Naturschutzgebiete und gefährdete Tierarten in Bornheim

Kanadagans und Wechselkröte in Bornheim

Bornheim. Bornheim hat 22 Naturschutzgebiete und zwei Gebiete im Projekt „Natura 2000“, die zu einem zusammenhängenden Netz von Schutzgebieten innerhalb der EU gehören. Alles zusammen ist es ein Refugium gefährdeter Tierarten, sagt Michael Pacyna.

Pacyna ist Vorsitzender des Landschafts-Schutzvereins Vorgebirge (LSV), der auf Einladung des Heimat- und Eifelvereins Bornheim und der Heimatfreunde Roisdorf im Roisdorfer Gasthaus „Zur gemütlichen Ecke“ referierte. Anhand von Fotos gab er Einblicke in die Artenvielfalt der Bornheimer Schutzgebiete.

Die meisten befinden sich an der Ville und am Osthang der Ville, weniger gebe es in der Rheinebene, erläuterte Pacyna. Das größte Naturschutzgebiet seien die Villewälder mit 351 Hektar auf Bornheimer Gebiet. „Es ist gekennzeichnet durch eine bunte Mischung unterschiedlicher Waldgesellschaften“, so der studierte Biologe und promovierte Geograf. Dazu kommen Waldtümpel und „temporäre Kleingewässer“, die austrocknen. „Das können zum Beispiel auch Wagenspuren sein“, sagte Pacyna. Sie seien besonders wichtig für Amphibien: Dort sei ihr Laich nicht durch Fische gefährdet.

Das Herseler Werth ist ebenso ein Naturschutzgebiet und die letzte nicht freizugängliche Rheininsel in NRW. „In den 70er Jahren war der Rhein ein totes Gewässer. Er hat sich aber sehr stark erholt und ist heute von der Wasserqualität fast wieder auf dem Stand der 50er Jahre“, sagte Pacyna.

In der Sieg gelang dem Experten zufolge die Auswilderung von Lachsen, die im gesamten Rheinsystem ausgestorben waren und nun auch am Herseler Werth wieder zu finden sind. Ebenfalls neu angesiedelt sei der gefährdete Maifisch.

Aber nicht nur Fische, sondern auch Vogelarten sind dort artenreich vertreten: der Schwarze Milan, der Pirol, die Nachtigall, der Flussuferläufer als „Durchzugsgast“, der Eisvogel, die Krickente, der Gänsesäger und die Kanadagans. Der Herseler See ist „das einzige etwas größere Naturschutzgebiet im Gebiet der Niederterrasse“, führte Pacyna weiter aus. Die frühere Kiesgrube sei Ersatzlebensraum für gefährdete Tierarten geworden, deren ursprünglicher Lebensraum nicht mehr bestehe. Der Flussregenpfeifer ist dort nachgewiesen, außerdem gefährdete Krötenarten wie Kreuz- und Wechselkröte.

Ein bedeutendes Ersatzbiotop sei laut Pacyna auch die Quarzsandgrube in Brenig, die sich durch vielfältige Lebensräume auszeichne. So fänden sich dort offene Quarzsandflächen, aber auch Teiche, Tonteiche, Grünland und Waldgebiet. Turteltauben und Sperber brüten in dem Naturschutzgebiet, vermutlich auch der Habicht. Es gibt Reptilien wie Blindschleichen und Eidechsen, aber auch Amphibien. „Meines Wissens haben wir hier das größte Springfroschvorkommen in ganz Nordrhein-Westfalen“, erläuterte der Referent. Gefährdete Tierarten zu erhalten, sei ein wichtiges Thema, sagte Pacyna, insbesondere, weil immer mehr Freiflächen in Bornheim verloren gingen.