Bodendenkmal in Uedorf

Gehöft und römische Villa entdeckt

BORNHEIM-UEDORF. Die Denkmalliste der Stadt Bornheim wird um einen Eintrag länger: Das Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) hat in Uedorf eindeutige Indizien für ein bronzezeitliches Gehöft sowie ein römisches Landgut gefunden.

"Es ist ein sehr bedeutendes Bodendenkmal mit gut erhaltenen Funden", sagt Susanne Ermert vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege. Die Archäologin Ursula Francke ergänzt: "Funde aus der Bronzezeit haben wir nicht so häufig."

Im Stadtentwicklungsausschuss entscheiden die Kommunalpolitiker nun am Mittwoch, 3. Dezember, 18 Uhr, über die Eintragung als Denkmal. Allerdings besteht eine Eintragungspflicht, sobald der Denkmalwert feststeht.

Die Siedlungen liegen auf einem Gebiet des Bonner Kiesabbau-Unternehmens Hünten zwischen dem Herseler See und der Bornheimer Straße, auf dem seit Juni 2013 Kiesabbau genehmigt ist. Bereits im vergangenen Jahr hatte der LVR das Areal "Am weißen Stein" deshalb vorläufig unter Schutz stellen lassen, da "Gefahr im Verzug war", sagt Ermert. Erste Ziegelfragmente und Scherben sind auf dem Gelände laut LVR schon in den 1930er Jahren gefunden worden, 2009 verdichteten sich die Hinweise auf ein Bodendenkmal. In diesem Jahr entdeckten die Gutachter weitere gut erhaltene Scherben sowie Gruben und Gebäudereste.

"Wir haben während des Genehmigungsverfahrens für den Kiesabbau bereits eindringlich darauf hingewiesen, dass dort ein Bodendenkmal vermutet wird", sagt Ermert. Der Rhein-Sieg-Kreis erteilte die Genehmigung dennoch und handelte damit nach damaligem Recht. Denn: Damals durften lediglich Denkmäler berücksichtigt werden, die bereits in Denkmallisten eingetragen waren. Das hat sich inzwischen geändert: Auch vermutete Denkmäler stehen unter Schutz.

Die Firma Hünten ist laut Verwaltung als Eigentümer der Fläche über das Eintragungsverfahren informiert worden, sie darf bereits seit der vorläufigen Unterschutzstellung nicht mehr auf dem Gebiet arbeiten. Geschäftsführer Hans Josef Hünten wollte sich gegenüber dem GA nicht zum Verfahren äußern.

Offen ist, ob das Bodendenkmal überhaupt an Ort und Stelle erhalten bleiben wird - und das Areal somit auch künftig für den Kiesabbau wegfällt. Denn: Das Kiesabbau-Unternehmen könne einen Antrag auf Veränderung des Bodendenkmals stellen, sagt Ermert. Darüber müsse dann die Stadt Bornheim als Untere Denkmalbehörde entscheiden, dabei würden die Belange des Denkmalschutzes mit den wirtschaftlichen Interessen der Firma abgewogen.

"Ich denke, es geht dahin, dass das Denkmal ausgegraben, dokumentiert und als Sekundärdenkmal erhalten wird", sagt Ermert. Die Kosten für die Ausgrabung müsse nach dem Denkmalschutzgesetz dann derjenige tragen, der für die Zerstörung des Denkmals verantwortlich sei - soweit sie ihm zumutbar seien. Damit wäre allerdings die Originalquelle zerstört. Das wäre für Ermert und Francke von LVR-Bodendenkmalamt bedauerlich. "In 100 Jahren können wir aus so einer Quelle viel mehr herauslesen", sagt Ermert mit Blick auf die Entwicklung der Untersuchungsmethoden.

Bodendenkmäler

17 weitere Bodendenkmäler stehen bislang auf der Denkmalliste der Stadt Bornheim. Darunter Grabhügelgruppen, Siedlungsreste sowie römische Trümmerstellen und Wasserleitungen. Und die Villa Rustica in Botzdorf, eine römische Badeanlage.

In Uedorf handelt es sich laut den Archäologen vermutlich um ein Gehöft mit mehreren Gebäuden und Vorratsgruben aus der Bronzezeit sowie um Teile einer römischen Villa Rustica.