Jugendakademie

Die soziale Ungleichheit in Bornheim wächst

Der Politologe Christoph Butterwegge (l.) und Reinhard Grieß vom Erzähl-Café diskutieren über soziale Gerechtigkeit.

Der Politologe Christoph Butterwegge (l.) und Reinhard Grieß vom Erzähl-Café diskutieren über soziale Gerechtigkeit.

Bornheim-Walberberg. Der emeritierte Kölner Politologe und Armutsforscher Christoph Butterwegge diskutiert in der Jugendakademie in Bornheim über soziale Fragen in Deutschland.

Mit einem ersten großen Applaus wurde der emeritierte Kölner Politikwissenschaftler Professor Christoph Butterwegge am Samstagnachmittag im Erzähl-Café der Jugendakademie in Walberberg begrüßt. Der Leiter des Cafés, Reinhard Griep, betonte, wie sehr es in freute, dass es trotz des vollen Terminplans von Butterwegge zu diesem Treffen kommen konnte.

Einen größeren Bekanntheitsgrad dürfte der parteilose, aber bereits zweimal Mitglied der SPD gewesene Butterwegge durch die Nominierung als Bundespräsidentenkandidat der Linken erlangt haben. Er erhielt im Februar weitaus mehr Stimmen, als die Linke Sitze in der Bundesversammlung hatte.

Heute wird Butterwegge als „Armutsforscher“ bezeichnet, wobei er den Begriff selber nicht sonderlich passend findet. „Das hört sich so an, als würde ich unter den Brücken forschen“, sagt er und stellt klar, dass er sich vor allem mit der Reaktion der Gesellschaft auf Armut beschäftigt.

Aber er sei auch schon als Experte für Rechtsextremismus oder als Friedensforscher bezeichnet worden, als dies die Schwerpunkte seiner Arbeit waren. Seine Forschungsfelder sind Globalisierung, Neoliberalismus, Sozialstaat, demografischer Wandel, Generationengerechtigkeit und Armut. Seit Jahren macht Butterwegge auf seine Themen öffentlich aufmerksam. 2009 veröffentlichte er das Buch „Armut in einem reichen Land“, in dem er die soziale Ungleichheit in der reichen Bundesrepublik anprangert.

Reinhard Griep vermutete, dass wir in Deutschland „auf hohem Niveau klagen“ und bat Butterwegge um seine Definition von Armut. Der Politikwissenschaftler antwortete zunächst mit einer Situation, die ihn zutiefst bewegt hatte: In einer Diskussion im Deutschlandfunk wurde er mit einer ehemaligen Münchner Druckereibesitzerin konfrontiert, die von ihrer kleinen Rente berichtete, wie sie abends, um Strom zu sparen im Dunkeln säße, ein Glas warme Milch tränke, weil ihre Oma ihr in der Kindheit erzählt hatte, dass man den Hunger nicht spürt, wenn man warme Milch trinkt.

„Dabei ist München die Stadt, in der die beiden reichsten Geschwister unseres Landes leben, Susanne Klatten und Stefan Quandt, die noch im Mai 2017 eine Milliarde und 74 Millionen als Dividende nur aus ihren BMW-Aktien gezogen hatten“, berichtet Butterwegge.

Er gab als Beispiel sozialer Ungleichheit zu bedenken, dass diese Gewinne aus einem breiteren Aktienportfolio mit zum Beispiel Mercedes- und VW-Aktien mit nur 25 Prozent Kapitalertragssteuer belastet würden, während der Facharbeiter bei BMW „locker den Spitzensteuersatz von 42 Prozent zu zahlen“ habe. Diese Steuerungerechtigkeit würde in der deutschen Öffentlichkeit viel zu wenig thematisiert, kritisierte Butterwegge.