Spargel in Bornheim

Die Majestät kocht königliches Gemüse

Gute Vorbereitung ist alles: Leonie Palm aus Uedorf beim Spargelschälen. FOTO: AXEL VOGEL

Gute Vorbereitung ist alles: Leonie Palm aus Uedorf beim Spargelschälen. FOTO: AXEL VOGEL

BORNHEIM-UEDORF. Die Brühl-Bornheimer Spargelkönigin Leonie Palm aus Uedorf verrät ihr liebstes Gericht: Pasta mit Spargel.

„Einfach ein bisschen unterhalb der Spitze ansetzen und ziehen.“ Zügig gleitet der Spargelschäler über die weißen Stangen. In dünnen Streifen lösen sich die Schalen und türmen sich im dafür vorgesehenen Behälter. Klar, dass Leonie Palm ein Händchen für das besondere Gemüse hat, schließlich ist die 20-Jährige aus Uedorf die Brühl-Bornheimer Spargelkönigin. Für den General-Anzeiger kocht sie heute ihr liebstes Gericht: Nudeln mit Spargel und Schinken-Sahne-Sauce.

„Das ist mal etwas anderes als die klassischen Gerichte“, erklärt sie ihre Wahl. Und Spargel kommt für die junge Uedorferin wirklich häufig auf den Tisch: Immerhin ist ihr Vater, Biobauer Leonhard Palm, Vorsitzender des Vereins der Bornheimer Spargelanbauer. Für den Verein sowie für die Brühler Gastro-Runde bewirbt die Majestät den Verkauf des Bornheimer Spargels, der seit 2014 durch ein Patent geschützt ist und im EU-Register für regionale Spezialitäten steht.

Den besonderen Geschmack erhalte der Bornheimer Spargel von den speziellen Lössböden, weiß Leonie Palm. Es sei „eine gute Saison“, auch wenn sie aufgrund des kühlen Wetters mit Anfang Mai vergleichsweise spät gestartet sei. So werde die Ernte aber voraussichtlich auch bis zum offiziellen Saisonende, dem Johannistag am 24. Juni, weitergehen, sagt sie.

Jeden Tag während der Saison landet das Edelgemüse auf dem Teller

Für das Pasta-Gericht hat die 20-Jährige ein Kilo dicke wie dünne Stangen des Gemüses und Spargelspitzen vorbereitet. Am besten bewahre man den Spargel in ein feuchtes Handtuch gewickelt im Kühlschrank auf, empfiehlt sie. Wer sich beim Schälen wundert, weil sich an den Spitzen eine lila Färbung zeigt, braucht nicht beunruhigt sein: „Dann hat der Spargel schon Sonne gesehen“, erklärt die Kennerin. Normalerweise werde er gestochen, wenn sich die Erde über der Spitze leicht wölbe. Wenn er sein Köpfchen schon weiter hochgesteckt hat, dann kommt es zu der lila Färbung: „Aber man sagt, dann schmeckt er intensiver.“

Eigentlich jeden Tag während der Saison, erzählt Leonie Palm, landen im Familienbetrieb die begehrten weißen Stangen auf dem Teller. Und dann meist in der klassischen Variante: mit Kartoffeln, Schinken und Sauce Hollandaise – gekocht von Mutter Isabella Palm. Keine Frage, dass Leonie das auch lecker schmeckt. „Aber dann muss man neben dem Spargel ja auch noch Kartoffeln schälen“, gesteht die Majestät, dass ihr das Schälen des königlichen Gemüses durchaus schon mal lästig sei. An sich koche sie aber gerne.

Und dafür trägt die 20-Jährige heute auch nicht das festliche, blassrosa Kleid samt Krönchen, das sie sich für ihre repräsentativen Aufgaben etwa bei der Eröffnung der Spargelsaison auf der Königstraße oder bei der Radtour „Frühlingserwachen“ ausgesucht hat. Nur die Schärpe über ihrem Pulli und der Jeans deutet auf ihre Rolle als Spargelkönigin hin, die Leonie nach ihrer älteren Schwester Andrea als zweite Tochter aus dem Hause Palm wahrnimmt.

Mit so viel Wasser, dass der Spargel gerade gut bedeckt ist, kommt er jetzt in den Kochtopf: „für zehn bis 15 Minuten, mit ein bisschen Zucker und ein bisschen Salz dabei“. Auch die Rigatone gibt die Spargelkönigin nun ins kochende Salzwasser – die elektrische Kochplatte hat sie dafür eigens im Hofladen der Familie aufgestellt, in dem sie samstags mit aushilft.

Beruflich soll es für die 20-Jährige allerdings nicht in die Landwirtschaft gehen: Im August beginnt sie in Bonn-Pützchen eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau – und freut sich auf die Büroarbeit. In ihrem Ausbildungsbetrieb arbeitet sie auch jetzt schon.

Dass sie mit ihren drei Schwestern auf einem Hof groß geworden ist, findet Leonie Palm schön: „Man sieht, was hier in der Region alles wächst und wie es wächst“, sagt sie. „Aber man weiß ja nicht, wie lange man die Arbeit körperlich machen kann“, meint sie mit Blick auf die berufliche Perspektive.

Mit einem guten Stück Butter in der Pfanne schmort die Spargelkönigin nun für die Sauce klein geschnittene Zwiebeln an. Etwas Mehl zum Anschwitzen gibt sie hinzu, es folgen ein Becher Sahne, etwa 150 Milliliter des Spargelsuds, Salz und Pfeffer sowie in Streifen geschnittener gekochter Schinken. Inzwischen sind auch die Nudeln und der Spargel gar, wie ein Piks mit dem Messer beweist.

Der erste Teller ist schon aufgefüllt, und ganz spontan reicht die 20-Jährige ihn einer Kundin, die gerade mit ihren beiden Töchtern das Geschäft betritt. Na denn: Guten Appetit!