Vespa-Club aus Widdig

Knatternd durch die Straßen

Starke Truppe: Die Blechwespen Köln Bonn am Herseler Werth

Starke Truppe: Die Blechwespen Köln Bonn am Herseler Werth

Bornheim-Widdig. Die „Blechvespen Köln-Bonn“ aus Widdig starten mit dem „großen Anrollern“ am 21. Mai in die Saison. Zum ersten Treffen vor zwei Jahren kamen 17 Teilnehmer, mittlerweile gehören rund 50 Rollerfahrer zum harten Kern.

Wenn Peter Klinginger ganz leicht den Gashebel seiner Vespa zieht, knattert und zischt es laut. Verzückt lauscht Timur Güngör dem Klang des Rollers. Für ihn ist der Sound des italienischen Vorzeigezweirades etwas ganz Besonderes. Auch bei seinen beiden Vespas, einer PX 80 (1977) und einer PX 200 (1980), kann der Bonner Gastronom stundenlang dem Geräusch zuhören. Insgesamt besitzt der 47-Jährige vier Vespas, drei weitere stehen in seiner Garage und sollen restauriert werden.

Seit er mit 15 Jahren zum ersten Mal auf einer V 50 gesessen hat, liebt er den Roller von Piaggio. Für ihn wie für alle Vespa-Fans bedeutet die Fahrt mit dem Roller nicht nur ein Mittel zur Fortbewegung, sondern es spiegelt ein Lebensgefühl wider. Denn das Design jeder Vespa ist unterschiedlich und steht für die Individualität des Fahrers.

Seine Leidenschaft lebt Güngör in den 2015 gegründeten „Blechvespen Köln-Bonn“, einem Vespa-Club aus Widdig, aus. Die „Blechvespen Köln-Bonn“ organisieren im Jahr sechs bis sieben Ausfahrten. Start ist jeweils das „große Anrollern“ – in diesem Jahr am Sonntag, 21. Mai.

Da treffen sich alle Vespisti, die Lust haben, Punkt 10 Uhr in Godorf, um in einer Kolonne über Alfter, Beuel, Troisdorf, Spich Richtung Köln-Kalk mit einer Geschwindigkeit zwischen 50 und 60 Stundenkilometern gemächlich über die Landstraßen zu tuckern. Hier und da halten die Autofahrer an, machen von den teils historischen, teils modernen Gefährten Handyaufnahmen und warten, bis der Pulk an bunten Vespas vorbeigefahren ist.

„Mit der Vespa zu fahren, entschleunigt einfach“

„Wir erregen immer wieder mit unseren Rollern Aufsehen. Sie sind im Straßenbild eben nicht selbstverständlich“, sagt Alexander Berk, der „inoffizielle“ Präsident des Widdiger Clubs. Es war auch seine Initiative, die den Club vor knapp zwei Jahren ins Leben rief. „Ich hatte bei Ebay Kleinanzeigen geschrieben, dass ich Leute für eine Ausfahrt suche. Zum ersten Treffen kamen dann auch schon 17“, so Berk.

Seitdem ist die Anzahl der Mitglieder stets gewachsen. Mittlerweile gehören zum harten Kern rund 50 Rollerfahrer, von denen zehn Frauen sind. „Wir sind der aktivste Club in der Region, denn bei uns stehen die Ausfahrten im Vordergrund. Wir haben auch keine Hierarchie. Wer generell Vespa fährt, egal ob historisch oder modern, kann bei uns mitmachen. Das macht uns attraktiv auch für Leute aus anderen Städten der Region. Sogar aus Bochum und Dortmund kommen welche“, sagt Berk. Er selbst fährt eine PX 125, die 1978 im italienischen Piaggio-Werk bei Genua gebaut wurde.

Die Vespisti unterscheiden eigentlich nicht zwischen historischen und modernen Modellen, sondern zwischen Blech- und Plastikvespas, wobei die Blechvariante von den 50ern bis zum Jahr 2000 gebaut wurde. Die verschiedenen Fahrzeugmodelle bieten für jeden Geschmack etwas. So gibt es nicht nur Zweiräder mit einer kleinen Karosserie (small frame), sondern auch welche mit einem breiten Sitz und breitem Beinschild (PX 80).

„Mit der Vespa zu fahren, entschleunigt einfach. Durch die langsame Geschwindigkeit bekomme ich viel mehr von der Landschaft und ihrem Geruch mit“, erklärt Club-Mitglied Klinginger (55), der sich immer wieder begeistert auf einer seiner drei Vespas – V 50 Spezial (1977), PX 135 (1996) und die indische Vespa Sprint (1972) – zu einer Spritztour aufbricht. Geht mal ein Bremszug oder sonst etwas kaputt, sind Ersatzteile kein Problem. „Aber auch da kommt es darauf an, ob sie aus Indien, von den Philippinen oder aus Italien kommen. Da gibt es Unterschiede in der Qualität“, betont Güngör.

Von den gemeinsamen Ausfahrten gibt es immer viel zu erzählen. So passierte es im vergangenen Jahr, dass ein Mitfahrer beim Tanken nicht aufgepasst hat und statt sieben gleich 15 Liter tankte. „Der Rest war ins Helmfach gelaufen“, sagt Klinginger und lacht.

Bei den Touren stets dabei sind auch Franz Berekoven (49), Christopher Bauerbach (31) und als Jüngster Frederik Brunkwall (28). Für den Maschinenbau-Studenten Bauerbach hat das Vespa-Fahren durch und durch Vorteile. „Ich brauche vor der Uni keinen Parkplatz zu suchen. Und die Technik ist einfach zu verstehen und robust.“ Für Vespisti on Tour ist jeder Tag mit dem Roller anders. „An einem Tag läuft er schnell, am anderen langsamer, mal funktioniert der Blinker, mal nicht“, meint Brunkwall. Solche Unbill nehmen die Vespa-Fans gerne in Kauf. „Die Vespas sind eben Diven und Zicken.“

Die erste große Ausfahrt des Widdiger Vespa-Clubs „Blechvespen Köln-Bonn“ ist am Sonntag, 21. Mai. Die Vespisti treffen sich um 10 Uhr an der Shell-Tankstelle in Godorf, Godorfer Straße. Um 12.30 Uhr kann, wer möchte, seinen Roller an der Sankt Germanus Kirche in Wesseling segnen lassen. Kosten: fünf Euro. Der Erlös fließt an den Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche Bonn. Weiteres: www.blechvespen.de.