Projekt "Life+" in den Villewäldern Gefahr für Springfrosch und Kammmolch in Bornheim

Bornheim-Merten. Das Projekt Life+ soll neue Lebensräume in den Villewäldern bei Bornheim schaffen. Dafür stellen die EU und das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen 3,3 Millionen Euro zur Verfügung.

Als Badewanne für Wildschweine wurde der etwa 15 Meter lange, schmale Tümpel am Klüttenweg im Wald zwischen Merten und Walberberg eigentlich nicht angelegt. Ob das ein oder andere Borstenvieh in diesem Rekordsommer trotzdem eine Abkühlung in dem künstlich geschaffenen Nass gesucht hat, ist allerdings nicht auszuschließen. Anlocken wollen die Verantwortlichen vom Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft und der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft mit dem 2017 angelegten Kleingewässer aber vor allem bedrohte Amphibien wie den Springfrosch und den Kammmolch. Für sie dient das Gewässer als Laichplatz.

„Um die Amphibien- Populationen langfristig zu sichern, sollen die neu angelegten Gewässer mit den bereits vorhandenen vernetzt werden“, erklärt Klaus Striepen, Leiter des Projekts „Villewälder – Wald- und Wasserwelten“, das vom europäischen Naturschutzfonds „Life+“ gefördert wird.

Auf Einladung des Bornheimer Umweltausschusses erläuterte Striepen gemeinsam mit Peter Tröltzsch von der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft und Fachbereichsleiter Thomas Deckert, welche Maßnahmen im Bornheimer Wald bereits umgesetzt wurden. Ziel des 2014 gestartete Projekts, das bis 2019 läuft, ist es, durch praktische Naturschutzmaßnahmen die Artenvielfalt in den Villewäldern zu erhalten und zu steigern.

Das Projektgebiet umfasst eine Waldfläche von insgesamt 4378 Hektar. An den Kottenforst schließt sich nach Norden der Höhenrücken der Ville an. Die Villewälder zwischen Weilerswist und Walberberg kommen auf eine Fläche von 725 Hektar. Das Projektbudget in Höhe von 3,3 Millionen Euro wird jeweils zur Hälfte von der Europäischen Union und dem Umweltministerium Nordrhein-Westfalen finanziert. „Etwa die Hälfte der Gelder wurde bereits ausgegeben“, berichtete Striepen.

Das Gewässer, das die Experten den interessierten Ausschuss- und Verwaltungsmitgliedern als beispielhafte Maßnahme erläutern, liegt versteckt abseits des Weges an einer kleinen Lichtung. Der heiße Sommer hat auch hier seine Spuren hinterlassen, aber immerhin: Es ist nicht vollends ausgetrocknet und hat sich damit als „ausdauerndes Gewässer“ qualifiziert.

Etwa die Hälfte der Gelder wurde bereits ausgegeben

Allerdings biete auch die Austrocknung eines Fortpflanzungsgewässers eine Chance für Amphibien, erläutert Striepen. „Dadurch sterben viele der dort lebenden Fressfeinde wie Wasserkäferlarven oder Libellenlarven. Und natürlich vorkommende oder verbotenerweise eingesetzte Fische verschwinden aus den Gewässern.“ Sollten die Witterungsbedingungen 2019 günstig sein, könne dies für die Amphibien positive Auswirkungen haben. Im Villewald bei Bornheim wurden fünf Gewässer angelegt, im gesamten Projektgebiet 49.

Eine weitere Maßnahme demonstrierten die Projektverantwortlichen in einem der ältesten Villewälder in der Nähe des Berggeistsees. Ökologisch ist das Areal, in dem bis zu 160 Jahre alte Buchen wachsen, deshalb auch eines der wertvollsten Gebiete, unterstrich Peter Töltzsch. Alte und tote Bäume sind für zahlreiche Waldarten wichtige Lebensstätten. „In eine von Spechten gebaute Baumhöhle ziehen beispielsweise Fledermäuse ein“, so Tröltzsch.

Das Projekt will zeigen, wie ein entsprechendes Lebensraumangebot innerhalb der normalen Waldbewirtschaftung aufgebaut und nachhaltig gesichert werden kann. Verwirklicht wird das Biotopholzkonzept ausschließlich in Landeswäldern, wo sichergestellt ist, das eine Bewirtschaftung unter der Prämisse der ökologischen Vielfalt möglich ist.

Bäume werden nach ihrem ökologischen Wert beurteilt. Dabei stehen die Projektleiter im ständigen Austausch mit den Förstern. Angestrebt ist die Sicherung eines Biotopholzanteils von zehn Bäumen pro Hektar in allen Eichen-Mischwäldern und Buchenwäldern mit einem Alter von mehr als 100 Jahren. „Wir treffen ein Arrangement zwischen Nutzung und Schutz“, fasst Thomas Deckert zusammen.

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