Unterwegs in Hemmerich

Hier geht es ruhig und gemütlich zu

BORNHEIM-HEMMERICH. Wenn irgendwo im Vorgebirge das Wort Dorf in seiner absoluten Bedeutung greifbar ist, dann in Hemmerich. Wenn jemand noch nie ein Dorf gesehen hat, sollte er sich auf den Heerweg begeben und mit dem frisch gewählten Ortsvorsteher Günter Hessling eine Runde durch das 1400-Einwohner-Nest drehen.

Der Hemmericher Teil des Heerwegs, an dem Hessling wohnt, wurde vor zehn Jahren saniert und wirkt mit seinen neueren Einfamilienhäusern einerseits schon fast modern. Doch auf Hesslings Seite, dem Dorf zugewandt, wurden andererseits viele Häuser um die Jahrhundertwende gebaut - und sind damit trotzdem noch lange nicht die ältesten im Ort.

Einige von diesen ältesten Häusern stehen in der Pützgasse nahe der Kreuzung mit dem Heerweg, unweit des einzigen Lädchens, das Hemmerich geblieben ist - Tante Emma lässt grüßen. Überhaupt die Pützgasse: Sie ist der Kern des Ortes, an ihr reiht sich altes Fachwerk an alten Bauernhof an liebevoll Renoviertes aller Art. "Im Großen und Ganzen hat sich hier aber nicht viel verändert", sagt Hessling, der seit 30 Jahren in Hemmerich wohnt.

In der Pützgasse zeigt der Ort sein Wesen: Gemütlich und fast aus der Zeit gefallen gibt er sich. Nur die Kita wirkt da, untergebracht in einem Wohnhaus, etwas fehl am Platz. Sie muss aber wohl umziehen, da der Besitzer Eigenbedarf angemeldet hat, wie Hessling weiß.

Er geht weiter zur Kreuzung mit der Strombergstraße, die früher Runkelsgasse hieß. Dort, gegenüber vom alten Kloster, steht eine alte Wasserpumpe. Früher haben hier Pferdekutschen und die Menschen aus Hemmerich ihr Wasser geholt. Heute ist sie ein schön hergerichtetes Relikt vergangener Zeiten. Prächtig in dieses Bild passt sich auch der staubige Dorfplatz mit der alten Schule im Hintergrund ein. Dort wurden bereits Filmaufnahmen der Serie "Mord mit Aussicht" gemacht. Im Normalfall ist hier die Feuerwehrlehrstube, unten hat sich eine Freizeitgruppe eingerichtet.

Dreht man sich um, ist der dörfliche Charakter prompt verschwunden. Die Burg Hemmerich, obwohl im Grunde nur noch eine Ruine, ist ein Anblick, der in früheren Zeiten sicherlich für einiges an Ehrfurcht gesorgt hat. Kein Wunder, dass im seitlich gelegenen und schön renovierten Hof Ende Juni die 850-Jahr-Feier abgehalten wird. Der Garten der Burg verbreitet hingegen einen morbiden Charme. Vor der Mauer stehen drei große Kriegsdenkmäler, innerhalb der Mauer stand mal eine Kirche, von der aber nur noch eine kleine Kapelle übrig geblieben ist.

Gegenüber der Burg liegt die Kneipe "Zur Eiche". Im 19.Jahrhundert eröffnet, wurde sie vor einigen Jahren dicht gemacht. Dort hat auch Günter Hessling gerne sein Bier getrunken. So wie einst Burgherr Hunold Rudolph Franz Freiherr von Nordeck zu Nordeck, der auf seinem Stammplatz links am Tresen bestand, wenn er freitags in die "Eiche" ging. Bis der Baron 2004 verstarb. Das Familiengrab ist das größte auf dem Hemmericher Friedhof. Es ist gleich neben der Aussegnungshalle, deren Areal dem Freiherren gehört hatte, ehe er es seinem Geburtsort spendete.

Hessling führt weiter durch das Dorf: "Wer hier viel zu Fuß unterwegs ist, bleibt auf jeden Fall fit", sagt er. Wer die 1,4 Kilometer von Kardorf nach Hemmerich läuft, muss eine durchschnittliche Steigung von zwölf Prozent bezwingen. Besonders für ältere Menschen nicht gerade ein Klacks. Und Senioren gibt es viele in Hemmerich. Trifft Hessling sie auf der Straße, haben sie alle eine nette Anekdote zu erzählen. Von den alten Fachwerkhäusern, die teilweise noch ihre ursprünglichen Hausnummern haben, aus der Zeit, in der die Häuser einfach durchnummeriert wurden. Oder von dem Gebiet unterhalb des Friedhofs, das früher für den Weinbau genutzt wurde.

Von ganz anderen Dingen würden wahrscheinlich die Menschen im Neubaugebiet erzählen. Das wurde vor zehn Jahren erschlossen. "Und jetzt wird auch die Straße ausgebaut", sagt Hessling. Eilig, das lässt sich sagen, hat es in Hemmerich niemand.

Mein Lieblingsplatz...
"... ist eine Bank am Rande von Hemmerich in der Steiligstraße. Von dort aus hat man einen tollen Blick über das Vorgebirge und meine alte Heimat Wesseling."

Ortsvorsteher Günter Hessling