Landwirtschaft im Vorgebirge

Die Nachfrage ist größer als das Angebot

Das Vorgebirge ist stark von der Landwirtschaft geprägt, wie hier in Hemmerich.

Das Vorgebirge ist stark von der Landwirtschaft geprägt, wie hier in Hemmerich.

Bornheim. Das Landesprojekt „Grüne Infrastruktur NRW“ will Acker- und Erholungsflächen schaffen und aufwerten. Mit dabei sind Alfter und Bornheim.

Seit dem Abschluss des Freiraumprojekts „Grünes C“ im Jahr 2015 arbeiten die Städte Bonn, Sankt Augustin, Troisdorf, Niederkassel und Bornheim mit der Gemeinde Alfter und dem Rhein-Sieg-Kreis auch weiterhin eng in Sachen Landschafts- und Freiraumerhaltung zusammen.

Aktuell beschäftigen sie sich mit dem Landesprojekt „Grüne Infrastruktur NRW“, in dem Kommunen und Zusammenschlüsse aufgerufen sind, in einem „Integrierten Kommunalen Handlungskonzept“ (IHK) ihre Planungen und Projekte darzustellen. Ziel ist es, Grün- und Erholungsflächen zu schaffen, zu vernetzen und aufzuwerten. Im Fokus soll dabei das Gebiet des „Grünen C“ stehen.

Um den Dialog zwischen Fachleuten, Planern und Nutzern anzuregen, gab es in diesem Monat kreisweit drei Themenwerkstätten, deren Ergebnisse in das IHK einfließen sollen. Während es am 13. Dezember in St. Augustin um den Naturschutz ging, widmeten sich die Teilnehmer am 14. Dezember in Troisdorf der Naherholung.

"Gebiet mit enormem Entwicklungspotenzial"

Am Dienstag stand im Bornheimer Ratssaal nun der dritte Themenschwerpunkt „Landwirtschaft“ auf dem Programm. Gefolgt waren der Einladung unter anderem Vertreter der konventionellen und der ökologischen Landwirtschaft, von Verbänden sowie Kommunalpolitiker, die die Chance zum intensiven Dialog nutzten. Die Moderation lag bei Peter Smeets vom Büro Smeets Landschaftsarchitekten.

Smeets betonte, dass mit der „Gebietskulisse 'Grünes C'“ gute Voraussetzungen zur Förderung im Rahmen des Landesprojekts gegeben seien. „Wir sehen im Köln- Bonner Raum ein Gebiet mit enormem Entwicklungspotenzial“, sagte Smeets. „Daher ist es wichtig, jetzt Räume und Freiflächen zu sichern, zu entwickeln und aufzuwerten.“

Ein möglicher „Haken“ am Landesprojekt „Grüne Infrastruktur NRW“, dessen Förderanteil bei 50 Prozent liegt, ist der Zeitplan: Alle Planungen und Projekte müssen im Rahmen eines Integrierten Handlungskonzeptes dargestellt und eingereicht werden – und zwar bis Ende 2017.

„Voraussetzung dafür ist, dass alle beteiligten Städte und Gemeinden zuvor im Frühjahr 2017 entsprechende Ratsbeschlüsse fassen“, erklärte Smeets. Somit sei eine gewisse Eile geboten. Dass das komplexe Thema Landwirtschaft jedoch nicht „eilig“ abzuarbeiten ist, wurde in der Werkstatt im Ratssaal deutlich: Die ursprünglich für zwei Stunden angesetzte Veranstaltung ging weit über den Zeitrahmen hinaus – vor allem auch deshalb, weil es eine Runde in dieser Zusammensetzung bisher offenbar noch nicht gegeben hat.

Der Wunsch, sich öfter auszutauschen und untereinander besser vernetzt zu sein, wurde in vielen Wortmeldungen deutlich. Die Tatsache, dass die landwirtschaftlichen Nutzflächen immer knapper werden, gleichzeitig aber das Interesse an gesunder, regionaler Ernährung wächst, beschäftigte die Teilnehmer besonders. „Der Druck der Kommunen, Wohnbau- oder Gewerbeflächen zu schaffen, ist groß“, sagte Andreas Erll, Leiter des Fachbereichs Stadtplanung in Bornheim. Dies bekomme auch die Landwirtschaft zu spüren.

Welche Schwierigkeiten, aber auch welche Chancen dennoch für landwirtschaftliche Nutzflächen in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis bestehen, wurde in den Berichten über Erfahrungen und Geschäftsmodelle der Teilnehmer deutlich.

Gemeinsamkeiten erkennen, Eigenarten behalten

„Ich würde sofort auf Bio umstellen, aber es rechnet sich nicht“, erklärte ein Bornheimer Landwirt. Die Kunden der großen Lebensmittelketten seien nicht bereit, entsprechende Preise zu zahlen. „Die konventionelle Landwirtschaft steckt in einer Sackgasse“, meinte Gesa Maschkowski von der Solidarischen Landwirtschaft Bonn. Daher solle man mutiger sein und die Chance, die sich durch das Landesprojekt biete, nutzen, um die Biolandwirtschaft noch stärker zu fördern. Rolf Born von der Landwirtschaftskammer NRW betonte, dass Themen wie die Urbane Landwirtschaft und Urban Gardening weiter verfolgt werden müssen. „In diesem Bereich tut sich einiges.“

Katrin Ivanov, die 2005 in Köln die Gemüseselbsternte „Gartenglück“ ins Leben gerufen hat und einen eigenen Hof ökologisch bewirtschaftet, berichtete von ihren Erfahrungen. „Die Nachfrage nach Ackerparzellen zur eigenen Bewirtschaftung übersteigt das Angebot bei Weitem“, erklärte Ivanov. Für Landwirte sei es ein Leichtes, Flächen für diese Form der Bewirtschaftung zur Verfügung zu stellen und damit letztlich auch neue Kunden für die eigenen Produkte zu gewinnen, meinte die Agrarwissenschaftlerin.

Auch an die Verantwortung der Kommunen wurde appelliert. Diese könnten ihr Augenmerk verstärkt auf den regionalen Einkauf richten und beispielsweise Kantinen, Kitas oder Schulmensen mit Produkten aus der Umgebung bestücken. Wichtig sei, möglichst viel Spielraum für unterschiedliche Geschäftsmodelle zu lassen. Abseits der unterschiedlichen Bewirtschaftungsformen sollte es darum gehen, landwirtschaftliche Flächen zu erhalten.

Oder, wie es Moderator Peter Smeets ausdrückte: „Gemeinsamkeiten erkennen, Eigenarten behalten.“