Ferienjobs im Vorgebirge

Jobben statt sechs Wochen Sommerferien

BORNHEIM. Die Bornheimer Schülerinnen Selina Ahrens und Meike Erz arbeiten als Rettungsschwimmerin und Jugendbetreuerin - mit unterschiedlicher Motivation. Die eine will dadurch Geld zur Seite legen, die andere „etwas zurückgeben".

Ohne Wasser geht es nicht. Zumindest nicht für Selina Ahrens (18) aus Widdig. Die Schülerin der Europaschule hat sich sogar ihren Ferienjob danach ausgesucht. Während der Sommerferien arbeitet sie als Rettungsschwimmerin im Bornheimer Hallen- und Freibad. „Meine Mutter fand, dass ich etwas Geld verdienen solle, um den Sprit für mein Auto zu zahlen.“ Mit ihrer Zwillingsschwester teilt sie sich den Wagen, mit dem die beiden nur etwa zehn Minuten zur Schule brauchen statt 45 Minuten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Bereits 2017 wurde Ahrens, die nächstes Jahr ihr Abitur macht, von Mitarbeitern des Schwimmbades angesprochen, als Rettungsschwimmerin das Team zu unterstützen. „Allerdings war ich zu dem Zeitpunkt noch nicht 18, und es ist Bedingung, dass man volljährig ist.“ Des Weiteren muss sie den Rettungsschwimmerkursus absolviert haben. Für die junge Frau kein Problem. Schließlich ist sie seit Jahren Mitglied bei der Jugendrotkreuz-Gruppe (JRK) des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und trainiert jeden Montag ehrenamtlich Sechs- bis 17-Jährige im Schwimmen. Sie selbst schwimmt natürlich auch und nimmt einmal im Jahr an Wettkämpfen teil.

Wer wann welche Schicht übernehmen kann, das erfragt ihr Chef und Betriebsleiter des Bades, Lars Kaiser, per SMS. Während der Früh- und Spätschicht müssen die Bademeister, Rettungsschwimmer und Aushilfen vor und nach Badebetrieb die Duschen, die Barfußgänge sowie die Saunen säubern. Die Schicht von Selina Ahrens dauert inklusive Pause acht Stunden. Pro Stunde bekommt sie 11,52 Euro. „Ich arbeite auch gerne an Sonn- und Feiertagen, weil es dann Zuschläge gibt“, sagt sie. Sechs Wochen am Stück, also während der gesamten Sommerfeien, kann sie allerdings nicht jobben. Der Grund: Sie würde als nicht Festangestellte mehr als 450 Euro verdienen. „Dennoch werde ich so oft arbeiten, wie es geht.“

Freunde und Bekannte wissen von ihrem Ferienjob. Nacheiferer gibt es allerdings nicht. „Ich denke, dass das Rettungsschwimmerabzeichen, das alle zwei Jahre erneuert werden muss, für einige ein Hinderungsgrund ist“, mutmaßt Ahrens und erzählt, dass sie von einigen Europaschülern aus der Unterstufe schon im Schwimmbad erkannt und angesprochen wurde. Ihre Zwillingsschwester will künftig auch als Rettungsschwimmerin jobben und wird aktuell eingearbeitet.

11,52 Euro beträgt der Stundenlohnim Bornheimer Schwimmbad

Als Aushilfe, die die Fachangestellten im Bad unterstützt, muss Ahrens während ihrer Schicht vor allem sehr wachsam sein und sich viel am Beckenrand bewegen. Schließlich könnte beispielsweise ein Badegast bewusstlos im Wasser liegen, gerettet und möglicherweise wiederbelebt werden. Auch Verbote spricht sie aus, darunter sind Sätze wie „Bitte nicht vom Beckenrand springen!“ oder „Einzeln und nacheinander rutschen!“

„Es ist wichtig, dass sich die Badegäste an die Regeln halten. Dazu gehört, dass im Hallenbad nicht geraucht, nicht gegessen und getrunken werden darf.“ Und: „Manchmal erkläre ich auch Kindern, die im Wasser spielen und plötzlich 'Hilfe' rufen, aber nicht in Gefahr sind, dass man nur im Notfall nach Hilfe ruft.“ Zusätzlich versorgt sie Schürfwunden und ist Ansprechpartnerin für Besucher, die sich belästigt fühlen. Uneinsichtige werden letztlich geben, das Schwimmbad zu verlassen. „Das musste ich bisher noch nicht machen.“

