Bornheim

Grundschule und Ratstrakt weisen erhöhte PCB-Werte auf

BORNHEIM. Grundsätzlich ist die Verunreinigung eines Gebäudes mit Polychlorierten Biphenylen (PBC) nichts, worüber man sich freuen kann. In hoher Konzentration können die Chlorverbindungen, die bis in die 80er Jahre in einer Reihe von Baustoffen eingesetzt wurden, Gesundheitsschäden hervorrufen.

Dennoch hat die Tatsache, dass mehrere Räume eine erhöhte PCB-Belastung aufweisen, für die Waldorfer Nikolaus-Schule auch einen positiven Aspekt. Aufgrund der bei Raumluftuntersuchungen im August und Oktober vergangenen Jahres festgestellten Werte hatte sich die Stadtverwaltung entschlossen, die schon länger geplante Sanierung der Schule mit höchster Priorität voranzutreiben.

Die Hauptsanierungsarbeiten, die auch die energetische Sanierung und die Betonsanierung umfassen, sollen ab März über mehrere Monate erfolgen. Ein Zeitplan für die Umsetzung werde derzeit erstellt und mit der Schule abgestimmt, so die Stadt. Eine endgültige Kostenaufstellung liege noch nicht vor, insgesamt sei aber mit einer Summe in Millionenhöhe zu rechnen. Das Konzept zur Sanierung erarbeitet ein Sachverständigenbüro aus Köln.

Gemäß der "Richtlinie für die Bewertung und Sanierung PCB-belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden" (PCB-Richtlinie NRW) in der Fassung von Juni 1996 ist bei Raumluftkonzentrationen zwischen 300 und 3000 Nanogramm (ng) PCB pro Kubikmeter Luft die Quelle der Verunreinigung aufzuspüren und mittelfristig zu beseitigen.

Zwischenzeitlich ist durch regelmäßiges Lüften sowie gründliche Reinigung und Entstaubung der Räume eine Verminderung der PCB-Konzentration anzustreben. Der Zielwert liegt bei weniger als 300 ng PCB/m³ Luft (Sanierungsleitwert). In sieben Räumen der Nikolaus-Schule konnten Werte mit mehr als 300 ng/m³ nachgewiesen werden.

Die Ergebnisse lagen allerdings deutlich unter dem Gefahrenwert von 3000 ng/m³, bei dem Sofortmaßnahmen einzuleiten sind. Alle anderen bisher untersuchten Gebäude, die Kindertagesstätten in der Sandstraße in Waldorf, in der Brachstraße in Sechtem und in der Römerstraße in Widdig sowie die Bornheimer Europaschule und die Jugendräume in Hemmerich, wiesen keine erhöhten PCB-Werte auf.

Dagegen überschreitet das Nebengebäude des Bornheimer Rathauses die Grenzwerte für die Belastung mit PCB deutlich. Dies war bei der Sanierung des jetzt weinroten Haupthauses aufgefallen. Der Rathaustrakt, in dem sich der Ratssaal, Büros und verschiedene Fraktionsräume befinden, wies bei Messungen im Dezember 2011 und im März 2012 Werte von 530 bis 1200 ng/m³ auf. Vor allem im Dichtungsmaterial, im Holzfußboden des Ratssaals, in den Fugen des großen Glasfensters und in den Heizkörperverblendungen war PCB zu finden.

Die aufwendige Sanierung des Ratstraktes soll Anfang Juni beginnen. Dabei sollen alle PBC belasteten Bauteile entfernt werden. Gleichzeitig wird eine energetische Optimierung erfolgen. Die vorläufige Kostenschätzung beläuft sich auf 1,7 Millionen Euro.

Nach Aussage der Stadt sollen im Laufe des Jahres weitere Untersuchungen folgen: Für alle städtischen Gebäude, vorrangig Schulen und Kitas, die vor 1975 gebaut wurden, stehen Raumluftüberprüfungen an. Eine Eingrenzung des Prüfungszeitraumes sei allerdings erst nach Abschluss der aktuell laufenden Planungen möglich.

PCB als Gebäudeschadstoff

Bevor die Gefahren für Gesundheit und Umwelt durch PCB in vollem Umfang erfasst waren, wurden die Chlorverbindungen wegen ihrer nützlichen Eigenschaften vielfältig verwendet. Vor allem in den 60er und 70er Jahren kamen so eine Reihe von Baustoffen zum Einsatz, welche die Innenraumluft mit gesundheitsschädlichen Mengen an PCB belasten können.

PCB ist vor allem dann gefährlich, wenn man ihm über einen längeren Zeitraum ausgesetzt ist. Es steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Neben PCB-haltigen Leuchtenkondensatoren, die in den 90er Jahren flächendeckend aus öffentlichen Gebäuden entfernt und entsorgt werden mussten, sind vor allem damals verwendete Fugendichtungsmassen häufig eine PCB-Quelle.

Am stärksten betroffen sind zwischen 1955 und 1975 errichtete Plattenbauten, etwa Schulen, Kindergärten, Verwaltungsgebäude, aber auch Wohnblocks. Seit 1989 ist die Herstellung, das Inverkehrbringen und die Verwendung von PCB bis auf wenige Ausnahmen verboten.