Verdi äußert Bedenken

Diskussion um Sonntagsöffnung beim Herseler Herbst

Kunst, Musik und Gewerbe: Die Rheinlandfanfaren spielten bei der Leistungsschau Herseler Herbst im Weinhof Antwerpen.

Beim Herseler Herbst ist eine Sonntagsöffnung der Geschäfte geplant.

Bornheim. Mit Blick darauf, dass Verdi 2018 zunächst eine Klage in Sachen Herseler Herbst angekündigt hatte, beschließt der Bornheimer Rat eine neue Verordnung zu der Leistungsschau.

Im vergangenen Jahr feierte der Herseler Herbst sein zehnjähriges Bestehen. Doch nicht nur der runde Geburtstag der Traditionsveranstaltung, bei der die örtlichen Vereine, Landwirte, Gastronomen, Künstler, Schulen sowie Dienstleister und Einzelhändler einmal mehr ein abwechslungsreiches Programm boten, hatte für Aufmerksamkeit gesorgt. Nerven kostete die Organisatoren und die Stadt Bornheim vor allem der verkaufsoffene Sonntag.

Wie berichtet, hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zunächst eine Klage gegen die sonntägliche Ladenöffnung angekündigt, diese dann aber kurzfristig zurückgezogen, sodass die Besucher des Herseler Herbstes letztlich doch nicht auf das gewohnte Angebot verzichten mussten.

Mit einer neuen ordnungsbehördlichen Verordnung zum verkaufsoffenen Sonntag in Hersel, die jetzt einstimmig vom Rat beschlossen wurde, will die Stadt Bornheim eine erneute Zitterpartie um die Sonntagsöffnung vermeiden.

Dezidiert wird dargestellt, warum es bei der Leistungsschau, die den Charakter eines Dorffests hat, ein öffentliches Interesse an der ausnahmsweisen sonntäglichen Ladenöffnung gibt. So wird nicht nur auf den zeitlichen Zusammenhang zwischen Veranstaltung und Ladenöffnung hingewiesen, sondern ausführlich der räumliche Bezug von Veranstaltungs- und Verkaufsfläche beschrieben und in einer Karte dargestellt.

Charakter der Veranstaltung als besonderer Anlass

Unter anderem war es dieser Punkt, mit dem Verdi 2018 beispielsweise gegen die Sonntagsöffnung beim Martinimarkt in Roisdorf erfolgreich argumentiert hatte. Moniert wurde damals die Verkaufsfläche der beiden Möbelhäuser im Verhältnis zur Verkaufsfläche des Martinimarktes. Die Sonntagsöffnung weise die größere Anziehungskraft auf als der Markt, der von den meisten Besuchern nur bei dieser Gelegenheit aufgesucht werde, lautete die Begründung, warum an der Veranstaltung kein öffentliches Interesse bestehe. Für den Herseler Herbst wird die Tatsache betont, dass wenige Händler im Vergleich zu den sonstigen Akteuren dem geforderten Ausnahmecharakter Rechnung tragen.

„Die Veranstaltung erfährt vor allem durch das begleitende bürgerschaftliche Engagement sowie die Einbindung der Künstler und Institutionen wie der Bonner Werkstätten gGmbH, der Feuerwehr, Kirche und des Seniorenheimes ein gut wahrnehmbares Alleinstellungsmerkmal und hebt sich vor allem durch seinen dörflichen Charakter von anderen Veranstaltungen ab“, heißt es in der Verordnung. Somit stelle sich die Verkaufsöffnung aus Sicht der Verwaltung lediglich als „Annex“ dar und der Charakter der Veranstaltung als besonderer Anlass bleibe erhalten.

Die obligatorischen Stellungnahmen zur geplanten Sonntagsöffnung beim Herseler Herbst liegen bereits vor. Während der Einzelhandelsverband Bonn Rhein-Sieg Euskirchen, die Handwerkskammer sowie die katholische Kirche, vertreten durch Pfarrer Jörg Stockem, keine Bedenken geäußert haben, teilte die Gewerkschaft Verdi mit ihrer Stellungnahmen vom 13. Juni 2019 mit, dass die Voraussetzungen für eine sonntägliche Ladenöffnung aus ihrer Sicht nicht gegeben seien. #

Entsprechende Besucherzahlen, die ein derartiges Interesse darstellen könnten, seien nicht vorhanden oder nachweisbar, da die Veranstaltung in den Vorjahren bereits mit der Ladenöffnung verbunden gewesen sei. Es lasse sich im Nachhinein nicht simulieren, wie der Herseler Herbst ohne Verkaufsstellenöffnung verlaufen würde, so die Stadtverwaltung. Gleichwohl lasse sich aber aus den Besucherzahlen der vergangenen Veranstaltungen entnehmen, in welchem Maße die Verkaufsstellen von den Besuchern aufgesucht wurden.

In Würdigung der durch Verdi geäußerten Bedenken soll es in diesem Jahr erstmals eine zahlenmäßig konkrete Erhebung geben. Insbesondere werden die Besucher nach dem Grund ihres Kommens befragt.