Kleidung wie T-Shirts mit Logo und Shorts werden den Mitarbeitern gestellt. Ebenso Handtücher und Handschuhe, wenn sie für Badegäste Aufgüsse in der Saune machen. „Natürlich könnte ich auch dort in T-Shirt und Shorts arbeiten, aber es ist einfach zu warm. Daher trage ich einen Bikini und darüber das Handtuch.“ Die Schicht in der Sauna gehört nicht zu Ahrens' bevorzugten Aufgaben, lieber hat sie im Sommer die Aufsicht im Freibad. Anstrengend werde es, wenn Becken und Wiesen „proppenvoll“ seien. Dann ist für die 18-Jährige höchste Konzentration angesagt. Was sie nach dem Abitur machen will, ist noch nicht klar. „Vielleicht ein Freiwilliges Soziales Jahr in Europa oder sechs Wochen Freiwilligenarbeit in Übersee. Weil man dafür Kost und Logis selbst zahlen muss, müsste ich dafür Geld zur Seite legen.“ Im Anschluss kann sich Ahrens ein Duales Studium im kreativen Bereich vorstellen, vielleicht sogar Architektur.

Wenn Meike Erz älter ist und die Schule beendet hat, kann sich die Waldorferin vorstellen, Lehrerin für weiterführende Schulen zu werden. „Auf jeden Fall will ich später etwas mit Kindern und Jugendlichen machen“, sagt die 16-Jährige, die nach den Sommerferien in die zehnte Klasse des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums in Bornheim kommt.

Die Jungen und Mädchen sollen abwechslungsreiche Zeit haben

Aktuell betreut sie Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis zwölf Jahre bei einer Ferienaktion in Hemmerich. Das macht sie bereits seit zweieinhalb Jahren regelmäßig. Veranstalter ist die Evangelische Kirchengemeinde Vorgebirge. „Wir kochen, basteln, grillen, machen eine Schnitzeljagd und fahren ins Bubenheimer Spieleland“, zählt Erz auf, die mit zwei weiteren Teamern, so heißen die Betreuer, den Jungen und Mädchen eine schöne, lustige und vor allem abwechslungsreiche Zeit bieten will. Insgesamt betreuen sie in zwei Gruppen an die zehn Kinder.

Als Kind hat Erz selbst an den Aktionen, die auch in den Oster- und Herbstferien stattfinden, teilgenommen. „Mir hat das immer sehr gut gefallen. Ich habe keine Geschwister und fand es deshalb toll, dass ich etwas in den Schulferien machen konnte und dass ich betreut wurde.“ Aus diesem Grund wollte sie auch als Teamerin für die Ferienaktion arbeiten, um etwas „zurückzugeben“.

Eigentlich beginnen die Aktionen um 9 Uhr, doch die Jungen und Mädchen können im Vorfeld noch mit den Teamern frühstücken und gut gelaunt in den Tag starten. Gegen 16 Uhr ist dann Schluss, allerdings nicht für Erz. Sie muss mit ihren Kollegen noch aufräumen.

Für die vier Tage erhält die Gymnasiastin 100 Euro, 25 Euro am Tag. Konkrete Vorstellungen, was sie mit dem Verdienst machen will, hat Erz zurzeit noch nicht. „Vielleicht lege ich es zur Seite, weil ich auf ein Motorrad spare, oder ich gehe mal shoppen. Aber das Geld war nicht die Motivation, als Teamerin zu arbeiten“, betont die Jugendliche.

Ohne Aufsicht eines Erwachsenen geht es auch bei dieser Ferienfreizeit nicht. Ansprechpartner ist ein Sozialarbeiter, der die Verantwortung hat. Von Einmischung könne laut Erz aber keine Rede sein. Bevor die Teamerin bei der Ferienaktion teilnehmen konnte, musste sie mit anderen Anwärtern zu einer Wochenendschulung in die Walberberger Jugendakademie. „Dort haben wir den richtigen Umgang mit Kindern und Jugendlichen gelernt, mehr zu rechtlichen Aspekten erfahren und einen Erste-Hilfe-Kursus absolviert“, erzählt Erz. Zum Schluss erhielt sie ein Zertifikat, mit dem sie als Teamerin arbeiten darf.