Kirche in Bornheim

Kapelle in Merten steht vor Wiedereröffnung

Bornheim-Merten. Nach drei Monaten Bauzeit ist die Einweihung des Gotteshauses an Fronleichnam zum Dorffest geplant. Die Kosten belaufen sich auf 120.000 Euro.

Die Renovierungsarbeiten in der Kapelle des ehemaligen Klosters in Merten laufen auf Hochtouren. Denn an Fronleichnam wird das Gotteshaus auf dem Areal der Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) um 10 Uhr mit einem Wortgottesdienst feierlich wiedereröffnet.

Mit der Sanierung finden die vierjährigen Umbaumaßnahmen auf dem Areal des ehemaligen Klosters ihren Abschluss. Es entstanden das St. Elisabeth Seniorenzentrum, die Senioren Wohngemeinschaft, das Mutter-Kind-Haus Aline, die Gruppe Jonas, das Kultür und die Kita.

Die Kosten von 120 000 Euro haben sich im Verhältnis von 70 zu 30 Prozent das Erzbistum Köln und die GFO geteilt. Die Wände wurden in Grau, die Decke in Blau-Weiß gestrichen, der Altarraum mit einem Marmorboden, der restliche Raum mit Eichenparkett ausgelegt und kürzlich noch geölt.

Kreuz, Tabernakel und eine Marienfigur, die aus einer stillgelegten Kapelle in Lohmar stammen, werden am Donnerstag zum ersten Mal zu sehen sein. „Für uns kam eine Entweihung von Anfang an nicht infrage. Denn die Kapelle ist Teil des Geländes und Teil der Tradition. Allerdings soll sie künftig nicht nur ein Ort für liturgische Zwecke wie Taufen, Wortgottesdienste und Messen sein, sondern wir stellen uns die Kapelle auch als Begegnungsraum für alle Menschen in Merten vor“, erklärte Judith Bielz als stellvertretende Einrichtungsleiterin des Seniorenzentrums.

Die Eröffnung der Kapelle findet zum Mertener Dorffest statt, das in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem GFO-Gelände über die Bühne geht. Nach der Messe in der Pfarrkirche St. Martin um 9 Uhr wird sich die Fronleichnamsprozession des Seelsorgebereichs Bornheim-Vorgebirge zum Klostergarten in Bewegung setzen. Die Gläubigen erhalten vor der Klosterkapelle um 11 Uhr ihren Segen, gegen 11.30 Uhr beginnt dann das Festprogramm unter dem Motto „Meine Welt, Deine Welt, eine Welt“ mit Musik-, Tanz- und Theateraufführungen.

Gottesraum soll Menschen zusammenbringen

Ganz zu Hause auf dem Gelände des Klostergartens fühlt sich Laurenz Peters. Dabei unterhält der 80-Jährige die Bewohner nicht nur regelmäßig mit Akkordeonmusik, sondern kennt das Areal seit seiner Kindheit. Schon als kleiner Junge in den 40er Jahren ging Peters bei den Schwestern des Franziskaner-Ordens ein und aus. Seine Eltern versorgten das Kloster mit Heu für die Schweine und die einzige Kuh und nahmen die medizinische Versorgung der Nonnen in Anspruch. „Wenn man verletzt war, ging man immer ins Kloster. Denn man war nicht in der Krankenkasse, der Besuch eines Arztes kam daher nicht infrage“, erinnert sich der Rentner. Und natürlich war Peters nach dem Empfang der ersten heiligen Kommunion einer der sieben Messdiener in der alten Kapelle. Jeden Morgen um sieben Uhr hatte einer von ihnen Dienst bei der Morgenmesse.

„Neben der Kapelle gab es ein Kabüffchen. Da mussten wir vorher immer unsere Straßenschuhe gegen Pantöffelchen eintauschen, um im Altarraum keinen Dreck zu machen“, berichtet der Ur-Mertener. Häufig habe er beobachtet, dass nicht alle der 25 Schwestern sich miteinander gut verstanden. „Da gab es schon mal den einen oder anderen spontanen Bankwechsel, wenn die Nachbarin einem nicht gefiel“, schmunzelte Peters.

Bänke wird es in der Kapelle in Zukunft nicht mehr geben, nur Stühle. „Der Gottesraum soll Menschen auch die Möglichkeit der Zusammenkunft bieten. So könnte ich mir vorstellen, dass dort Musik gespielt, gemeinsam gesungen oder Kunst ausgestellt wird. Was dort angeboten wird, wollen wir allerdings nicht vorgeben. In den Dorfversammlungen wurden schon Vorschläge für spirituelle Veranstaltungen gemacht. Man wird allerdings sehen. Kirche wird heute anders gedacht als früher. Dem müssen wir uns stellen“, machte Bielz deutlich.

„Meine Welt, Deine Welt, eine Welt“

Für Peters, der in einem traditionellen Kirchenverständnis aufgewachsen ist, ist die Vorstellung einer veränderten Kirchennutzung schwer nachzuvollziehen. Insgesamt findet er aber die baulichen Veränderungen und die damit einhergehenden Möglichkeiten im neuen Quartier Merten ausgesprochen gut. „Wir Mertener hätten nie gedacht, dass so etwas hier oben entstehen könnte“.

Das Dorffest in Merten unter dem Motto „Meine Welt, Deine Welt, eine Welt“ findet am Donnerstag, 20. Juni, 11.30 bis 17 Uhr auf dem Gelände des Klostergartens statt. Den Auftakt gestaltet die Laientheatergruppe „Royales Müllorchester“ unter der Federführung der Schauspielerin Cécile Kott. Außerdem lädt der Chor „Esperanza“ zu einem Mitsingkonzert ein. Mitmachen können die Kinder an den Festtagen auch bei einer Weltenbummler-Rallye.