Frühe Hilfen in Bornheim

Der Bedarf wird immer größer

Bornheim. Die Stadt Bornheim will nun das Stundenkontingent von Familienhebamme Angelika Heusler erhöhen, die „nur sehr wenige Klientinnen so intensiv begleiten" kann, wie sie es vielleicht nötig hätten.

Seit gut drei Jahren ist Angelika Heusler in den Gemeinden Alfter, Swisttal, Wachtberg und in der Stadt Bornheim unterwegs. Jungen Müttern, für die die Geburt ihres Kindes nicht nur Glück und Freude bedeutet, bietet sie Unterstützung und Beratung an. In Bornheim betreute die Familienhebamme des Diakonischen Werks Bonn und Region im Jahr 2014 16 Frauen.

Ein Jahr später waren es mehr als doppelt so viele: 36 Klientinnen nahmen ihr Beratungsangebot in Anspruch. Nicht verdoppelt hat sich dagegen die Einsatzzeit der Familienhebamme in Bornheim. Obwohl sich die Entwicklung steigender Fallzahlen 2016 fortsetzte, ist Angelika Heusler weiterhin mit lediglich zehn Stunden pro Woche in Bornheim eingesetzt, was den Bedarf nur marginal deckt. Seit 2012 wird diese Stundenzahl mit Hilfe von Fördermitteln der Bundesinitiative „Netzwerk Frühe Hilfen und Familienhebammen“ finanziert. Für die Jahre 2015 und 2016 wurden jeweils 13.946 Euro bewilligt.

Eine Familie intensiv zu begleiten und ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, ist bei dem geringen Zeitkontingent nahezu unmöglich. „Bei der Zahl der betreuten Klientinnen merke ich deutlich, dass zehn Arbeitsstunden für Bornheim nicht ausreichen“, schrieb Angelika Heusler in ihrem Jahresbericht, der in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses im Mai zur Kenntnisnahme vorlag. „Ich kann nur sehr wenige Klientinnen so intensiv begleiten, wie sie es vielleicht nötig hätten. Vieles kann ich nur per Telefon koordinieren.“

Mit dem Angebot der frühen Hilfen wird auch das Ziel verfolgt, die Quote der Inanspruchnahme von erzieherischen Hilfen zu senken und präventiv zu wirken. Das Bundeskinderschutzgesetz (BKiSchG) gibt die Stärkung des Einsatzes der Familienhebammen vor. Im Zuge der Haushaltsplanberatungen stand das Thema im jüngsten Jugendhilfeausschuss in Bornheim wieder auf der Tagesordnung. Einstimmig votierten die Kommunalpolitiker für den weiteren Einsatz der Familienhebamme vorbehaltlich der weiteren Förderung und beauftragten Bürgermeister Wolfgang Henseler damit, die Stundenzahl aufzustocken und entsprechende Mittel im Haushalt einzuplanen.

Verwaltung stimmt Thema mit der Kommunalaufsicht ab

Darüber hinaus sollen die Mittel für das „Café Mama Mia“, ein niedrigschwelliges Angebot für Mütter und Väter, das zurzeit mit 5.000 Euro von der Stadt Bornheim finanziert wird, um 500 Euro erhöht werden, um Lohnsteigerungen anzupassen. Die Treffen im Familienzentrum „Sonnenstrahl“ der Arbeiterwohlfahrt in Bornheim werden von einer Fachkraft des Diakonischen Werkes geleitet.

Bei beiden Punkten steht die Frage im Raum, ob es sich um freiwillige Leistungen der Stadt handelt, deren Ausweitung aufgrund der Haushaltssicherung nur erfolgen kann, wenn an anderer Stelle Aufgaben im freiwilligen Bereich reduziert werden oder eine andere Drittmittelfinanzierung erfolgt. Einig waren sich die Kommunalpolitiker, dass durch frühe Hilfen langfristig Kosten eingespart werden können. Petra Heller (CDU) bekräftigte, dass zehn Einsatzstunden für die Familienhebamme in Bornheim viel zu wenig seien, wenn man präventiv wirken wolle. „Jeder Fall, den wir nicht abrutschen lassen, spart ja auch Geld“, meinte Rainer Züge (SPD).

Zudem führten die Politiker die Betreuung von Flüchtlingsfamilien ins Feld, deren besondere Bedürfnisse Angelika Heusler in ihrem Jahresbericht ebenfalls ausgeführt hatte: „Die Arbeit mit Flüchtlingsfamilien verlangt besonders viel Einfühlungsvermögen und Fähigkeiten. Verständigungsprobleme erschweren meine Arbeit zusätzlich.“ Hier sah auch Kämmerer Ralf Cugaly einen möglichen Ansatzpunkt zur Diskussion mit der Kommunalaufsicht.

Wie Bürgermeister Wolfgang Henseler auf Anfrage erklärte, stimmt die Verwaltung das Thema zurzeit mit der Kommunalaufsicht ab. Ganz klar sehe er den Einsatz der Familienhebamme, auch in Bezug auf die Betreuung von Flüchtlingen und mit Blick auf die Prävention, als zwingende Aufgabe an. Er sei „gebremst optimistisch“, dass die Gespräche positiv verliefen.