Angebot in Bornheim

Demenzkranke besuchen Waldorfer Biohofs Bursch

Führte die Besucher über den Hof in Waldorf: Lothar Tolksdorf (rechts). Zum Programm gehörte auch ein kleiner Spaziergang.

Führte die Besucher über den Hof in Waldorf: Lothar Tolksdorf (rechts). Zum Programm gehörte auch ein kleiner Spaziergang.

Bornheim-Waldorf. Zum Welt-Alzheimertag organisiert der Qualitätszirkel Demenz für Betroffene einen Besuch des Waldorfer Biohofs Bursch.

Keine Frage: Das Ehepaar Heinrich (79) und Ingrid Müller (76) aus Hersel genoss den Ausflug zum Waldorfer Biohof Bursch, zu dem der Qualitätszirkel Demenz für die Region Bornheim/Alfter am Donnerstag eingeladen hatte. 30 Teilnehmer mit demenzieller Erkrankung oder körperlicher Einschränkung – einige brachten ihre Angehörigen mit – nutzten das Angebot, um aus den eigenen vier Wänden herauszukommen und mal etwas anderes zu sehen.

„Endlich denkt man auch einmal an uns. Denn eine Behinderung macht auch recht einsam“, freute sich Ingrid Müller. Nach einem Schlaganfall vor 14 Jahren und Operationen an Knie und Hüfte sind die Unternehmungen mit ihrem Mann selten geworden, der außer Haus auf einen Rollstuhl angewiesen ist. „Doch diesen in den Wagen zu heben, ist nicht ganz einfach.“

Die Aktion des Qualitätszirkels fand innerhalb des Welt-Alzheimertags unter dem Motto „Demenz – dabei und mittendrin“ statt. Dabei kamen die Senioren bei Kaffee und Kuchen nicht nur miteinander ins Gespräch, auch ein Spaziergang samt kleiner Führung durch den landwirtschaftlichen Betrieb kam ausgesprochen gut an. Fragen zu Produkten und Anbaumethoden wurden fachkundig beantwortet.

Eine Angehörige: „Endlich denkt man auch einmal an uns"

Während das Ehepaar Müller mit dem Auto da war, hatte der Betreuungsdienst Bornheim den Fahrdienst für 16 seiner Kunden übernommen. Dazu gehörten auch Bewohner des St. Elisabeth Seniorenzentrums Alfter.

Zufrieden mit der Resonanz war Birgit Knels, pädagogische Mitarbeiterin und Seniorencoach beim Sozialpsychiatrischen Dienst (SPZ) des Katholischen Vereins für Soziale Dienste im Rhein-Sieg-Kreis (SKM) in Meckenheim, die in Vertretung von Andrea Schmidt, Leiterin der Qualitätszirkel in Bornheim/Alfter und Meckenheim/Rheinbach, die Gäste begrüßte.

Vom Alltag ein wenig abschalten konnte auch die Bornheimerin Anna Lenzen. „Mein Mann leidet an Demenz. Seit Juni hat sich sein Zustand so verschlimmert, dass ich mich gar nicht mehr traue, ihn alleine zu lassen. Deshalb genieße ich auch so die Gemeinschaft mit den anderen am Tisch und die Gespräche“, erklärte die 82-Jährige. Obwohl ihr Mann drei Mal in der Woche in der Tagespflege versorgt werde, sei die Bewältigung des täglichen Lebens für sie nicht immer einfach. Das unterstrich Rosel Winzen aus Botzdorf. Ihr Mann Norbert hat zwar keine Diagnose, „er ist aber seit eineinhalb Jahren sehr vergesslich geworden. Und das ist manchmal schon anstrengend“, sagte die 69-Jährige.

Aus Interesse hatte sich Ute Schrock der Gruppe angeschlossen. Die 53-Jährige möchte sich beruflich verändern und hat sich als Mitarbeiterin beim Betreuungsdienst beworben. „Bei der Gelegenheit kann ich ein wenig in den Beruf hineinschnuppern. Aber ich denke, dass die Tätigkeit etwas für mich ist“, meinte sie. Betreuungsdienst-Chefin Susanne Pint fand den Nachmittag mehr als gelungen. Eine Wiederholung hat auch schon Knels ins Auge gefasst.

Kontakt: Jeweils dienstags von 15 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung bietet ADele, Fachberatungsstelle für Demenzerkrankungen, andere psychische Erkrankungen im Alter und Depression des Sozialpsychiatrischen Zentrums Meckenheim, eine Demenz-Sprechstunde in der Königstraße 25 in Bornheim statt. Ansprechpartnerin ist Birgit Knels: 0 22 25/9 99 76 24.