Ehrenamt in Hersel

Menschen mit Behinderung helfen Obdachlosen in Bonn

Helfen obdachlosen Menschen (von links): Daniela Schnellenbach, Heiko Derichsweiler und Klaus Doepner.

Helfen obdachlosen Menschen (von links): Daniela Schnellenbach, Heiko Derichsweiler und Klaus Doepner.

Bornheim-Hersel. Mitarbeiter der Bonner Werkstätten aus Hersel unterstützen ehrenamtlich Wohnungslose beim sogenannten Kältebus der Johanniter aus Sankt Augustin. Und zwar dann, wenn es draußen richtig kalt ist.

Daniela Schnellenbach, Heiko Derichsweiler, Hans-Peter Wagner und Christian Steineke sind hilfsbereit. Sie verteilen in den Wintermonaten warme Kleidung und warme Mahlzeiten an Obdachlose am Bonner Hauptbahnhof. Das Besondere: Die ehrenamtlichen Helfer sind Menschen mit einer Behinderung, die ihre Brötchen tagsüber im Elektrotechnik-Bereich der Bonner Werkstätten in Hersel verdienen.

Seit rund vier Jahren helfen sie zudem regelmäßig beim sogenannten Kältebus der Johanniter aus Sankt Augustin mit. Von Anfang Oktober bis Ende März stehen sie in klirrender Kälte, manchmal auch bei Schnee und Eis, gemeinsam mit Mitarbeitern der Johanniter vor der Unterführung zur Poppelsdorfer Allee am Bonner Hauptbahnhof. Sie geben Decken und Jacken aus, füllen heiße und kalte Getränke in Pappbecher und verteilen rund 70 Essen am Abend.

„Es ist schön, dass unsere Mitarbeiter ehrenamtliche und selbstständige Tätigkeiten übernehmen. Dabei hat jeder seine feste Aufgabe“, sagt Britta Holweg, zuständig für Vernetzung, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit im Werk 1 der Bonner Werkstätten an der Herseler Allerstraße.

Der Gruppenleiter als Vorbild

Von der Obdachlosenhilfe des Rettungsdienstes erfahren haben Schnellenbach (30), Derichsweiler (27), Wagner (52) und Steineke (31) durch ihren Gruppenleiter in der Elektromontage, Klaus Doepner (63), der in einem kalten Winter vor zehn Jahren gemeinsam mit seinen Töchtern Melanie Möchel und Sina Doepner zum ersten Mal privat den Obdachlosen in der Bonner Innenstadt geholfen hatte. „Es war zur Weihnachtszeit und es war kalt. Wir sahen frierende Menschen durch die Bonner Innenstadt laufen. Da haben wir spontan eigene Sachen wie Handtücher, Shampoo, Decken und einen Mantel zusammengesucht, fuhren zum Bonner Loch und haben drei Leuten dort die Sachen geschenkt. So fing es an“, erklärt der gelernte KFZ-Mechanikermeister.

Die Versorgung von wohnungslosen Menschen alleine zu stemmen wurde irgendwann zu viel. Seine Töchter – beide sind bei den Johannitern in Sankt Augustin aktiv – holten 2010 die Hilfsorganisation mit ins Boot, die seitdem die Federführung für die Obdachlosenhilfe innehat sowie Bus und Lagerraum für Sachspenden zur Verfügung stellt.

Von seinen Aktivitäten in der Obdachlosenhilfe erzählte Doepner seinen Mitarbeitern in Hersel, spontan boten einige ihre Unterstützung an. Die warmen Mahlzeiten kocht das Werk der Bonner Werkstätten in Beuel, die die Johanniter zu einem verbilligten Preis von 1,70 Euro pro Mahlzeit abnehmen. „Die Unterstützung wohnungsloser Menschen ist uns eine Herzensangelegenheit“, sagt Doepner: „Da sind Menschen mit und ohne Behinderung aktiv, um anderen Menschen zu helfen und das ohne Vorbehalt und ohne das vorher gebetet wird. Das ist inklusive Obdachlosenhilfe.“

Bewerbung um Inklusionspreis

Die ehrenamtliche Arbeit macht den Helfern großen Spaß. „Die Obdachlosen sind sehr freundlich und froh, dass wir da sind. Es ist ein furchtbares Leben, das sie führen, wenn sie unter der Brücke oder in Hauseingängen schlafen“, findet Derichsweiler. Schnellenbach ergänzt: „Nach der Arbeit noch mit dem Bus hinfahren, das macht mir nichts.“

Zum letzten Mal in diesem Winter wird der Kältebus an diesem Montag im Einsatz sein. Zum Abschluss werden die Ehrenamtlichen für jeden Besucher des Busses ein Osternest dabei haben. Die inklusive Obdachlosenhilfe ist das einzige Projekt der Bonner Werkstätten, bei dem sich Mitarbeiter ehrenamtlich engagieren. Daher haben sich die Herseler auch für den Inklusionspreis NRW in der Kategorie Partizipation, Förderung der selbstbestimmten Teilhabe von Menschen mit Behinderung an der gesellschaftlichen Umwelt beworben.