

Mit Liedern Deutsch lernen

Musikalischer Abschied: Mary Schirilla (hinten v.l.), Dominik Pinsdorf und Stefan Vaudlet besuchen die letzte Unterrichtsstunde von Dozentin Katharina Wingen (am Klavier) für Flüchtlingskinder in Merten.

Musikalischer Abschied: Mary Schirilla (hinten v.l.), Dominik Pinsdorf und Stefan Vaudlet besuchen die letzte Unterrichtsstunde von Dozentin Katharina Wingen (am Klavier) für Flüchtlingskinder in Merten.

Bornheim-Merten. Anderthalb Jahre lang finanzierte der Stadtjugendring eine Musikschulstunde für Flüchtlingskinder an der Mertener Grundschule. Jetzt läuft das Angebot aus.

Wenn Katharina Wingen die CD mit dem „Fliegerlied“ aus der Hülle nimmt, gibt es für Klaudia, Kristina, Miglena, Saria und Kristian kein Halten mehr: Kaum erklingen die ersten Takte des stimmungsvollen Bewegungsliedes, verwandeln sich die Kinder aus Syrien, Bulgarien und Rumänien in starke Tiger und riesengroße Giraffen. Gemeinsam mit ihrer Lehrerin fliegen, schwimmen und hüpfen sie durch den Raum und beweisen nicht nur Rhythmusgefühl und Textsicherheit, sondern auch pure Lebensfreude.

Nur zu gut erinnert sich die Gesangsdozentin der Bornheimer Musikschule an die ersten Stunden, die sie mit den Flüchtlingskindern im Alter zwischen acht und zehn Jahren an der Mertener Martinusschule verbrachte. Kaum ein Wort Deutsch sprachen die verschlossenen Mädchen und Jungen, und statt „Musik“ lag zunächst die Frage der Verständigung in der Luft. Doch nach und nach fassten die Kinder Vertrauen, und schon bald machten Wingens Unterrichtsstunden ihrem Titel „Musik liegt in der Luft“ alle Ehre.

Nach gut eineinhalb Jahren läuft das vom Bornheimer Stadtjugendring finanzierte Musikschulangebot nun aus, da die Gruppe durch Schul- oder Wohnortwechsel der Kinder immer kleiner wird. „Es ist wunderbar zu sehen, wie sich die Kinder entwickelt haben“, sind sich Wingen und die Leiterin der Musikschule, Mary Schirilla und der Vorsitzende des Stadtjugendrings, Dominik Pinsdorf einig. „Musik überwindet nicht nur sprachliche Barrieren“, ist Pinsdorf überzeugt.

Er ist froh, dass der Stadtjugendring die Angebote der Musikschule unterstützen konnte. Zunächst war der Stadtjugendring in der Erstaufnahmeunterkunft in der Turnhalle der Johann-Wallraf-Schule aktiv. Mit deren Auflösung verlagerte sich das Engagement an die Grundschule in Merten.

Jeden Tag trifft sich die Deutsch-Fördergruppe

Dankbar zeigte sich auch Schulleiter Stefan Vaudlet: „Die Musikstunde war eine tolle Ergänzung zu unserem Unterricht, die den Flüchtlingskindern viel Spaß bereitet und spielerisch viele Dinge vermittelt hat.“ Derzeit besuchen 14 Kinder aus Flüchtlingsfamilien die Mertener Martinusschule. Jeden Tag erhalten sie zwei bis drei Stunden Unterricht in einer Deutsch-Fördergruppe. Den Rest des Schultages verbringen sie mit ihren Mitschülern im Klassenverband. „Alles andere würde unserem Begriff von Integration widersprechen“ so Vaudlet.

Entstanden war das Engagement der Musikschule aus der Nachfrage von Flüchtlingsfamilien und Lehrern. Anstatt mal hier und mal dort zu unterstützen, machte die Musikschule Angebote an verschiedenen Schulen im Stadtgebiet, um möglichst viele Kinder zu erreichen. So können beispielsweise Schüler an der Bornheimer Johann-Wallraf-Grundschule als „Seiteneinsteiger“ erste musikalische Grunderfahrungen machen. Hier lieferte die Bornheimer Bürgerstiftung finanzielle Unterstützung.

Am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium (AVH) findet der Musikunterricht für vier Gruppen der internationalen Klassen der Schule statt. Unterstützt wird dieses Projekt durch die Bornheimer Bürgerstiftung, den Förderverein des (AVH) sowie die Stadt.

„Der Musikunterricht bietet den Flüchtlingskindern nicht nur einen Einblick in unser Kulturleben, sondern unterstützt effektiv das Lernen der deutschen Sprache und bereitet allen viel Freude und Entspannung“, erklärt Schirilla.