Quarzgrube Brenig

Die Obstblütenlandschaft bewahren

Bei der Übergabe der Auszeichnung: (vorne v. l.) Wolfgang Henseler, Karl-Heinz Erdmann, Michael Pacyna, Achim Baumgartner und drei Helfer des Bundesfreiwilligendienstes am LSV-Turm.

BORNHEIM. "Ausgezeichnetes Projekt" prangt in großen Lettern auf einem Banner am LSV-Turm oberhalb von Bornheim-Botzdorf. Die "Obstblütenlandschaft Botzdorf-Hennesenberg", für die sich der BUND Rhein-Sieg-Kreis, der Landschafts-Schutzverein Vorgebirge (LSV) und das Vogelschutz-Komitee einsetzen, ist seit Dienstag ein offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt.

Laut dem Bund für Naturschutz Deutschland (BUND) spielen Obstbäume für die Charakteristik der Vorgebirgslandschaft eine wichtige Rolle. Nicht nur, dass es Menschen aus der Region stets ins Vorgebirge gezogen habe, um die opulente Kirschblüte zu erleben. Die Obstbäume böten auch Insekten- und Vogelarten Nahrung und Lebensraum.

Im Gebiet rund um die ehemalige Quarzsandgrube Brenig und die Kiesgrube an der Roisdorfer Hufebahn ist es nun das Ziel, die vielfältige Obstblütenlandschaft auf einer Fläche von etwa 120 Hektar zu bewahren. So wurden bereits mehr als 130 neue Bäume, vor allem teils seltene Kirschen und Birnen, neu gepflanzt.

"Es ist eine Landschaft, die weit und breit ihresgleichen sucht", sagte Karl-Heinz Erdmann, Fachgebietsleiter im Bundesamt für Naturschutz in Bonn und Mitglied der UN-Dekade Fachjury. Die UN-Dekade Biologische Vielfalt sei 2011 ins Leben gerufen worden, um den weltweiten Artenverlust, vor allem im Agrarraum, zu stoppen, erklärte Erdmann. In diesem Sinne sei das Projekt von BUND, LSV und Vogelschutz-Komitee vorbildlich, und das nicht nur lokal, sondern auch national, so Erdmann.

"Gebiete, in denen einst Rohstoffe abgebaut wurden, können nach Abschluss ihrer Nutzung zu wertvollen Lebensräumen für unsere Tier- und Pflanzenwelt werden." Dabei habe die Jury auch der Ankauf von Flächen sowie die langjährige, bürgerschaftlich organisierte Pflege beeindruckt, die mit Bürgerbeteiligung vor Ort verankert sei. Auch die Einbindung in das Projekt "Grünes C" sowie die Beweidung mit einer eigenen Schafherde hob das Jurymitglied lobend hervor.

Dem LSV-Vorsitzenden Michael Pacyna lag vor allem auch die Zielsetzung des Projekts, "umfassenden Naturschutz im Einklang mit der Naherholung zu verbinden", am Herzen. So werde beispielsweise der LSV-Turm rege genutzt, um den Ausblick auf die geschützte Landschaft, die teils nicht betreten werden darf, zu genießen. In punkto Naherholung müsse es auch Grenzen geben, deutete Pacyna mit Blick auf die umstrittenen Pläne für einen Reiterhof am Brombeerweg an.

Als "treibende Kraft und Seele des Projekts" bezeichnete Pacyna den BUND-Sprecher Achim Baumgartner. Der freute sich über die "Anerkennung für die Arbeit" durch die Auszeichnung. Die Besonderheit der Landschaft liege nicht nur darin, dass durch die bergrechtliche Vorgeschichte "eine bestimmte Kulisse geschaffen" worden sei, so Baumgartner, sondern auch, dass viele kleine Biotope wie Obstwiesen, Sandflächen, trockene Wiesen und Brombeerdickicht zugunsten von Tier- und Pflanzenarten vernetzt werden könnten.