Projekt im Jugendakademie Walberberg

"Die Mauer soll weg"

In einer Pressekonferenz präsentieren Teilnehmer des Projekts "Ferien vom Krieg" die Ergebnisse von fiktiven Friedensverhandlungen. FOTO: JAGODZINSKI

In einer Pressekonferenz präsentieren Teilnehmer des Projekts "Ferien vom Krieg" die Ergebnisse von fiktiven Friedensverhandlungen.

BORNHEIM-WALBERBERG. In der Jugendakademie Walberberg haben junge Israelis und Palästinenser Frieden geschlossen. Sie trafen sich im Rahmen des zweiwöchigen Projekts "Ferien vom Krieg - Dialoge über Grenzen hinweg", das der Kölner Verein "Komitee für Grundrechte und Demokratie" angeboten hat.

Die Gesichter sind ernst. Immerhin geht es um viel: Um die Vergangenheit und die Zukunft vieler Menschen, um das Land, die Heimat, die Herkunft, den Glauben - und vor allem darum, wie das Miteinander von alledem funktionieren kann. Aufreibende Gespräche liegen hinter den 60 jungen Israelis und Palästinensern, die in die Jugendakademie Walberberg gekommen sind, um etwas zu versuchen, was in der Politik noch nicht gelungen ist: Frieden zu schließen.

"Ferien vom Krieg - Dialoge über Grenzen hinweg" lautet der Titel des zweiwöchigen Projekts, das der Kölner Verein "Komitee für Grundrechte und Demokratie" anbietet. Der Begriff "Ferien" sei eigentlich etwas irreleitend, sagt Projektkoordinatorin Barbara Esser. Zwar unternehmen die Teilnehmer auch Ausflüge nach Bonn, Köln und Brüssel und verbringen zusammen Freizeit, etwa bei einem Filmabend.

Im Mittelpunkt des Aufenthalts stünden aber "ganz intensive Dialoge". Mit Hilfe von zwei Partnerorganisationen, die in Israel und im Westjordanland arbeiten, werden junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren zu dem durch Spenden finanzierten Seminar eingeladen. "Es sind vorwiegend jüdische Israelis und Palästinenser aus dem Westjordanland und aus Ostjerusalem. Für die meisten ist es die erste Möglichkeit, sich auf ziviler Ebene kennenzulernen", sagt Esser und fügt hinzu: "Es ist erschreckend, wie wenig sie oft voneinander wissen."

Teilnehmer mussten sich zunächst annähern

Oft hätten sie geradezu ein "entmenschlichtes" Bild voneinander, trauten etwa der anderen Seite keine Gefühle zu. Viele hätten auch nahe Angehörige in dem Konflikt zwischen beiden Seiten verloren, erklärt Esser. Daher sei es zu Beginn des Seminars wichtig, dass die Teilnehmer sich erst einmal persönlich kennenlernten, von sich selbst und ihren Lebensumständen erzählten, ehe es an "die großen Fragen" gehe.

Die standen nun gegen Ende der Woche bei den fiktiven Friedensverhandlungen an. In drei Gruppen beschäftigten sich die Teilnehmer mit Hilfe von Koordinatoren und Übersetzern mit der Frage, was mit der Stadt Jerusalem passieren soll, welche Rechte die palästinensischen Flüchtlinge erhalten, ob eine Ein- oder Zwei-Staaten-Lösung den Weg zum Frieden ebnet.

In einer Pressekonferenz präsentierten Vertreter der Gruppen sowie zwei gewählte "Präsidenten" vor allen Teilnehmern auf Hebräisch und Arabisch die Ergebnisse. Unter den Zuhörern war auch Helga Dieter, Ideengeberin und bis vor anderthalb Jahren Koordinatorin für das Projekt, das seit 2002 jährlich angeboten wird.

Teilnehmer haben Lösungen gefunden

"Früher waren die Seminare von Hoffnung getragen", sagt sie, "jetzt beginnen sie mit Resignation." Warum es sie trotzdem noch gebe? Weil eine Lösung nur von den Menschen selbst kommen könne, antwortet Dieter: "Wenn sie nicht von unten getragen wird, dann bringt es nichts." Die Teilnehmer haben Lösungen gefunden: Sie entschieden sich zum Schutz des jüdischen Charakters des Staates Israel zunächst für eine Zwei-Staaten-Lösung mit der Option, später zu einem Staat zusammenzuwachsen, wenn die Nachbarschaft funktioniere, schildert Khalil Toama. Der Palästinenser mit israelischem Pass, der seit 1969 in Frankfurt lebt, spricht fließend Deutsch und übersetzt die Ergebnisse der Pressekonferenz.

"Die Mauer soll weg", sagt er und meint die von Israel gebaute Sperranlage zum Westjordanland. Beide Seiten hätten die historischen Rechte des anderen anerkannt, so solle Ostjerusalem zur Hauptstadt Palästinas werden, Westjerusalem die von Israel. Wichtig sei den Teilnehmern auch: In den Schulen sollen die Kinder ab der ersten Klasse beide Sprachen lernen, binationale Aktivitäten sollen gefördert werden, ein Radiosender soll neutral berichten und es soll einen neuen Feiertag geben: den Tag des Friedens.