Neu im Landtag

Jörn Freynick: Wie am ersten Schultag

Auf den Stufen zum Plenarsaal: Jörn Freynick im Düsseldorfer Landtag.

Auf den Stufen zum Plenarsaal: Jörn Freynick im Düsseldorfer Landtag.

Rhein-Sieg-Kreis/Düsseldorf. Nach der Sommerpause geht es richtig los: Der Bornheimer FDP-Politiker Jörn Freynick ist neu im Düsseldorfer Landtag. Dort vertritt der 34-Jährige zusammen mit dem Alfterer CDU-Mann Oliver Krauß den Wahlkreis Rhein-Sieg-Kreis III (Alfter, Bornheim, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal und Wachtberg).

Ein Foto im Büro? Lieber nicht, meint Jörn Freynick. Nicht, dass er etwas verbergen will. Aber sein Büro im Düsseldorfer Landtag ist eben noch nicht vollständig eingerichtet. Nach wie vor muss das eine oder andere ausgepackt werden, und auch die Kunstwerke aus der Hand seines Schwiegervaters haben bisher keinen Platz an der Wand gefunden.

Das hat auch damit zu tun, dass der 34-jährige FDP-Politiker in seinen ersten Wochen im Landtag bereits umgezogen ist. Von einem Büro mit Blick auf den Innenhof wechselte der Bornheimer in Arbeitsräume mit Rheinblick.

Über die Liste der FDP zog Freynick bei der Wahl im Mai in den Landtag ein. Zusammen mit dem Alfterer CDU-Mann Oliver Krauß, der das Direktmandat gewann, vertritt Freynick nun die Belange des Wahlkreises Rhein-Sieg-Kreis III (Alfter, Bornheim, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal und Wachtberg) in Düsseldorf.

Listenplatz Nummer 21 reichte dafür aus. Insgesamt zogen 28 FDP-Politiker in den Landtag ein. Sicher: Der Listenplatz 21 sei „ambitioniert, aber mit Chancen“ gewesen, sagt Freynick im Gespräch mit dem General-Anzeiger in der kleinen Kaffeebar in der Empfangshalle des Landtags. Zum Vergleich: Bei den Wahlen 2012 zogen 22 FDP-Politiker in den Landtag ein, im Jahr 2010 waren es nur 13.

Hat der gelernte Mediengestalter und selbstständige Vertriebsmanager beziehungsweise Businesstrainer Freynick also nur dank der Popularität des FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner einen Platz im Landesplenum ergattert? „Das gute Ergebnis hängt zu einem Löwenanteil mit Christian Lindner zusammen“, sagt Freynick. Dass Lindner nach der Bundestagswahl – sollte die FDP den Wiedereinzug in den Bundestag schaffen – nach Berlin gehen wolle, tue ihm aus Sicht eines Landtagsabgeordneten schon ein wenig leid, so Freynick weiter: „Aber wir brauchen Lindner im Bundestag.“

Freynick wird hingegen nun von der FDP im Landtag gebraucht. Er ist Mitglied im Ausschuss für Familie, Kinder und Jugend, im Ausschuss für Digitalisierung und Innovation sowie im Ausschuss für Wirtschaft, Energie und Landesplanung. Zudem fungiert er als Sprecher der Fraktion für Landesplanung. Im Poker um die Posten habe er Wünsche geäußert, „die auch weitgehend berücksichtigt“ worden seien. Der Bereich Landesplanung sei ihm schon wichtig gewesen, erläutert Freynick mit Blick auf seine Tätigkeiten im Bornheimer Stadtrat sowie im Regionalrat der Bezirksregierung Köln.

In Sachen Landesplanung wolle die neue Landesregierung „etwas bewegen“, so Freynick. Der gültige Landesentwicklungsplan beschränke das Wirtschaftswachstum, da dieser sehr restriktiv sei, was die Ausweisung von Gewerbe- und Wohngebieten betreffe. Selbstredend müsse die Ökologie in diesem Prozess mit abgewogen werden.

Jetzt gilt es, ein Netzwerk aufzubauen

Es gelte aber, den Bedarf für Gewerbe- und Wohnflächen in die Regionen des Landes zu verlagern, wo er gebraucht werde. Für den Bereich Digitales nennt Freynick wiederum die Stichworte Breitbandversorgung und E-Government, also die elektronische Kommunikation zwischen Bürgern und Behörden, als Beispiele für Handlungsfelder.

Vor der politischen Gestaltung steht für den Landtagsneuling die Einfindungsphase an. Freynick will ein Netzwerk aufbauen, sein Düsseldorfer Büro organisieren und womöglich noch ein Wahlkreisbüro aufbauen. Praktische Probleme der ersten Tage hat der Bornheimer hingegen überwunden. Mit einem Lächeln im Gesicht berichtet er, dass er aufgrund der besonderen Architektur des Landtags einmal gar sein Auto in der Tiefgarage zunächst nicht wiedergefunden habe. Auch sei er mit drei Kollegen einen Raum suchend durch die Gänge geirrt. „Wir kamen uns vor wie am ersten Schultag“, scherzt Freynick.

Mittlerweile geht er zielsicher durch den Landtag. Von der Kaffeebar im Foyer führen diverse Stufen hoch zum Plenarsaal. Freynick möchte zeigen, wo sein Platz ist. Die FDP sitzt vom Präsidium aus gesehen rechts – zwischen AfD und CDU. Freynicks Platz befindet sich in der dritten Reihe von hinten oder in der vierten von vorne – je nach Sichtweise. Ob er in diesem Jahr noch im Plenum reden wird, steht noch nicht fest. Vom Plenarsaal geht es mittels Aufzug und durch verschiedene Gänge in Freynicks Büro, das er sich mit seinem Mitarbeiter Willem Fromm teilt.

In der Tat sieht hier einiges danach aus, dass Freynick noch dabei ist, anzukommen. Der Blick auf den Rhein ist aber in der Tat schön. Freynick genießt die Aussicht auf den Fluss; genauso – das merkt man ihm an – wie die Tatsache, dass er nun Landtagsabgeordneter ist. Er will etwas erreichen.

Nach der Sommerpause wird das Amt endgültig ein Vollzeitjob werden. Dabei sollen aber auch – das betont Freynick – die Familie und die Arbeit in der Bornheimer Kommunalpolitik nicht zu kurz kommen. Das wird wohl nicht selten ein Spagat werden.

Doch Freynick strahlt das Selbstbewusstsein aus, dafür ausreichend gelenkig zu sein.